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Wilhelm-Fabry-Museum

Wilhelm-Fabry-Museum

Wilhelm-Fabry-Museum und Historische Kornbrennerei: Das erlebbare Vermächtnis

Medizinische Ausstellungen und Original erhaltene Destille

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Jede Stadt hat ihre Geschichte. Und es ist wichtig, diese nicht nur in Büchern in Erinnerung zu behalten. In Hilden gibt es zwei Institutionen, die die Vergangenheit lebendig halten – und Stadthistorie erlebbar machen.
Das Wilhelm-Fabry-Museum an der Benrather Straße ist dem berühmten Sohn der Stadt gewidmet. Der Namensgeber war im 17. Jahrhundert ein Pionier in der damaligen ärztlichen Forschung und Chirurgie. In seinem Geiste hat die Stadt Hilden daher nicht einfach nur ein Stadtmuseum erschaffen, sondern ein exklusives Forum für medizinhistorische Ausstellungen.
Gegenüber des Wilhelm-Fabry-Museums befindet sich ein stadt- und industriehistorisches Juwel: die Historische Kornbrennerei vom Ende des 19. Jahrhunderts ist im Originalzustand erhalten geblieben und zeigt eindrucksvoll und authentisch, wie einst Schnaps per Dampfmaschinenantrieb entstand. 

Ein Rundgang durch beide Einrichtungen ist wie eine spannende Erlebnisreise in alte Zeiten.

Wilhelm-Fabry-Museum Hilden
Das Wilhelm-Fabry-Museum Hilden widmet sich medizinischen Themen, nach dem Vorbild des berühmten Wundarztes.

 

Wilhelm-Fabry-Museum: Das Erbe des Hildener Wundarztes

Fabry-Museum Hilden Historische Kornbrennerei
Zum Wilhelm-Fabry-Museum gehört auch das Denkmal Historische Kornbrennerei

Das Denkmal auf dem Alten Markt, die Fabricius-Medaille für besondere Verdienste, Wilhelm-Fabry-Förderpreis – der Name Wilhelm Fabry ist allgegenwärtig in Hilden. Die Stadt ist stolz auf den berühmten Wundarzt (1560 – 1634), der seinerzeit neue und wegweisende Methoden für medizinische Operationen entwickelt hatte.

1989 eröffnete die Stadt Hilden das Wilhelm-Fabry-Museum auf Initiative des 1982 gegründeten Museums- und Heimatvereins (heute Unser Hilden e.V.) hin. Eine Institution mit Alleinstellungsmerkmal, denn die Ausstellungen behandeln vornehmlich medizinische Themen. „Das hat sonst kein Museum in der Region“, sagt Leiter Wolfgang Antweiler.

Dem Team ist bewusst, dass es damit kein Programm für das Massenpublikum bietet. Und dass die Themen nicht immer sehr erquickend und leicht bekömmlich sind, schließlich geht es um Krankheiten, Gebrechen und Tod. Mal künstlerisch, mal wissenschaftlich, manchmal auch makaber, aber unterhaltsam – in jedem Fall aber lehrreich.
Zum Beispiel:

  • „Vom Tatort ins Labor“ – wie Rechtsmediziner arbeiten (2012) 
  • „Der Tod, der Gläubiger, der Regen – die kommen immer ungelegen“ von Joachim Uthke (2013)
  • „Körper 2.0 – über die technische Erweiterbarkeit des Menschen“ (2016).

 

Ergänzt werden die Ausstellungen mit hochkarätigen Vortragsveranstaltungen, bei denen renommierte Referenten über medizinische, forensische oder psychologische Themen sprechen. „Wir haben Kontakte zu den besten Lehrstühlen in ganz Deutschland“, sagt Wolfgang Antweiler. Dort ist den Dozenten Hilden wohlbekannt.

Zudem hat sich der Fassraum zur beliebten Kulturstätte für Konzerte und Ferienprogramme etabliert.

Das Wilhelm-Fabry-Museum ist aber nicht nur Ausstellungsfläche, sondern auch Nachlass- und Vermächtnis-Verwalter des Namensgebers. Eine stattliche Sammlung an Originalbüchern aus der Zeit Fabrys ist im städtischen Besitz. „Ein gut konserviertes Kulturgut“, so Wolfgang Antweiler. In säurefreien Kartons, liegend aufbewahrt, nicht zu feucht und nicht zu trocken – das bedeutet eine hohe Verantwortung für das Fabry-Team. „Wir wollen, dass auch nachfolgende Generationen etwas vom Erbe Fabrys haben“, sagt Wolfgang Antweiler.

Die schönen Künste kommen nicht zu kurz. Der Street Artist Thomas Baumgärtel, bekannt für seine Bananensprays auf Häuserwänden, hat dem Wilhelm-Fabry-Museum einen markanten Stempel aufgedrückt: Ein Äskulapstab in den Bananenfarben Gelb-Schwarz ziert die Fassade des Gebäudes – „ein exklusives Kunstwerk, das nur wir haben“, verrät Wolfgang Antweiler. 

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Historische Kornbrennerei: So wurde früher Schnaps gemacht

Es gibt viele Museen mit historischen Maschinen. Doch oft funktionieren diese nicht mehr und sind bloße Anschauungsobjekte. Nicht so die Historische Kornbrennerei Hilden. Die ursprüngliche Anlage erbaute der Industrielle Johann Peter Vogelsang im Jahr 1864. Die Söhne Hermann und Peter installierten 1887 und 1895 eine Dampfmaschine und Dampfkesselanlage. Die Nachfolger Willner, Jakob und Isidor Oppenheimer fügten Anfang des 20. Jahrhunderts eine Destillieranlage mit Vormaischbottich hinzu. Und so ist das Maschinenwerk bis heute erhalten geblieben.

 

 

Die gesamte Anlage der Historischen Kornbrennerei ist noch voll funktionstüchtig. Alles dreht sich: der hydraulische Antrieb der Dampfmaschine, die Transmissionsriemen und -räder, das Rührwerk im Maischbottich. Das fasziniert Kinder und Erwachsene gleichermaßen. So wird die Technik anschaulich und hautnah erlebbar.

  • Im Flammrohrkessel wurde damals Kohle verbrannt, um Energie für die Einzylinder-Dampfmaschine zu erzeugen. Da das heute aus ökologischen Gründen nicht mehr angebracht ist, wird das System elektrisch betrieben. Der Faszination tut das keinen Abbruch. 
  • Eine Transmissionsanlage bringt klassisch mit Riemen und Räderwerk das ganze Getriebe zum Laufen. 
  • Im obersten Geschoss wird die Zufuhr des Korns in die richtigen Bahnen gelenkt. Das Getreide gelangt per Lastaufzug nach oben, wird gesiebt und gemahlen und geht über ein Leitungssystem ins Erdgeschoss.
  • Dort steht ein Maischbottich bereit, in dem das geschrotete Korn mit Gerstenmalz und Wasser vermischt, erhitzt und wieder abgekühlt wird. Danach gelangt das Gemisch in den Gärtank.
  • In der kupfernen Destillationsanlage wurde der Rohbranntwein mit bis zu 85 Prozent Alkoholkonzentration gewonnen. Durch weitere Destillationen wird das Gemisch von Fuselölen und Aldehyden getrennt. Der so entstandene Feinbrand wird schließlich in einem Sammeltank und enthärtetem Wasser auf eine Trinkstärke zwischen 32 Prozent (Korn) und 38 Prozent (Kornbrand, Edelkorn und Doppelkorn) verschnitten.
  • Von da an ging es zur Flaschenabfüllung und Etikettierung.


Theoretisch wäre es also möglich, hier Schnaps wie früher zu produzieren. „Allerdings werden wir dafür wohl keine Konzession bekommen“, sagt Museumsleiter Wolfgang Antweiler augenzwinkernd.

So bleibt dem Besucher die kleine Zeitreise in die Frühindustrie. Die Historische Kornbrennerei ist ein nahbares Zeugnis und Vermächtnis der früheren Industriehochburg Hilden – ein wahrer Glücksfall für die Museumslandschaft der Region.

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Kontakt:
Wilhelm-Fabry-Museum
Historische Kornbrennerei
Benrather Straße 32a
40721 Hilden
Telefon 02103/59 03
E-Mail info@wilhelm-fabry-museum.de 

 

Achim Kaemmerer