TÜV-Umfrage: Bus zu spät, Straße kaputt – Zwei Drittel der Bevölkerung ist genervt
03.02.2026Frust über Verkehr und Infrastruktur – Großstädter besonders unzufrieden
Die große Mehrheit der Bundesbürgerinnen und Bundesbürger ist unzufrieden mit der Gestaltung des Verkehrsraums in ihrer Kommune. Insgesamt äußern sich fast zwei Drittel kritisch (64 Prozent): 34 Prozent sind "eher unzufrieden" und 30 Prozent "gar nicht zufrieden". Auf der anderen Seite sind 29 Prozent "eher zufrieden" und nur 7 Prozent geben an, "sehr zufrieden" zu sein. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Civey-Umfrage unter 2.500 Personen ab 18 Jahren im Auftrag des TÜV-Verbands.
"Wenn Busse und Bahnen unpünktlich kommen, Radwege im Nirgendwo enden und Straßen voller Schlaglöcher sind, überrascht es nicht, dass viele Menschen mit der Infrastruktur vor Ort unzufrieden sind", sagt Richard Goebelt, Fachbereichsleiter Fahrzeug & Mobilität beim TÜV-Verband. "Ob in der Großstadt oder auf dem Land, die Erwartungen an sichere und funktionierende Verkehrswege sind hoch - und vielerorts wird dieser Anspruch nicht erfüllt."
Eindruck: Wegen ständiger Baustellen wird nichts besser
Die Unzufriedenheit ist in Metropolräumen mit "sehr hoher" Bevölkerungsdichte zwar am größten, zieht sich aber durch alle Regionen. In Städten mit mehr als 5.000 Einwohner:innen pro Quadratkilometer liegt die Unzufriedenheit bei 77 Prozent. "Großstädte sind die Laborräume der Verkehrswende", sagt Goebelt. "Umbauten, neue Verkehrsführungen und Baustellen sind allgegenwärtig. Und weil die Belastungen sofort wirken, die Verbesserungen aber erst später, entsteht bei vielen der Eindruck, dass ständig gebaut wird, aber nicht besser wird." Auch in "dicht" besiedelten Regionen mit 1.000 bis 5.000 Einwohner:innen je km² sind es 69 Prozent, in "mittel" besiedelten Gebieten (300-1.000 Einw./km²) 62 Prozent.
In Gebieten mit "niedriger" Bevölkerungsdichte von 150 bis unter 300 Einwohner:innen pro Quadratkilometer liegt die Unzufriedenheit "nur" bei 59 Prozent, in sehr dünn besiedelten Regionen (weniger als 150 Einw./km2) bei 60 Prozent.
Was wünschen sich die Befragten?
Wenn es um eine sichere und stressfreie Mobilität geht, setzt die Bevölkerung klare Prioritäten:
42 Prozent der Befragten nennen die Sanierung und Erhaltung von Straßen und Wegen als wichtigste Maßnahme, gefolgt vom Ausbau eines verlässlichen öffentlichen Nahverkehrs (34 Prozent).
Fast jeder Dritte (30 Prozent) priorisiert den Ausbau von Parkmöglichkeiten und 27 Prozent optimierte Ampelsteuerungen für flüssigeren Verkehr.
Eine bessere Anbindung ländlicher Räume steht für 25 Prozent der Befragten und der Ausbau der Radinfrastruktur für 21 Prozent weit oben auf der Agenda.
Die Reduzierung von Durchgangsverkehr und eine klare Priorisierung von Bus und Bahn im Straßenraum werden von jeweils 15 Prozent als wichtig eingestuft.
Verkehrsberuhigte Bereiche und Tempo-30-Zonen halten 14 Prozent und den Ausbau der Ladeinfrastruktur für E-Autos halten 9 Prozent für geeignete Maßnahmen.
"In vielen Kommunen fehlt es an Investitionsmitteln und Planungskapazitäten für eine moderne Verkehrsinfrastruktur", sagt Goebelt. "Der Verkehrsraum sollte so gestaltet werden, dass die Bedürfnisse unterschiedlicher Verkehrsteilnehmer von Fußgängern über Autofahrer und Radfahrern bis zum Lieferverkehr berücksichtigt werden."
Quelle: TÜV-Verband e.V. Berlin
Archivfotos: anzeiger24.de
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