FinanzKommission: 66 Vorschläge zur Zukunft des deutschen Gesundheitssystems
30.03.2026Expertenrat übergibt Bericht an Bundesregierung: So könnte die Finanzierung gesichert werden – Natürlich gibt es Kritik
Wie soll die Gesundheitsversorgung in Deutschland der Zukunft aussehen – insbesondere im Hinblick auf die Kassenlage? Wir kann man das System vor dem Kollaps bewahren – und wo wird es wohl für Versicherte teurer?
Die von Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (kl. Foto oben) eingesetzte FinanzKommission Gesundheit (FKG) hat am 30. März 2026 ihren ersten Bericht mit 66 Reformempfehlungen zur Stabilisierung der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) ab 2027 vorgelegt.
Ziel sei es, steigende Beitragssätze zu verhindern und die Finanzlage nachhaltig zu stabilisieren – auf Basis einer umfassenden Analyse von Einnahmen, Ausgaben und Kostentreibern.
Insgesamt sieht die Kommission ein Einspar- und Einnahmepotenzial von bis zu 42 Milliarden Euro jährlich.
Ein paar Beispiele
- Größtes Einsparpotenzial (ca. 19 Mrd. Euro) liegt bei Leistungserbringern (Ärzte, Kliniken, Pharmaindustrie), u. a. durch gedeckelte Vergütungssteigerungen und strengere Preisregeln für Medikamente.
- Der Bund soll künftig versicherungsfremde Leistungen vollständig finanzieren (z. B. Gesundheitskosten für Bürgergeld-Empfänger) – Entlastung: rund 12 Mrd. Euro jährlich.
- Versicherte sollen stärker beteiligt werden, etwa durch höhere Zuzahlungen für Medikamente (Anhebung der Obergrenze auf bis zu 15 Euro) – Potenzial: mehrere Milliarden Euro.
- Auf der Einnahmenseite wird u. a. die Abschaffung der beitragsfreien Mitversicherung von Ehepartnern diskutiert sowie ein möglicher Mindestbeitrag – zusätzliche Milliarden-Einnahmen für die Kassen.
- Zusätzlich empfiehlt die Kommission höhere Steuern auf gesundheitsschädliche Produkte (Tabak, Alkohol) sowie die Einführung einer Zuckersteuer; die Mehreinnahmen sollen in die GKV fließen.
- Weitere Maßnahmen betreffen Leistungskürzungen bzw. -anpassungen, etwa bei freiwilligen Zusatzleistungen, Zahnersatz, bestimmten Vorsorgeuntersuchungen oder homöopathischen Angeboten.
- Einsparpotenziale sieht die Kommission auch beim Krankengeld (Reduzierung der Leistungen) sowie durch effizientere Versorgungsstrukturen.
- Pharmaunternehmen sollen stärker eingebunden werden, z. B. durch höhere Rabatte und umsatzabhängige Preisregelungen für Medikamente.
- Einführung eines verpflichtenden Zweitmeinungsverfahrens vor bestimmten Operationen, um unnötige Eingriffe zu vermeiden und Kosten zu senken.




Auszüge aus dem Original Report
Der Bericht basiert auf einem breit angelegten Beteiligungsverfahren mit rund 400 Stakeholdern und etwa 1.700 eingereichten Vorschlägen, die in die Empfehlungen eingeflossen sind.
Den kompletten Bericht gibt es hier.
Reaktionen
„Die Empfehlungen der FinanzKommission Gesundheit sind der Beginn der bisher umfassendsten Reform der gesetzlichen Krankenversicherung“, sagte Ministerin Warken bei der Übergabe des Berichts an die Bundesregierung. „Ohne entschlossenes Handeln steuern wir auf ein historisches Finanzdefizit der Krankenkassen von über 40 Milliarden Euro im Jahr 2030 zu. Die Folge wären immer weiter deutlich steigende Krankenkassenbeiträge und damit erneute Belastungen für Beitragszahler sowie Unternehmen. Wir werden als Bundesregierung der seit Jahren wachsenden Schieflage zwischen Einnahmen und Ausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung endlich entschieden entgegentreten. Solide Finanzen sind die Grundlage für die nachhaltige Stabilität unseres Gesundheitssystems, dafür werden alle einen Beitrag leisten müssen.“
Das Bundesministerium werde nun die Vorschläge prüfen und ein Gesetzgebungsverfahren einleiten, kündigte die Ministerin an.
Und was sagt die Branche dazu?
