Bürgermeister Endereß zu Kritik der Elterninitiative an neuen Kita- und OGS-Beiträgen
24.07.2026Nach der Kritik von Eltern an der neuen Kita- und OGS-Beitragssatzung wurde am 21. Juli 2026 eine Online-Petition gestartet. Zudem hatte sich eine Elterninitiative mit einem Schreiben an Bürgermeister und Verwaltung gewandt und ihre Bedenken zu den Änderungen formuliert. Bürgermeister Vincent Endereß hat darauf am 24. Juli 2026 ausführlich reagiert und sein Antwortschreiben sowohl an die Elterninitiative als auch an die Presse verschickt.
Darin zeigt der Verwaltungschef Verständnis für die Sorgen der Familien, ordnet die Entscheidung des Stadtrats ein und verweist auf die finanzielle Situation der Stadt.
„Die Sorgen, die Sie in Ihrem offenen Brief zur Neuregelung der Kita und OGS-Elternbeiträge formulieren, nehme ich sehr ernst“, schreibt Endereß an die Eltern. Er räumt ein, dass die neuen Regelungen für einige Familien eine finanzielle Mehrbelastung bedeuten und insbesondere der kurze Zeitraum zwischen politischer Entscheidung und Beginn des neuen Betreuungsjahres Fragen aufwerfe.
Gleichzeitig betont der Bürgermeister, dassFamilienfreundlichkeit aus seiner Sicht nicht ausschließlich an der Höhe der Elternbeiträge gemessen werden könne. „Familien standen und stehen im Fokus der Haaner Politik und Stadtverwaltung“, erklärt Endereß und verweist auf zahlreiche Entscheidungen und Investitionen der vergangenen Jahre.
Nach Angaben des Bürgermeisters hat die Stadt Haan innerhalb von rund zehn Jahren mehr als 90 Millionen Euro in Schulen und Kindertageseinrichtungen investiert. Dazu gehören unter anderem die Modernisierung und Erweiterung von Bildungsstandorten sowie der geplante Neubau der Grundschule Unterhaan, der nach Angaben der Stadt das letzte große Schulbauprojekt dieser Art darstellt.
Auch außerhalb von Schulen und Kitas sieht Endereß die Stadt familienfreundlich aufgestellt. Er nennt unter anderem die geplante Aufwertung von Spielplätzen, die Erneuerung der Sportplätze in Haan und Gruiten sowie die vorgesehene Sanierung weiterer Turnhallen.
„Dass wir heute im Vergleich zu vielen anderen Städten über eine sehr gut ausgebaute Bildungs- und Betreuungsinfrastruktur verfügen, ist kein Zufall“, schreibt der Bürgermeister. In den vergangenen Jahren hätten Politik und Verwaltung bewusst Schwerpunkte gesetzt. Besonders hebt er die Betreuungssituation hervor: „Wir haben eine hervorragende Betreuungsquote, um die uns viele andere Kommunen beneiden: In der Kita und OGS können wir die Nachfrage nach Plätzen jedes Jahr vollständig erfüllen.“
Endereß räumt zugleich ein, dass auch Haan mit Problemen zu kämpfen habe. Der Fachkräftemangel wirke sich auch auf die Betreuung aus, etwa wenn durch Krankheit nicht genügend Personal zur Verfügung stehe. Dies sei jedoch keine alleinige Herausforderung der Stadt, sondern eine strukturelle Herausforderung, die viele Kommunen und Träger betreffe.
Finanzielle Situation als Argument für Neuregelung
Ein zentraler Punkt seiner Argumentation ist die finanzielle Lage der Stadt. Endereß erinnert daran, dass die Elternbeiträge über viele Jahre stabil geblieben seien.
„In den vergangenen Jahren konnten wir Familien von zusätzlichen finanziellen Belastungen schützen. Auch bei den Kita-Beiträgen gab es über zehn Jahre keine Anpassung. Das war eine bewusste politische Entscheidung.“
Die aktuelle Situation sei jedoch eine andere. Das Defizit der Stadt Haan liege inzwischen bei rund 16,5 Millionen Eurobei einem Haushaltsvolumen von etwa 130 Millionen Euro. Deshalb müssten aus Sicht des Bürgermeisters nun alle Bereiche ihren Beitrag leisten.
„Unser Ziel kann nicht sein, unseren Kindern ein strukturell überschuldetes Haan zu hinterlassen“, erklärt Endereß. Die Stadt müsse heute Verantwortung übernehmen, damit sie auch künftig handlungsfähig bleibe und weiter in Kinder, Familien und Infrastruktur investieren könne.
Investitionen und Familienpolitik aus Sicht des Bürgermeisters kein Gegensatz
Endereß geht in seinem Schreiben auch auf die Diskussion ein, ob andere städtische Investitionen mit Ausgaben für Familien gegeneinander aufgerechnet werden müssten. „Eine Stadt hat vielfältige Aufgaben, die alle eine wichtige Funktion für unsere Gesellschaft erfüllen. Ich werde deshalb Verwaltungsleistungen und notwendige Investitionen nicht gegeneinander aufrechnen. Investitionen in die Zukunft unserer Stadt und eine gute Familienpolitik sind kein Gegensatz. Beides gehört zusammen.“
Familien benötigten aus seiner Sicht nicht nur gute Kitas und Schulen, sondern auch sichere Spielplätze, Sportmöglichkeiten, intakte Straßen und eine leistungsfähige Infrastruktur. Dazu gehöre auch eine moderne Verwaltung.
Auch das geplante neue Verwaltungsgebäude sei kein Gegensatz zu einer familienfreundlichen Politik, so Endereß. Es solle dazu beitragen, dass die Stadtverwaltung auch künftig effizient arbeiten und gute Dienstleistungen für die Bürgerinnen und Bürger erbringen könne. Im Vergleich zu den hohen Betriebs- und Sanierungskosten der bestehenden Gebäude sei er weiterhin überzeugt, dass diese Investition die städtischen Finanzen langfristig entlasten werde.
Bürgermeister verweist auf Rolle des Stadtrats
Zur Kritik an der Beitragserhöhung und an seiner eigenen Rolle stellt Endereß klar, dass die Entscheidung nicht allein bei ihm liege. „Ich als Bürgermeister habe zwar eine Stimme (von 47) und den Vorsitz, leite jedoch insbesondere die Verwaltung und setze die Beschlüsse des Rates um“, schreibt Endereß. Eine vom Stadtrat beschlossene Satzung könne er nicht eigenständig aufheben oder ändern. Eine Änderung müsse erneut politisch beraten und vom Rat beschlossen werden.
Der Bürgermeister verweist darauf, dass die neue Beitragsregelung seit Februar beraten worden sei. Dabei sei festgelegt worden, an welchen Punkten der Satzung – unter anderem bei der Geschwisterkindregelung, der U2/U3-Regelung sowie der Einführung weiterer Einkommensstaffeln – Änderungen erfolgen sollten. Beteiligt gewesen seien nach Angaben der Stadt unter anderem die freien Träger, der Stadtelternrat und die politischen Gremien. Die neue Satzung sei schließlich am 7. Juli 2026 vom Stadtrat mehrheitlich beschlossen worden. Zum zeitlichen Ablauf ergänzt Endereß: „Mit dem Beschluss und der Veröffentlichung der neuen Satzung muss die neue Regelung zum Beginn des neuen Betreuungsjahres umgesetzt werden.“
Dabei betont der Bürgermeister: „Ich kann Ihnen versichern, dass diese Entscheidung niemandem leichtgefallen ist.“
Zudem verweist Endereß darauf, dass Elternbeiträge nur einen Teil der tatsächlichen Betreuungskosten abdecken. „Die Elternbeiträge decken nur einen kleinen Teil der tatsächlichen Kosten für die Kinderbetreuung. Den weitaus größten Teil trägt auch weiterhin das Land Nordrhein-Westfalen, unterstützt durch eigene Steuergelder der Stadt Haan. Der überwiegende Teil der Kosten wird damit bereits heute von der öffentlichen Hand getragen.“
Eltern sollen weiter im Gespräch bleiben
Trotz der ausführlichen Begründung räumt Endereß ein, dass seine Argumente die persönliche Belastung einzelner Familien nicht vollständig auffangen können. „Diese Argumente werden den Familien, die künftig höhere Kita-Beiträge zahlen müssen, ihre persönliche Belastung nicht nehmen. Das ist mir bewusst. Ich möchte sie deshalb auch nicht kleinreden.“
Der Bürgermeister kündigt an, mit den Familien weiter im Gespräch bleiben zu wollen. Gemeinsam mit der Beigeordneten für den Jugendbereich, Annette Herz, stehe er für einen weiteren Austausch zur Verfügung.
Quelle: Stadt Haan, Bearbeitung anzeiger24.de: BL
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