Nach der Schule: „Muss ich jetzt zur Bundeswehr?“

04.02.2026

Was Jugendliche in Hilden über Wehrdienst und soziales Ersatzjahr denken

Mit dem 1. Januar 2026 hat sich für viele Jugendliche in Deutschland schlagartig etwas verändert. Das neue Gesetz zur Modernisierung des Wehrdienstes, kurz „Wehrdienstgesetz", macht aus einer bislang abstrakten politischen Debatte eine ganz persönliche Frage: Was passiert mit mir nach der Schule? Muss ich zur Bundeswehr? Oder sollte stattdessen bei Verweigerung wieder ein Ersatzdienst verpflichtend werden? So wie „früher“? Was das Gesetz aktuell vorsieht, erfahren Sie hier…

 

Viele junge Menschen fühlen sich von der Politik übergangen. Sie kritisieren, dass die Reform ohne ihre Beteiligung beschlossen wurde – obwohl sie es sind, die die Konsequenzen tragen müssen.

 

Was sagen eigentlich diejenigen dazu, die es betrifft?

Wir haben selbst bei einigen Schülern der Jahrgangsstufe 10 an einem Gymnasium in Hilden nachgefragt.

 

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„Pflichtbewusstsein, Zusammenhalt und Einsatz für unser Land“

Die Meinungen fallen durchaus gemischt aus: Jonathan erklärte im Gespräch zum Beispiel: „Ich sehe den Wehrdienst als gut und in der aktuellen Situation als angemessen an. Die aktuelle Regelung, dass ab 2027 alle Männer gemustert werden sollen, finde ich gut, da wir momentan überhaupt nicht die Kapazitäten dafür haben.“ Die müssten erst noch aufgebaut werden.

Zugleich betonte er aber auch, dass eine Wehrpflicht für alle Geschlechter gelten solle und die Kasernen dringend modernisiert werden müssten. Einen verpflichtenden Ersatzdienst im Falle einer Kriegsdienstverweigerung hält Jonathan für sinnvoll. Während eines Praktikums in einer Senioreneinrichtung habe er den Fachkräftemangel selbst erlebt. Ein Ersatzdienst könne daher eine wirksame Gegenmaßnahme sein. Er selbst möchte im Rahmen des Wehrdienstes entweder bei der Bundeswehr Medizin studieren oder, falls das nicht möglich sein sollte, seinen Ersatzdienst im Rettungsdienst leisten.

 

Auch der 16-jährige Maximilian, der bereits nächstes Jahr vom Wehrdienst betroffen sein wird, sieht diesen als „klaren Ausdruck von Pflichtbewusstsein, Zusammenhalt und Einsatz für unser Land“. Darum sagt er ganz deutlich: „Ich möchte den Wehrdienst leisten, weil Freiheit, Sicherheit und staatliche Ordnung für mich nicht selbstverständlich sind.“ Der Staat funktioniere nur, wenn Menschen bereit seien, „Verantwortung zu übernehmen und sich für die Gesellschaft einzusetzen“. Für ein soziales Ersatzjahr sei er ebenso offen, sofern es „wirklich einen Mehrwert für die Gesellschaft bringt“.

 

Doch nicht bei allen ist die Zustimmung so eindeutig.

 

„Wichtig, aber freiwillig“

Emilia empfindet die allgemeine Wehrpflicht zwar als „an sich nichts Schlimmes“, weil das Verweigerungsrecht ja dennoch bestehen bleibt. Jedoch ist sie trotzdem gegen eine Wehrpflicht. Außerdem vermutet sie, dass der Wehrdienst Ausbildungs- und Studiumsanfänge verzögern könne, da nicht alle Berufsausbildungen bei der Bundeswehr möglich sind. Im Falle einer Wehrpflicht fände sie einen verpflichtenden Ersatzdienst gut, da sie ebenso wie Jonathan den Personalmangel in sozialen Berufen dadurch verringern möchte. Insgesamt würde sie aber sowohl den Wehrdienst als auch einen möglichen Ersatzdienst auf Freiwilligkeit basieren lassen.

 

Lukas sieht das ähnlich wie Emilia. Er hält den Wehrdienst grundsätzlich für wichtig, da man „auf alles vorbereitet sein sollte“, jedoch solle niemand gezwungen werden. Er selbst zum Beispiel wolle nicht zur Bundeswehr. Auch ein Ersatzdienst solle freiwillig bleiben, weil er befürchtet, dass Menschen mit weniger stark ausgeprägten sozialen Fähigkeiten der Branche mehr schaden als nutzen würden.

 

Auch Sophie ist gegen die momentane Wehrpflicht. Besonders kritisch sieht sie die Ungleichbehandlung zwischen den Geschlechtern. Diese sei „misogynistisch“ und spreche gegen „den im Grundgesetz verankerten Wert der Gleichberechtigung". Auch wenn sie gegen eine Pflicht ist, solle man entweder alle oder niemanden verpflichten.

 

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Sie erkennt zwar an, dass Deutschland „militärisch geschwächt“ sei und findet, dass es „jetzt, wo viele andere Länder aufrüsten, eigentlich mithalten“ solle. Zum anderen müsse der Staat das nötige Geld dafür erstmal aufbringen, was Deutschland wegen der Wirtschaftskrise nicht habe.

Des Weiteren kritisiert sie, dass die Bundeswehr beibringe, „auf andere zu hören und weniger für sich selbst zu denken“. Das könne die Menschen nach dem Dienst einschränken.

 

Anders als Emilia oder Lukas hält Sophie einen verpflichtenden Ersatzdienst für wichtig, da viele der jungen Generation „durch Handys ihre sozialen Kompetenzen verloren oder nicht richtig entwickelt haben“. Darüber hinaus seien soziale Berufe zu gering wertgeschätzt und unterbesetzt. Das könne sich durch ein soziales Jahr verbessern.

 

Bericht: FS
Foto: SimoneVomFeld/Pixabay / KI generiert mit Adobe Firefly

 

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