Gemeinsame Stadtwerke-Gesellschaft: Was haben die Bürger davon?
17.10.2026Langenfeld, Monheim und Hilden wollen Aufgaben ihrer eigenständigen Versorgungsunternehmen bündeln
Die Städte Langenfeld, Monheim und Hilden verfügen bekanntlich über eigene, eigenständige Stadtwerke, beziehungsweise kommunale Versorgungsunternehmen. Nun wollen sie eine gemeinsame Dienstleistungsgesellschaft gründen, in die bestimmte Arbeitsbereiche übertragen werden sollen. Darüber hatten wir berichtet.
Diese neue Gesellschaft soll technische Dienstleistungen für Strom, Gas, Wasser, Messstellenbetrieb und Straßenbeleuchtung bündeln. Hinzu kommen Aufgaben wie Abrechnung, Energiedatenmanagement, Marktkommunikation und Forderungsmanagement wie die Verarbeitung von Verbrauchsdaten, der Datenaustausch zwischen Energieunternehmen und die Bearbeitung offener Rechnungen.
Die örtlichen Versorger bleiben dabei aber eigenständig. Netze, Netzbetreiberverantwortung, lokale Marken und Kundenkontakt verbleiben bei den bisherigen Unternehmen. Auch zentrale Funktionen wie Personal, IT und Finanzen sollen weiterhin vor Ort angesiedelt bleiben.
Warum soll die Bündelung sinnvoll sein?
Nach Angaben der Städte stehen die Versorger vor ähnlichen Herausforderungen: Fachkräfte gewinnen, Spezialwissen sichern und Vertretungen gewährleisten. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an IT, Arbeitsabläufe und energiewirtschaftliche Vorschriften. Monheim nennt außerdem den Generationenwechsel.
Größere gemeinsame Teams sollen deshalb helfen, diese Aufgaben auch zukünftig verlässlich zu bewältigen. Fachwissen müsste dann nicht in jedem Unternehmen vollständig separat vorgehalten werden. Bei Urlaub, Krankheit oder personellen Engpässen könnten sich die Partner gegenseitig unterstützen.
Für Langenfeld kommt eine weitere Aufgabe hinzu: Dort ist die Übernahme des Stromnetzbetriebs zum 1. Januar 2029 geplant.
Und was haben die Bürger davon?
anzeiger24.de hat die drei Städte mit einer Presseanfrage um konkrete Auskünfte gebeten: Welche Vorteile bringt die neue Gesellschaft den Kunden? Sind niedrigere Preise oder messbare Serviceverbesserungen zu erwarten? Welche Kosten entstehen und wie sollen Einsparungen erzielt werden, wenn alle Arbeitsplätze erhalten bleiben?
Die Antworten fallen weitgehend wortgleich aus. Sie erläutern die geplante Organisation, bleiben bei den finanziellen Auswirkungen jedoch zurückhaltend.
Als Vorteile für die Kunden nennen die Städte eine langfristig sichere und zuverlässige Versorgung, bessere Vertretungsmöglichkeiten und eine höhere Umsetzungsgeschwindigkeit.
Größere Teams, gebündeltes Spezialwissen und einheitliche Abläufe sollen dazu beitragen, Aufgaben schneller und verlässlicher zu erledigen. Insbesondere die Prozesse für die Kundschaft sollen beschleunigt werden.
Konkrete Bearbeitungszeiten oder andere messbare Serviceziele werden allerdings nicht genannt. Niedrigere Preise werden ebenfalls nicht zugesagt. Eine höhere Effizienz könne die Kosten senken. In welchem Umfang das gelingt, lasse sich indes noch nicht verlässlich prognostizieren.
Einsparungen ohne Entlassungen – wie soll das gehen?
Auf diese Frage gibt es eine ausführlichere Antwort: Die Arbeitsplätze bleiben erhalten; betriebsbedingte Kündigungen sind ausgeschlossen.
Einsparungen sollen durch die gemeinsame Nutzung vorhandener Kapazitäten, die Bündelung von Aufgaben und die schrittweise Vereinheitlichung von Abläufen und Systemen entstehen. Beschäftigte sollen künftig über die einzelnen Versorgungsnetze hinweg eingesetzt und Vertretungen unternehmensübergreifend organisiert werden.
Dadurch soll auch der Bedarf an kostenintensiven externen Dienstleistungen sinken. Monheim ergänzt, dass die natürliche Personalentwicklung zu Einsparungen beitragen soll, erläutert dies jedoch nicht näher.
Die Städte unterscheiden dabei zwischen vermeidbarer Doppelarbeit und notwendigen Vertretungen: Gerade im Netzbereich müssten mehrere Beschäftigte dieselben Aufgaben beherrschen, um einen zuverlässigen Betrieb sicherzustellen.
Warum braucht es dafür eine eigene Gesellschaft?
anzeiger24.de wollte auch wissen, warum eine Zusammenarbeit ohne zusätzliche Gesellschaft nicht ausreicht.
Die Städte begründen die neue Gesellschaft mit einer gemeinsamen operativen Organisation: Die übertragenen Einheiten sollen unter einer gemeinsamen fachlichen und disziplinarischen Führung arbeiten. Klar abgegrenzte Zuständigkeiten und einheitlichere Prozesse sollen unnötige Doppelarbeit vermeiden.
Und was kostet die neue Gesellschaft?
Gefragt hatte anzeiger24.de nach Gründungskosten, laufenden Ausgaben, jährlichen Einsparungen und dem Zeitpunkt, ab dem sich die Gesellschaft rechnen soll.
Konkrete Zahlen nennen die Städte dazu nicht. Ihre Antwort beschränkt sich auf das Ziel, durch Synergieeffekte Kosten zu senken und künftigen Kostensteigerungen entgegenzuwirken.
Die drei Kommunen sollen mittelbar jeweils 33,33 Prozent der gemeinsamen Gesellschaft halten. Wie die Kosten der gemeinsamen Leistungen verteilt werden, wird nicht erläutert. Die Gesellschaft soll auf Kosteneffizienz und stabile Leistungen ausgerichtet sein.
Welche Auswirkungen das auf Gewinne der einzelnen Versorger, Ausschüttungen an die Städte oder die Finanzierung defizitärer Angebote wie der Bäder hat, ist nach Angaben der Städte noch nicht bekannt.
Der vollständige operative Betrieb ist bis zum 1. Januar 2029 vorgesehen. Dieser Termin sei ausdrücklich nicht mit einem festgelegten Evaluationszeitpunkt gleichzusetzen.
Für die Bürger stehen damit zunächst erwartete Verbesserungen bei Versorgungssicherheit und Arbeitsabläufen im Vordergrund.
Wie viel die Kooperation tatsächlich spart und ob Kunden auch finanziell davon profitieren, bleibt derzeit offen.
Bericht: LT
Quelle: Antworten der Städte Langenfeld, Monheim und Hilden auf eine Presseanfrage von anzeiger24.de
Weitere Nachrichten gibt es unter www.anzeiger24.de und Deutschland-News
Du hast einen Tipp, eine Anregung, zu welchem Thema wir einmal recherchieren sollten?
Schreib uns an [email protected]. Deine Zuschrift wird streng vertraulich behandelt!
Ihr wollt uns Eure Meinung sagen? Gerne per Mail an
oder als Kommentar bei Facebook
unter DeinHilden, DeinLangenfeld oder DeinMonheim
Euch hat unser Beitrag gefallen? Dann liked und teilt ihn gerne.


Dein Hilden