Fabry-Museum: Rechnerisch fast 450 Euro Zuschuss pro zahlendem Besucher
07.11.20262025 kamen weniger Menschen in Ausstellung und Kornbrennerei, dafür wuchs das Defizit
Drei Euro kostet der reguläre Eintritt ins Wilhelm-Fabry-Museum. Trotzdem wurden 2025 nur 784 zahlende Besucher gezählt. Die Einnahmen aus Museumseintritten betrugen gerade einmal 2.244 Euro. Dem stand ein Defizit der gesamten Museumsarbeit von rund 351.000 Euro gegenüber.
Rechnerisch entspricht das knapp 450 Euro Zuschuss pro zahlendem Ausstellungsbesucher. Allerdings umfasst das Defizit auch den Betrieb der Kornbrennerei, von Veranstaltungen und weiteren Museumsaufgaben. Veranstaltungen brachten zusätzlich rund 12.370 Euro an Eintritts- und Teilnahmegebühren ein. Doch auch das ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein.
Weniger Besuche, höheres Defizit
Die Antworten auf eine Presseanfrage von anzeiger24.de zeigen: Ausstellung und Kornbrennerei kamen 2025 zusammen auf 4.569 Besuche. Ein Jahr zuvor waren es noch 5.677. Das ist ein Rückgang um knapp 20 Prozent. Vor allem die Ausstellung verlor Publikum. Ihre Besuchszahl sank von 3.699 auf 2.494.
Die Kornbrennerei verzeichnete dagegen einen leichten Anstieg von 1.978 auf 2.075 Besuche. Der finanzielle Aufwand für die Stadt ging indes nicht zurück. Das Defizit der Museumsarbeit stieg einschließlich interner Verrechnungen von rund 337.000 Euro im Jahr 2024 auf 351.000 Euro im Jahr 2025.
Die meisten Ausstellungsbesuche waren kostenlos
Von den 2.494 Ausstellungsbesuchern zahlten nur 712 einen regulären und 72 einen ermäßigten Eintritt. Die übrigen 1.710 Besuche waren kostenlos, das sind immerhin fast 70 Prozent! Freien Eintritt erhalten unter anderem Kinder bis sieben Jahre, Hildener Schulklassen und Mitglieder des Vereins „Unser Hilden“.
Wie sich die kostenlosen Besuche auf diese und weitere Gruppen verteilen, erfasst die Stadt nicht. Damit bleibt offen, wie viele Schulklassen das Angebot nutzen, welche Rolle kostenlose Ausstellungseröffnungen spielen und wie häufig dieselben Gäste wiederkommen. Aus der Gesamtzahl lässt sich das wirkliche Interesse der Besucher nicht ablesen.
Nur ein kleiner Teil der Kosten wird gedeckt
Die Museumseintritte brachten 2025 lediglich 2.244 Euro ein. Führungen und Shopverkäufe erbrachten weitere 1.728 Euro und aus Veranstaltungen und Vermietungen kamen nochmals 13.912 Euro hinzu. Aber selbst mit Zuschüssen und sonstigen Erträgen blieb die Finanzierungslücke groß: Der Jahresabschlussentwurf 2025 weist rund 28.500 Euro Erträge bei etwa 380.000 Euro Aufwendungen aus. Damit waren nur 7,5 Prozent der Kosten gedeckt. Den Rest musste die Stadt tragen.
Die größten Kostenblöcke waren Personal mit rund 181.000 Euro und intern verrechnete Leistungen der Stadtverwaltung mit rund 170.000 Euro. Diese internen Leistungen zählen zu den Gesamtkosten. Eine Änderung des Museumsbetriebs würde deshalb nicht automatisch dazu führen, dass die Stadt diesen Betrag vollständig einspart.
Auch mehr zahlende Gäste lösen das Problem nicht
Für 2026 gibt es eine erfreuliche Entwicklung: Bis zum 29. Juli wurden bereits 1.060 zahlende Ausstellungsbesucher erfasst. Damit war die Zahl des gesamten Vorjahres bereits übertroffen.
Finanziell bleibt die Wirkung bislang jedoch überschaubar. Denn bis zu diesem Stichtag nahm das Museum zwar schon knapp 2.990 Euro an Eintrittsgeldern ein. Doch für das gesamte Jahr plant die Stadt bei der Museumsarbeit weiterhin mit einem Defizit von rund 366.000 Euro. Mehr zahlende Gäste sind also ein Fortschritt, ändern aber nichts am sechsstelligen Zuschussbedarf.
Der im Haushaltsplan auffällige Anstieg der Personalkosten bedeutet übrigens nicht, dass zusätzliches Personal eingestellt wird. Laut Angaben der Stadt werden Beschäftigte, die zuvor unter „Kulturelle Veranstaltungen“ geführt wurden, zukünftig dem Museum zugerechnet. Verglichen mit den tatsächlich verbuchten Personalaufwendungen 2025 steigt der bislang geplante Ansatz 2026 deshalb „nur“ von rund 181.000 auf 186.000 Euro.
Wird zukünftig auch beim Museum gespart?
Nun sind Verwaltung und Rat gefragt. Bei den Haushaltsplanungen und Beratungen für das kommende Jahr steht die Stadt unter erheblichem Spardruck. Man darf gespannt sein, ob dabei auch die Museumsarbeit auf den Prüfstand kommt und welche Möglichkeiten die Stadt sieht, den hohen Zuschussbedarf zu senken.
Bericht: LT
Foto: anzeiger24.de
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