Tempo 30 in Hilden: Viele Fragen bleiben offen
12.06.2026Wurde der Lärmschutzplan zu hastig umgesetzt?
***Kommentar***
Zum besseren Verständnis: die neuen Tempo-30-Regelungen in Hilden werden mit dem Lärmschutz begründet. Grundlage ist ein Lärmgutachten, das die Stadt aufgrund gesetzlicher Vorgaben erstellen musste.
Dafür sollte man die Stadt nicht kritisieren. Sie hält sich nur an die gesetzlichen Regeln.
Trotzdem bleiben Fragen offen.
Der Lärm wurde nicht gemessen – sondern berechnet!
Vielen Bürgern ist nicht bekannt, dass die dem Lärmgutachten zugrunde liegenden Lärmwerte nicht mit Mikrofonen an den betroffenen Straßen gemessen worden sind!
Stattdessen wurden die Werte mit einem Rechenmodell ermittelt. Solche Modelle sind zwar anerkannt und werden bundesweit eingesetzt. Sie bleiben aber Berechnungen.
Aber bildet ein solches Modell die tatsächliche Situation in Hilden realistisch ab?
Jede Straße ist anders
Nicht jede Straße in Hilden ist gleich. Mal stehen die Häuser sehr dicht an der Fahrbahn (Klotzstraße), mal deutlich weiter entfernt (Gerresheimer Straße). Auch Mauern, Bäume, Innenhöfe oder moderne Schallschutzfenster können eine Rolle spielen.
Ob die Berechnungen die Realität überall genau treffen, lässt sich deshalb schwer beurteilen.
Was sagen die Zahlen?
Nach den Berechnungen sind heute rund 39.000 Menschen in Hilden von Straßenverkehrslärm betroffen. Mit Tempo 30 soll diese Zahl auf rund 36.300 Menschen sinken.
Das wären rund 2.750 Betroffene weniger. Das entspricht einer Verringerung um etwa 7 Prozent. Und 2.298 Personen würden sogar deutlich entlastet.
Genau diese Zahlen sind das wichtigste Argument für Tempo 30.
Ampeln bleiben zunächst unverändert
Kritisch ist derzeit folgender Punkt. Tempo 30 wurde innerhalb weniger Tage eingeführt. Die Anpassung der Ampelschaltungen soll dagegen erst im kommenden Jahr erfolgen.
Das Gutachten geht aber davon aus, dass Tempo 30 und angepasste Ampeln zusammenwirken sollen! Denn weniger Lärm entsteht vor allem dann, wenn der Verkehr gleichmäßig fließt.
Viele Autofahrer erleben derzeit aber eher das Gegenteil: bremsen, anfahren, bremsen, anfahren. Hier hätte man also besser auf die Ampelschaltungen warten sollen.
Erfolg sollte überprüft werden
Wenn die Stadt eine so weitreichende Maßnahme einführt, sollte sie später auch überprüfen, ob sie tatsächlich wirkt. Sinnvoll wären dann aber auch realistische Messungen vor Ort und keine „Modellrechnungen“.
Dann würde sich zeigen, ob die Berechnungen des Gutachtens tatsächlich der Realität entsprechen.
Und das Ergebnis?
Die Stadt setzt gesetzliche Vorgaben um. Das muss sie.
Kritisch hinterfragt werden darf aber, ob weitreichende Verkehrsänderungen allein auf Berechnungen gestützt werden sollten.
Noch wichtiger ist die Frage, warum Tempo 30 bereits eingeführt wurde, während ein wichtiger Teil des Konzepts – die Anpassung der Ampeln – noch fehlt.
Am Ende zählt nicht, was ein Modell berechnet. Entscheidend ist, was die Menschen auf den Straßen tatsächlich erleben.
Bericht: LT
Foto/Montage: anzeiger24.de / GDJ/Pixabay
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