FinanzKommission: 66 Vorschläge zur Zukunft des deutschen Gesundheitssystems

30.03.2026

Was sagt die Branche?

Apothekerverband fordert: Kein Sparwahn zulasten der Versorgungsqualität

Der Präsident der ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände, Thomas Preis, begrüßt grundsätzlich das Ziel, die Finanzierung der gesetzlichen Krankenversicherung zu stabilisieren, warnt jedoch vor negativen Folgen für die Versorgungsqualität.

Kritisch sieht die ABDA insbesondere Vorschläge, die weitere Einsparungen bei Apotheken vorsehen könnten.

Preis verweist darauf, dass bereits rund ein Fünftel der Apotheken in den vergangenen 13 Jahren verschwunden sei – unter anderem wegen eines seit 2013 nicht erhöhten Honorars.

Die im Koalitionsvertrag geplante Erhöhung des Apothekenhonorars auf 9,50 Euro müsse zügig umgesetzt werden; kleine, schrittweise Anpassungen reichten nicht aus und würden die wirtschaftliche Lage weiter verschlechtern.

Andernfalls drohe ein anhaltendes Apothekensterben und damit eine Verschlechterung der wohnortnahen Arzneimittelversorgung.

Deutliche Kritik gibt es auch an möglichen Einschnitten bei den pharmazeutischen Dienstleistungen (pDL): Diese seien wichtig für Prävention und Früherkennung und würden langfristig sogar Kosten im Gesundheitssystem sparen.

Eine Kürzung der Vergütung für diese Leistungen sende ein negatives Signal an Apothekenteams und könnte dazu führen, dass weniger Apotheken diese Angebote bereitstellen.

Insgesamt fordert die ABDA, die Rolle der Apotheken im Gesundheitssystem zu stärken statt zu schwächen.

Preis verweist auf Aussagen von Nina Warken, wonach das hohe Versorgungsniveau erhalten bleiben solle, und appelliert, dieses Ziel konsequent umzusetzen.

Zentrale Forderung des Verbandes: wirtschaftliche Stabilisierung der Apotheken durch eine schnelle Honorarerhöhung, um die flächendeckende Versorgung langfristig zu sichern.

 

Pharma Deutschland e.V.: Kommissionsvorschläge sind kurzsichtig und kontraproduktiv

Der Verband Pharma Deutschland e.V. kritisiert die Vorschläge der Finanzkommission Gesundheit (FKG) als zu einseitig auf Einsparungen ausgerichtet, ohne ausreichende Berücksichtigung wirtschaftlicher und gesamtgesellschaftlicher Folgen.

Wirtschaftspolitische Schwächen: Die Kommission ignoriere strukturelle Verbesserungen und berge Risiken für Versorgungssicherheit, Innovationskraft und Therapiefreiheit im Arzneimittelbereich.

Arzneimittel unter Patentschutz: Maßnahmen wie Erhöhung des Herstellerabschlags, Nachschärfungen von Preis-Mengen-Regelungen, Ausbau von Wettbewerb unter Patentarzneimitteln und Abschaffung des Orphan Drug Privilegs würden die Rahmenbedingungen für Hersteller deutlich verschlechtern.

Signalwirkung: Höhere Herstellerabschläge sendeten falsche Signale, entlasteten zwar die Beitragssätze kurzfristig, gefährdeten aber langfristig Investitionen in Forschung, Produktion und Lieferketten.

Kritik an Selektivverträgen: Mehr Wettbewerb unter patentgeschützten Arzneimitteln über Selektivverträge könnte die Therapiefreiheit von Ärztinnen und Ärzten einschränken und zu einer Zwei-Klassen-Medizin führen.

Pharma Deutschland fordert verlässliche industriepolitische Rahmenbedingungen und eine nutzenbasierte Preisfindung statt immer neuer Sonderabgaben zulasten der Hersteller.

Prävention und Impfungen: Kurzfristige Einsparmaßnahmen könnten die langfristigen Ziele der Kommission zur Stärkung von Prävention und Impfungen konterkarieren.

Satzungsleistungen: Die geplante Streichung homöopathischer Leistungen kritisiert der Verband als einschränkend für die Versorgung.

Fazit von Hauptgeschäftsführerin Dorothee Brakmann: Die Maßnahmen verschärfen bestehende strukturelle Defizite im GKV-System, gefährden Investitionsbereitschaft, Innovationsdynamik und Versorgungssicherheit und bieten keine nachhaltigen Lösungen.

 

AOK: "Auf dieser Basis kann der große Wurf zur Begrenzung der Ausgaben gelingen"

Die AOK-Bundesverband begrüßt die Vorschläge der FinanzKommission Gesundheit (FKG) grundsätzlich als wirksame Ansätze zur Ausgabenbegrenzung.

Die Kommission habe die größten Kostentreiber identifiziert und Maßnahmen benannt, die helfen könnten, das drohende Milliardenloch zu schließen und Beitragserhöhungen 2027 zu verhindern, ohne die Versorgung der Patientinnen und Patienten zu verschlechtern.

Die FKG habe deutlich gemacht, dass die GKV nicht an zu geringen Einnahmen, sondern an ungesteuert wachsenden Ausgaben leide.

Die AOK sieht daher keinen Bedarf für Leistungskürzungen oder zusätzliche Belastungen der Versicherten, etwa höhere Zuzahlungen oder die Abschaffung der beitragsfreien Mitversicherung von Ehepartnern, die 2027 eine Belastung von 3,5 Mrd. Euro verursachen würde.

 

Positiv bewertet werden Maßnahmen wie:

  • Begrenzung der Ausgaben für das Pflegebudget der Krankenhäuser, insbesondere Personalkosten
  • Anhebung des Herstellerrabatts für Arzneimittel, die schnell Entlastung bringen
  • Rücknahme der Entbudgetierung einzelner Arztgruppen
  • Streichung der Regelungen zur Terminvermittlung, da diese keinen Mehrwert für Patientinnen und Patienten gebracht hätten

Auf der Einnahmenseite wird die vollständige Steuerfinanzierung von Grundsicherungs-Beziehenden unterstützt, um die Belastung der Beitragszahler zu reduzieren.

Die AOK begrüßt außerdem die gesundheitsorientierte Besteuerung von Tabak, Alkohol und zuckergesüßten Getränken gemäß WHO-Empfehlungen, da die Mehreinnahmen einen Beitrag zur Stabilisierung der GKV leisten können.

Fazit: Die AOK sieht die Vorschläge als grundlage für eine nachhaltige Stabilisierung der GKV, sofern die Politik die Ausgabenmaßnahmen entschlossen umsetzt.

 

Zusammenfassung: KA

Fotos: Bundesgesundheitsminiterium/J.Pauls / KI generiert mit Adobe Firefly

 

 

Weitere Nachrichten gibt es unter www.anzeiger24.de und Deutschland-News

 

Du hast einen Tipp, eine Anregung, zu welchem Thema wir einmal recherchieren sollten?

Schreib uns an [email protected]. Deine Zuschrift wird streng vertraulich behandelt!

 


Ihr wollt uns Eure Meinung sagen? Gerne per Mail an

[email protected]

oder als Kommentar bei Facebook
unter DeinHilden, DeinLangenfeld, DeinMonheim, DeinHaan oder DerLeverkusener.

Euch hat unser Beitrag gefallen? Dann liked und teilt ihn gerne.