Flüchtlingsunterkunft am Weidenweg: Leben in der Sporthalle

22.11.2023

Ab Dezember sind Kapazitäten erschöpft, dann werden die Parzellen belegt

Nein, eine schöne Unterkunft für schutzsuchende Menschen ist das nicht. Dessen sind sich auch Bürgermeister Claus Pommer und seine Stadtverwaltung auch bewusst. In der derzeitigen Lage sei die Sporthalle am Weidenweg aber die einzige Option, noch mehr zu erwartende Ankömmlinge unterzubringen. Bei einem Pressegespräch am 22. November 2023 wurden die Parzellen vorgestellt.

 

Wie viele Menschen kommen nach Hilden?

Voraussichtlich ab dem 4. Dezember 2023, eventuell sogar früher, werden die ersten Menschen hier "einziehen". Die Zuweisung erfolgt über Bund und Land, die Stadt selber habe keinen Einfluss, erklären Bürgermeister Pommer und Sozialdezernent Sönke Eichner.

Durchschnittlich kommen zwölf Personen pro Tag, ergänzt Anja Voß, Leiterin für das Amt Jugend, Soziale Dienste und Integration.

Augenblicklich (Stand 20. November 2023) sind nur noch 28 Plätze in den anderen Einrichtungen frei.

 

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Wer kommt nach Hilden?

Erwartet werden vor allem Kriegsflüchtlinge aus Syrien, Afghanistan, Syrien und anderen „Krisengebieten“, aber auch Erdbebenopfer aus der Türkei.

Ob es sich um Alleinreisende oder Familien handelt, „wissen wir meistens mit einem Vorlauf von ca. zwei Wochen“, sagt Anja Voß. Entsprechend können die Kabinen hergerichtet werden.

 

Wie werden die Menschen in der Sporthalle leben?

In der Sporthalle wurde ein „hygienisch leicht zu reinigender Fußboden“ verlegt, erklärt Peter Palitza, Leiter Amt für Gebäudewirtschaft. Nun werden nach und nach – je nach Anzahl der Menschen – die einzelnen Parzellen aufgestellt. Der Platz in der Halle reicht für bis zu 100 Personen.

 

Allerdings können diese weder mit Komfort noch mit Privatsphäre rechnen. Es gibt zum Beispiel keinen wirklichen Sichtschutz zwischen den Etagenbetten. „Eine Abtrennung höher als 1,60 Meter ist aus Gründen des Brandschutzes nicht zulässig“, so Peter Palitza.

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Zudem gibt es einen Aufenthaltsraum. Ehrenamtliche, die Johanniter und Mitarbeiter vom Amt für Jugend, Soziale Dienste und Integration versorgen und betreuen die Untergebrachten.

Auch umliegende Schulen hätten sich schon bereit erklärt, ihren Beitrag zu leisten: „Kinder finden immer einen Weg, sich zu verständigen, zum Beispiel beim Ballspielen“, sagt Anja Voß.

 

Ein Sicherheitsdienst wird rund um die Uhr vor Ort sein. Bei unterschiedlichen kulturellen Hintergründen ist mit Konflikten zu rechnen, auch das hat die Stadtverwaltung mitbedacht.

 

Warum muss es ausgerechnet die Sporthalle sein?

Wie bereits mehrfach berichtet, sieht die Stadtverwaltung derzeit keine andere Möglichkeit mehr: „Wir haben die Unterkunft Beckersheide reaktiviert. Wir haben Wohnungen und sogar Hotels abgefragt“, erläutert der Beigeordnete Sönke Eichner. Doch das alles sei nicht realisierbar – es werden einfach immer mehr Menschen den Kommunen zugewiesen.

 

„Die Sporthalle kann nur eine Not- und Übergangslösung sein“, betont Bürgermeister Pommer. Dieser „Übergang“ kann sich allerdings über ein Jahr hinziehen.

Als Alternative verhandelt die Stadt derzeit mit den Eigentümern des Grundstücks ehemalige Wiederhold-Villa auf der Düsseldorfer Straße. Dort sollten Wohnmodule aufgestellt werden.

Mit einer notariellen Besiegelung, Ausschreibung etc. rechnet die Stadt allerdings erst im Herbst 2024.

 

***Update***

Die Idee vom Standort Wiederhold-Gelände wurde inzwischen wieder verworfen. Es gibt (bau-)rechtliche Bedenken und Hürden. 

 

Wann können Schulen und Vereine am Weidenweg wieder Sport betreiben?

Das könnte noch länger dauern. Schließlich muss der Boden nach der Räumung komplett erneuert werden. „Wir arbeiten mit Hochdruck, um die Sporthalle wieder für den Schul- und Vereinssport freizugeben“, verspricht Claus Pommer.

 

Wer bezahlt das alles?

Die Stadt Hilden erhält finanzielle Unterstützung von Land und Bund. In diesem Jahr wurden bereits 3,25 Millionen Euro ausgezahlt, hinzu kam eine gesonderte Zuwendung von 1,35 Millionen Euro aus einem Sondervermögen des Landes.

 

Das ist eine Menge Geld, trotzdem deckt dies nicht die entstandenen Kosten für die Unterbringung und die Versorgung der Flüchtlinge, sagt Dezernent Sönke Eichner.

Mehr Infos gibt es hier…

Wann wird das einmal enden?

Niemand weiß, wie sich die Kriege in der Ukraine, in Syrien, im Nahen Osten etc. weiter entwickeln werden. Daher ist weiterhin mit einem Zustrom von Schutzsuchenden nach Europa und insbesondere Deutschland zu rechnen.

 

Seit Monaten schon schlägt der Städte- und Gemeindebund Alarm, weil die Kommunen am Limit sind.

Auch die Stadt Hilden ächzt unter der Belastung. Dennoch betont Bürgermeister Claus Pommer – unter anderem auf einer Bürgerversammlung im Oktober – die Bereitschaft des Rathauses, Menschen in Not zu helfen und unterzubringen.

 

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Allerdings stellt die Stadt Hilden auch Forderung an Land und Bund: Mehr finanzielle Unterstützung, schnellere Asylverfahren (also auch die Abweisung von nicht bleibeberechtigten Bewerberinnen und Bewerbern) sowie eine Unterstützung bei Sprach- und Integrationskursen oder Arbeits- und Ausbildungsplätzen.

 

Zwar hat ein Bund-Länder-Gipfel am 6. November 2023 einige Maßnahmen beschlossen, um den Zuzug einzudämmen z.B. Änderungen bei den Leistungszahlungen, verstärkte Kontrollen an den EU-Außengrenzen, beschleunigte Asylverfahren oder schnellere Integrationsmöglichkeiten in den Arbeitsmarkt.

Doch noch ist davon nichts umgesetzt.

 

Auch Bürgermeister Pommer meint: „Dies war lediglich ein Signal an die Kommunen – nicht mehr und nicht weniger.“

 

Vorerst sei also kein Ende des Zustroms in Sicht. Das Thema wird die Stadt und die Bevölkerung noch lange beschäftigen.

Umso wichtiger sei es daher, jetzt erst recht eine menschenwürdige Unterbringung und Versorgung zu gewährleisten.

 

Bericht: Achim Kaemmerer
Fotos: anzeiger24.de

 


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