Frauen-Nacht-Taxis: In Hilden abgelehnt, in Düsseldorf jetzt am Start
09.10.2026PIRATEN-Partei will nicht locker lassen: „Desinteresse lässt tief blicken“
Warum ist in Düsseldorf etwas möglich, was die Politik in Hilden ablehnt – das fragt sich Jeanine Brinks von der Hildener PIRATEN-Partei. Im März 2026 hatte sie im Hauptausschuss – als Bürger-Anregung, nicht als Ratsmitglied – den Prüfantrag zur „Einführung und Bereitstellung von Taxigutscheinen für Frauen, um nachts mit einem Taxi den Heimweg antreten zu können“ eingebracht. Doch ihr Anliegen fand keine Mehrheit.
Derweil aber hat die Landeshauptstadt die Initiative „Frauen-Nachtfahrten" – zusammen mit Uber – auf den Weg gebracht: Ab Montag, 5. Oktober 2026, können Frauen und non-binäre Personen mit Wohnsitz in Düsseldorf zwischen 22 und 6 Uhr vergünstigte Fahrten für bis vor die eigene Haustür in Anspruch nehmen. Ein Nachtfahrtgutschein kostet 10 Euro und kann über die Uber-App sowie per QR-Code in teilnehmenden Bars und Kneipen in der Altstadt angefordert werden. Das Projekt läuft zunächst bis zum 31. Dezember 2026.
Ein Grund für Jeanine Brinks, Ihr Ziel in Hilden weiterzuverfolgen: „In den Kreistagen und Stadträten anderer Städte agiert man offen für neue Wege und mögliche Pilotprojekte – man agiert mit Empathie und Strategie. Das Desinteresse seitens des Kreistages Mettmann und des Stadtrates Hilden, das Sicherheitsgefühl in den Abend- und Nachtstunden der Bürgerinnen zu stärken, lässt tief blicken. Man hält an der Abwarten-bis-etwas-passiert-Mentalität fest. Dies ist in der heutigen Zeit nicht nur erschreckend, sondern auch gefährlich.”
Was ist die Idee der Frauen-Nacht-Taxis?
„Sexualdelikte – und insbesondere Vergewaltigungen – nehmen besorgniserregend zu“, erklärte Brinks in ihrem damaligen Antrag. „Die meisten Übergriffe passieren in den späten Abend- und Nachtstunden, oft auf dem Heimweg oder in dunklen Bereichen. (…) Zudem ist Sicherheit ein Grundrecht. Das Gewalthilfegesetz verpflichtet uns, Betroffene von Gewalt umfassend zu unterstützen und präventive Maßnahmen zu fördern.“
Als Pilotprojekt könne ein Frauen-Nacht-Taxi „risikominimiert getestet und bei Erfolg ausgeweitet werden“, meint Brinks. Es könnte beispielsweise aus Fördermitteln von Mobilitätsprogrammen finanziert werden.
„Das Projekt sendet ein starkes Signal der Wertschätzung und Fürsorge für die Frauen unserer Stadt“, so Brinks. „Auch wenn in Hilden die Zahlen nicht so schlimm erscheinen: Jedes einzelne Opfer ist eines zu viel. Denn es könnte Ihre Tochter, Ihre Frau oder Sie selbst betreffen.“
Knapp die Mehrheit verfehlt, trotz Kompromissvorschlag der SPD
Etwa die Hälfte des Ausschusses konnte sie mit ihren Anliegen jedoch nicht erreichen.
Die Verwaltung verwies in ihrer Stellungnahme auf die vorhandenen Angebote rund um das Thema „Gewalt gegen Frauen“ und empfahl ebenfalls eine Ablehnung des Antrags.
Begründung: „Der Nachteil [von Frauen-Nacht-Taxis] ist, dass sie lediglich im aktuellen Moment wirken. In allen anderen Situationen, z. B. auf dem täglichen Arbeitsweg für Schichtarbeitende, gegen Täter, die gezielt eine Person auswählen, gegen jede Form von digitaler Gewalt, gegen häusliche Gewalt, gegen Stalking, gegen Belästigung in den Lokalen und an allen anderen Tagen auf dem Weg nach Hause, schützen sie nicht und nehmen nicht die Angst vor Männern, die hinter Frauen hergehen auch ohne Gewaltabsichten.“
Außerdem sei laut Kreispolizeibehörde „aus kriminalfachlicher Sicht die dargestellte Problematik nicht erkennbar (Zitat aus der Beschlussauszug des Kreisausschusses vom April 2025).
„Ein weiterer Gesichtspunkt betrifft die tatsächliche Wirksamkeit einer solchen Maßnahme“, heißt es weiter. „Der vorgeschlagene Ansatz setzt voraus, dass Frauen ein Taxi – beispielsweise vom Bahnhof oder einem zentralen Punkt – für den Heimweg nutzen. Allerdings stellt sich die berechtigte Frage, wie Frauen überhaupt sicher zu diesen Ausgangspunkten gelangen. Auch auf dem Weg zum Bahnhof, zu Haltestellen oder zu Taxiständen können Übergriffe stattfinden – auch aus anderen, umliegenden Städten kommend. Ein Gutscheinmodell würde daher nur einen Teil des Heimwegs absichern, nicht jedoch den gesamten Weg und somit das grundlegende Sicherheitsproblem nur eingeschränkt lösen.“
Außerdem könnte ein solches Projekt jährlich etwa 780.000 Euro kosten – kalkuliert bei 26.000 Frauen ab 16 Jahre, einem Gutscheinwert von 10 Euro und einer Begrenzung auf drei Gutscheine pro Person. Hinzu käme ein „erheblicher Verwaltungsaufwand“
Die SPD-Fraktion stellte einen Kompromissvorschlag vor: Die Verwaltung solle die Kosten auf maximal 10.000 Euro deckeln und ein Konzept zur öffentlichen Kommunikation erstellen sowie ein Jahr nach Start des Projekts über die gewonnenen Erkenntnisse berichten.
Doch auch diese Lösung fand keine Mehrheit.
Das sehr knappe Abstimmungsergebnis: 7 Ja-Stimmen (SPD 3, Grüne 2, Ba I Piraten 1, Linke 1) 7 Nein-Stimmen (CDU 5, AfD 2) und 1 Enthaltung (FDP).
Jeanine Brinks will dennoch nicht locker lassen: „Die PIRATEN in Hilden werden sich weiterhin für die Stärkung des Sicherheitsgefühls für Hildener Bürgerinnen einsetzen und halten deshalb an ihrer Forderung Gutscheine für Frauen-Nacht-Taxis fest.“
Bericht: KA
Fotos: birgl/Pixabay / J.Brinks/PIRATEN Hilden
Weitere Nachrichten aus Hilden gibt es unter www.anzeiger24.de/hilden/news/
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