Schluss mit lustig? Russland will Karnevals-Satiriker bestrafen
28.01.2026In Moskau startet Prozess gegen Wagenbauer – Putin fühlt sich beleidigt – Jaques Tilly steht nun auf Fahndungsliste
Putin nimmt ein „Blutbad“ in einer Wanne mit den ukrainischen Nationalfarben. Putin schiebt sich das „Land“ Ukraine in den Rachen und möge daran „ersticken“. Ein anderes Motiv fordert „Putin Jail“. Alles nur Satire, wenn auch ganz schön deftig und heftig. Doch eben dafür ist der Bildhauer Jaques Tilly mittlerweile berühmt – teilweise sogar international. Seine „Werke“ sind jedes Jahr das Highlight beim Rosenmontagszug in Düsseldorf. Hier wird kaum ein mächtiger Politiker oder Staatsmann verschont. Dass die Betroffenen das nicht wirklich witzig finden, dürfte nicht überraschen – am wenigsten den Künstler selber.
Nun aber könnte „Schluss mit lustig“ sein, denn der russische Präsident Wladimir Putin kennt ist es nicht gewohnt verspottet zu werden. Wir mehrfach angekündigt, startet nun an dem Basmanny-Gericht in Moskau ein Prozess gegen Jaques Tilly wegen „Verunglimpfung der russischen Armee“ – ohne seine Anwesenheit.
***Update***
Der Prozessbeginn wurde ein zweites Mal verschoben, weil angeblich "Zeugen nicht erschienen" sein sollen, berichtet die Deutsche Presse-Agentur. Neuer Termin: voraussichtlich 26. Februar 2026.
Und natürlich sieht der Karikaturist keinen Anlass, dort persönlich zu erscheinen. Er beruft sich auf die Meinungs- und Kunstfreiheit, die in Deutschland gilt, uns sieht das Strafverfahren als Einschüchterungsversuch.
Ist der Künstler in Deutschland sicher?
Laut Medienberichten steht Tilly nun auf einer „Fahndungsliste". Doch davon zeigt er sich unbeeindruckt und nennt das ganze Verfahren eine „Farce", denn: „Ich habe bis heute aus Russland, aus Moskau, überhaupt nichts gehört. Noch nicht mal ein Brief, irgendeine Vorladung oder irgendetwas“, sagt er in einem Interview mit dem WDR. „Dieser Prozess findet unter ‚ferner liefen‘ statt. Und für mich ist die russische Justiz eine Blackbox. Ich weiß nicht, was die machen. Ich weiß nicht, wie in einem Unrechtsstaat die Simulation von Rechtsstaatlichkeit funktioniert. Ich habe absolut keine Ahnung und bin genauso Zuschauer wie alle anderen auch".
Aber fühlt er sich jetzt weiterhin „sicher“, wenn er sich in Deutschland auffällt? „Es ist schwierig einzuschätzen, was das für Auswirkungen hat“, erklärt er im WDR-Gespräch weiter. „Solange ich nicht in irgendwelche Länder reise, die ein Auslieferungsabkommen mit Moskau haben, oder solange nicht wirklich schlimmere Dinge mir gegenüber geplant sind, passiert erstmal nichts. Aber es kann natürlich in vielen Jahren Auswirkungen haben, wenn wir hier eine andere politische Szene in Deutschland haben.“ Zum Beispiel wenn die AfD die Macht ergreift.
Aufgabe der Narren: Vor der Obrigkeit „nicht kuschen"
Für ihn ändert sich also erst einmal nichts. Auch am diesjährigen Rosenmontag, 16. Februar, wird Tilly beim Düsseldorfer Zoch seine gewagten Persiflagen präsentieren. Bestimmt wird Putin auch diesmal mit dabei sein – doch das bleibt bis zum Startschuss geheim.
„Es ist schon immer die Aufgabe des Narren gewesen, und das ist das jahrhundertealte Privileg, einmal im Jahr der Obrigkeit in die Suppe zu spucken“, so Tilly abschließend. „Das wird weiterhin in genau derselben Intensität geschehen, wie die Leute das aus Düsseldorf gewohnt sind. Da gibt es keine Abstriche. Das wäre ja noch schöner, wenn wir da irgendwie jetzt kuschen würden. Das ist ja genau das, was die Moskauer Richter oder diejenigen, die den Prozess initiiert haben, vielleicht intendiert haben, dass wir vielleicht jetzt vorsichtiger sind oder was auch immer".
Bericht: KA
Quelle: WDR Newsroom
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