Zollpolitik beschleunigt Abwanderung der Industrie: Jedes fünfte Unternehmen hat seine Produktion verlagert

29.11.2025

BDI- und Deloitte-Report: Firmen zieht es vor allem in andere europäische Länder, in die USA und nach Asien

Die Zollpolitik der vergangenen Monate hat die Abwanderung der Industrie aus Deutschland beschleunigt: Deutlich mehr Firmen als vor zwei Jahren haben wesentliche Teile ihrer Wertschöpfung verlagert, berichtet die aktuelle Ausgabe des Supply Chain Pulse Check von Deloitte und vom Bundesverband der deutschen Industrie (BDI): „So gibt fast jedes fünfte Unternehmen [befragt wurden 148 Lieferketten-Verantwortliche des produzierenden Gewerbes] an, nicht mehr in Deutschland zu produzieren (19%). Das sind acht Prozentpunkte mehr als vor zwei Jahren. Ihre Entwicklung haben 17 Prozent der Unternehmen verlagert (2023: 12%), auf die Forschung triff das bei 13 Prozent zu (2023: 10%). Die Endmontage ist bei 18 Prozent abgewandert (2023: 11%).“

 

Dieser Trend werde sich voraussichtlich noch verstärken, heißt es weiter: „In den kommenden zwei bis drei Jahren wollen 43 Prozent ihre Produktion neu verorten; bei einer vergleichbaren Befragung vor zwei Jahren lag dieser Anteil bei 33 Prozent. Ihre Entwicklung planen 30 Prozent der befragten Firmen zu verlagern (2023: 24%), die Forschung sehen 35 Prozent außerhalb Deutschlands (2023: 23%). Eine ähnliche Entwicklung zeigt sich bei Funktionen wie Einkauf, Vertrieb und Marketing.“

 

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Die Firmen zieht es vor allem in andere europäische Länder (30%), in die USA (26%) und nach Asien (19%, ohne China). 16 Prozent geben an, nach China zu verlagern, 14 Prozent nach Indien (Mehrfachnennungen möglich).

Allerdings, so erklärt Dr. Jürgen Sandau, Partner und Lieferkettenexperte bei Deloitte: „Wenn sich der neue Standort nicht als sicherer Hafen erweist, macht ein Lieferstillstand sehr schnell alle Einsparungseffekte zunichte.“

Eine Rückverlagerung von China beziehungsweise aus den USA nach Europa fand bei 9 Prozent beziehungsweise 7 Prozent der Befragten statt.

 

Lieferketten lassen sich nur noch mit deutlich höheren Kosten absichern – KI kann helfen

Angesichts des wachsenden Protektionismus könnten Lieferketten nur noch mit erheblichem Aufwand abgesichert werden: „Bei 53 Prozent der Unternehmen sind die entsprechenden Ausgaben etwas gestiegen, bei 39 Prozent sind sie stark oder sehr stark angestiegen. Bei zwei von drei Firmen (66%) hat die Zollpolitik der vergangenen Monate die Beschaffungskosten in die Höhe getrieben. Bei rund jedem Zweiten sind die Verwaltungskosten gestiegen (52%) und die Margen gesunken (53%).“

 

Künstliche Intelligenz könnte hier zwar Abhilfe schaffen, sagen 54 Prozent der Befragten. Für 58 Prozent könne sie die betriebliche Effizienz stark oder sehr stark steigern, für 65 Prozent hat sie großes oder sehr großes Potenzial, das Bestandsmanagement zu verbessern, und 46 Prozent sehen in der KI eine große oder sehr große Hilfe bei der Entscheidungsfindung.

 

Jedoch setzt weniger als die Hälfte der befragten Unternehmen (41%) neue Technologien zur Früherkennung von Lieferschwierigkeiten ein. Nur 34 Prozent nutzen KI, um ihre Supply Chain zu planen.

 

Quelle: Deloitte GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft

bearb.: KA 

 

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