Rotstift beim ÖPNV: Hilden will beim Busverkehr sparen
27.10.2026Weniger Fahrten, weniger Zahlung an VRR-Umlage: Diese Linien sollen auf den Prüfstand
Die Stadt Hilden muss sparen, bis es quietscht – sogar bei Reifen. Das ist allgemein bekannt. Im Ausschuss für Stadtentwicklung, Klima und Mobilität am 4. November 2026, wird die nächste Anregung präsentiert. Und die betrifft Fahrgäste der Rheinbahn und das ÖPNV-Angebot. Das dürfte erneut für Proteste sorgen.
Hier soll der Busverkehr ausgedünnt werden
Wegen der Haushaltslage und der „kontinuierlich gestiegenen und absehbar weiterhin steigenden Kosten bei der Teilkreisumlage VRR“ hat die Stadt Hilden das Verkehrsunternehmen um Vorschläge gebeten, wie sich „die Kilometerleistungen reduzieren“ lassen, jedoch „ohne signifikante Qualitätsverluste“ in Kauf nehmen zu müssen.
Für 2029 rechnet das Rathaus mit Aufwendungen in Höhe von 3.690.000 Euro, in 2030 könnte diese auf 3.920.000 Euro steigen. Ohne gegensteuernde Maßnahmen und aufgrund der in den letzten Jahren vorliegenden Kostenentwicklung im ÖPNV könnte sich die Teilkreis-Umlage weiter jährlich um 230.000 Euro erhöhen, so die Kalkulation.
Die Rheinbahn AG empfiehlt nun „Fahrplan- und Linienanpassungen in den nachfrageschwächeren Zeiten, beispielsweise samstagsvormittags auf der Linie 781 von Köbener Str. bis Erika-Siedlung einen 30-Minuten-Takt, täglich einen 20-Minuten-Takt auf der Linie 785 ab 18.30 Uhr und an Sonntagen ein Entfall der vier Fahrten der Linie 783 bis zur Stadtgrenze nach Solingen.“
„Diese drei Einsparvorschläge berücksichtigen die Fahrgastbetroffenheit ebenso wie die Vermeidung von Zielkonflikten mit dem derzeit stattfindenden Erarbeitungsprozess des Nahverkehrsplanes des Kreises Mettmann“, heißt es in der Stellungnahme der Stadtverwaltung. Ab Mitte 2027, zum Fahrplanwechsel im Sommer, könnten die Änderungen umgesetzt werden – sofern sie beschlossen werden.
Wie hoch soll das Einsparpotential sein?
In dem Fall erwartet die Stadt ein spekulatives Einsparungspotential von ca. 20.000 Euro im Jahr 2029 und ab dem Jahr 2030 jährlich 40.000 Euro. Inflationär bedingte Preissteigerungen sind dabei „nur angenommen“. „Der tatsächliche Wert der Einsparung steht zudem erst bei Vorlage der Schlussrechnung seitens des VRR fest, welche dem Kreis jeweils erst ca. zwei Jahre später zugeht und auf einer genauen, fahrtenscharfen Abrechnung basiert.“
Mit Beschwerden ist zu rechnen
Die Leistungsminderungen und Qualitätsverluste für die Fahrgäste liegen aus Sicht der Stadtverwaltung „in einem vertretbaren Rahmen“, heißt es weiter.
Doch das ist noch nicht alles: Genauere Daten zur tatsächlichen Nachfrage und anstehenden Nahverkehrsplanung soll nun ein Gutachten erbringen, sagt die Verwaltung abschließend. „Grundlage sind die leider erst Anfang Oktober 2026 zur Verfügung gestellten aktuellen Fahrgastzahlen. Auf dieser Basis sollen möglichst weitere Vorschläge für eine bedarfsgerechte Anpassung des ÖPNV-Angebots entwickelt werden. Diese sollen seitens der Stadtverwaltung in die anstehenden Beratungen zur Fortschreibung der Nahverkehrspläne (NVP) des Kreises Mettmann und der Stadt Düsseldorf eingebracht werden.“
Die Reaktionen dürften schon jetzt absehbar sein: Umweltverbände und Pendler beispielsweise werden sich über ein schrumpfendes Angebot beschweren. Außerdem: Wie passt das mit der Philosophie zusammen, den ÖPNV eigentlich fördern zu wollen, während Autofahren in Hilden immer „unattraktiver“ werden soll?
Die Diskussion im Ausschuss wird erst der Anfang sein.
Bericht: KA
Archivfoto: anzeiger24.de
Weitere Nachrichten aus Hilden gibt es unter www.anzeiger24.de/hilden/news/
Du hast einen Tipp, eine Anregung, zu welchem Thema wir einmal recherchieren sollten?
Schreib uns an [email protected]. Deine Zuschrift wird streng vertraulich behandelt!
Ihr wollt uns Eure Meinung sagen? Gerne per Mail an
oder als Kommentar bei Facebook.
Euch hat unser Beitrag gefallen? Dann liked und teilt ihn gerne.


Dein Hilden