Kippen vermüllen die City – und die Stadt resigniert
10.10.2026Ehrenamtliche sammelten rund 40.000 Zigarettenstummel. Doch anschließend passierte: nichts!
Wie groß das Kippenproblem in der Hildener Innenstadt ist, zeigte das Itter Clean Team bereits vor Jahren mit einer eindrucksvollen Sammelaktion: 16 Helferinnen und Helfer trugen innerhalb von zwei Wochen rund 40.000 Zigarettenstummel zusammen. Darüber hatten wir berichtet. Doch nach Angaben der Beteiligten lagen schon wenige Tage später erneut zahlreiche Kippen in der Fußgängerzone. Und auch heute gehören achtlos weggeworfene Zigarettenreste zum Stadtbild. Für anzeiger24.de ein Anlass, nachzufragen: Was unternimmt die Stadt dagegen?
Die Antworten der Verwaltung fallen ernüchternd aus: Gezielte Kontrollen gegen das Wegwerfen von Zigarettenkippen finden nicht statt. Die Stadt hält sie für ineffizient. Eine offensive Strategie gegen die Verursacher lässt ihre Stellungnahme nicht erkennen.
Kontrollen nur „beiläufig“
Die Verwaltung begründet ihren Verzicht damit, dass Menschen ihre Zigarettenkippen in aller Regel ordnungsgemäß entsorgten, sobald der Ordnungsdienst sichtbar anwesend sei. Und da die Beschäftigten des Kommunalen Ordnungsdienstes immer in Dienstbekleidung arbeiten, würden Verstöße eher „beiläufig“ festgestellt.
Damit beschreibt sie selbst die Untauglichkeit ihres Vorgehens: Wer die Mitarbeiter des Ordnungsdienstes erkennt, verhält sich nach ihrer Darstellung meist korrekt. Was passieren würde, sobald der Ordnungsdienst außer Sichtweite ist oder in Zivil arbeiten würde, bleibt offen. Dabei hat es die Stadt Leverkusen kürzlich vorgemacht, wie Mitarbeiter in Zivil mit Erfolg kontrollieren können. Es scheint also machbar zu sein!
Zwölf geahndete Verstöße in zwei Jahren
Diese Zahlen zeigen, wie selten das Wegwerfen von Kippen tatsächlich geahndet wurde: Für 2024 nennt die Stadt gerade einmal fünf Verfahren mit Geldstrafen. Für 2025 waren es neun Verfahren, von denen zwei eingestellt wurden.
Damit wurden in beiden Jahren zusammen lediglich zwölf Verstöße mit einer Geldzahlung geahndet. Die festgesetzten Beträge beliefen sich insgesamt auf 966 Euro. Die Zahl der Personen, die lediglich ermahnt wurden, gibt die Stadt mit null an. 14 Verfahren in zwei Jahren stehen einer Sammelaktion mit 40.000 Kippen gegenüber.
Abfallbehälter allein lösen das Problem nicht
Die Stadt verweist auf zahlreiche Abfallbehälter mit Entsorgungsmöglichkeiten für Zigarettenreste in der Fußgängerzone. Diese hätten sich insgesamt positiv auf die Sauberkeit ausgewirkt. Wie die Stadt das festgestellt haben will, erläutert sie leider nicht. Geeignete Entsorgungsmöglichkeiten sind zweifellos notwendig. Doch sie helfen nur, wenn sie auch genutzt werden.
Ehrenamtliche machten Vorschläge – doch was hat die Stadt aufgegriffen?
Die Mitglieder des Clean Teams beließen es damals nicht beim Aufsammeln. Sie berichteten von Erfolgen durch direkte Ansprache und regten weitere Maßnahmen an: Aufklärung, Flyer, ehrenamtliche Ansprechpartner oder gezielte Bereiche zum Rauchen unmittelbar an Kippenbehältern. Umgesetzt hat die Stadt davon bis heute nichts. Sie scheint sich mit dem Problem abgefunden zu haben.
„Keine wiederkehrenden Beschwerden“ bekannt
Besonders bemerkenswert ist deshalb auch die Antwort auf die Frage nach zusätzlichem Handlungsbedarf: Die Verwaltung erklärt, ihr seien keine wiederkehrenden Beschwerden zum Thema Zigarettenkippen bekannt.
Das mag den Eingang entsprechender Meldungen bei der Stadt beschreiben. Über das tatsächliche Ausmaß des Problems sagt es wenig aus. Die dokumentierte Sammelaktion und die Erfahrungen der Ehrenamtlichen geben jedenfalls genügend Anlass, genauer hinzusehen. Dafür braucht es nicht erst eine Beschwerdestatistik – ein aufmerksamer Gang durch die Innenstadt würde auch genügen.
Verantwortlich für die Verschmutzung sind diejenigen, die ihre Kippen auf den Boden werfen. Die Stadt muss sich aber daran messen lassen, wie sie diesem Verhalten entgegenwirkt. Abfallbehälter und zufällige Ahndungen sind offenbar nicht ausreichend. Entschlossene Antworten auf das Problem sähen anders aus.
Quelle: Stadt Hilden
Bericht: LT
Fotos/Video: anzeiger24.de
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