Wird der Wasserfrau der Hahn abgedreht?
24.10.2026Kunstwerk wird seit Jahren vernachlässigt
***Leitartikel***
Seit Jahren funktioniert die Wasserfrau auf dem Warrington-Platz nicht zuverlässig, der Lack ist großflächig abgeblättert. Nun erwägt die Stadt sogar, die Figur dauerhaft trockenzulegen. Dabei gehört das Wasser zum künstlerischen Konzept von Jens Kalkmann, der das Werk erschaffen hat. Macht es sich die Stadt nicht ein wenig zu leicht? Und müsste der Künstler einer solchen „Veränderung“ nicht auch zustimmen?
Die Antworten des zuständigen Beigeordneten Peter Stuhlträger auf unsere Presseanfrage lassen vieles offen. Kalkmann selbst betont, dass Änderungen und Sanierungen mit dem Urheber abzustimmen seien. Die Wasserfrau sei schließlich ein Kunstwerk.
Das Wasser gehört zum Kunstwerk
Das Ensemble entstand bei einer Kontakt-Kunst-Aktion mit Kindern und Bürgern. Sie gestalteten Reliefsteine zum Thema Wasser; das wellenförmige Pflaster symbolisiert die Kreise eines ins Wasser fallenden Steins.
Ein Taster aktivierte gleichzeitig den Quellstein und die Wasserdüse der Figur. Deren Strahl lässt sich laut Kalkmann auf etwa zehn Zentimeter einstellen. Wer die Wasserfrau dauerhaft trockenlegt, greift damit in das ursprüngliche Gesamtkonzept des Kunstwerks ein.

Foto: Kalkmann Archiv
Kunstwerke dürfen jedoch nicht beliebig verändert werden. Grundsätzlich bedürfen Änderungen der Zustimmung des Urhebers; vertragliche Regelungen und gesetzliche Ausnahmen sind zu berücksichtigen. Die Stadt müsste deshalb klären, ob Kalkmann zustimmt oder auf welcher anderen Grundlage eine Veränderung zulässig wäre.
Trinkbrunnen oder nicht?
Laut Kalkmann diente die Düse übrigens zugleich als Trinkwasserspender. Beide Wasseraustritte seien mit Trinkwasser gespeist worden; regelmäßige Spülungen sollten einer Verkeimung vorbeugen. Die Stadt verneint eine solche Funktion. Wer hat recht!?
Repariert und gleich wieder abgestellt
Nach Reparaturarbeiten im vergangenen September schoss das Wasser plötzlich schätzungsweise drei bis vier Meter hoch (siehe Foto oben). Die Stadt bestätigt dies und spricht von einer Fehlfunktion. Die Ursache sei ungeklärt, die Wasserzufuhr daraufhin abgestellt.

Angaben zu Auftrag, bearbeiteten Bauteilen und Kosten hat uns die Stadt trotz ausdrücklicher Nachfrage nicht mitgeteilt. Und auch zur Funktionsprüfung und Abnahme steht lediglich „./.“. Dabei wäre gerade nach diesem fehlerhaften Ergebnis eine nachvollziehbare Erklärung angebracht.
Enger Austausch? Der Künstler widerspricht
Im Juli erklärte die Stadt, wegen der geplanten Reparatur mit dem Künstler in Verbindung zu stehen. Kalkmann erklärt uns am 2. Oktober hingegen: „Die Stadt hat sich leider nicht bei uns gemeldet.“
Auf Nachfrage erklärte die Stadt sodann ein weiteres Mal, dass sie in „einem engen Austausch“ mit der Firma Kalkmann stehen würde. Wann dieser stattfand und welche Maßnahmen besprochen wurden, bleibt indes offen. Ein behaupteter Austausch beantwortet zudem nicht die Frage nach einer Zustimmung zur dauerhaften Stilllegung.
Kostenlose Hilfe abgelehnt
Bereits 2022 botanzeiger24.de an, Technik und Anstrich durch örtliche Meisterbetriebe auf eigene Kosten erneuern zu lassen. Der Künstler begrüßte das Vorhaben ausdrücklich!
Doch die Stadt lehnte dieses Angebot aus „Haftungsgründen“ ab. Welche konkreten Risiken bestanden und warum sie sich nicht hätten klären lassen, erläuterte sie nicht. Also blieb alles beim alten.
Vernachlässigung ist kein künstlerisches Konzept
Als Ursachen der Ausfälle nennt die Stadt technische Probleme und Vandalismus. Konkrete Nachweise für einzelne Beschädigungen enthalten ihre Antworten allerdings nicht.
Und zum äußeren Zustand heißt es, Gebrauchsspuren gehörten zum künstlerischen Konzept. Großflächig abgeblätterter Lack geht aus unserer Sicht allerdings deutlich darüber hinaus. Der Hinweis auf das Konzept ersetzt keine angemessene Pflege. Und last not least hatte Kalkmann unserem Vorschlag nach einem Neuanstrich ausdrücklich zugestimmt.
Erst erhalten – dann über Neues nachdenken
Die ursprüngliche Technik ließe sich laut Verwaltung grundsätzlich wiederherstellen, allerdings mit hohem Wartungs- und Reparaturaufwand. Wie hoch diese Kosten sein könnten, sagt die Stadt nicht.
Statt einer Sanierung wird erwogen, die Figur dauerhaft trockenzulegen und eine zusätzliche Wasserquelle aufzustellen. Auch hierzu wird kein Kostenrahmen mitgeteilt, der einen Vergleich mit der Reparatur der Wasserfrau ermöglichen würde.
Aber so wie jetzt sollte es auch nicht bleiben
Die defekte Wassertechnik ist das eine. Der jämmerliche optische Zustand das andere. Sollte es tatsächlich eine neue „Wasserquelle“ geben, dann bitte eine Anlage wie in unseren Nachbarstädten, z.B. ein Wasserspielplatz mit kleinen Fontänen für Kinder. Und dann gehört die Wasserfrau entsorgt.
Bericht: LT
Quelle: Stadt Hilden, Fa. Kalkmann
Titelfoto: Archiv anzeiger24.de
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