Flutkatastrophe in Nepal: Tausende Menschen betroffen, Dörfer weggespült, Infrastruktur zerstört
28.08.2026Wie internationale Hilfsorganisationen Nothilfe in der schwer zugänglichen Himalaya-Region leisten
Nepal/Tibet. Die Bilder aus der Himalaya-Region sind erschütternd: Gewaltige Wasser-, Schlamm- und Geröllmassen haben im Grenzgebiet zwischen Nepal und Tibet ganze Ortschaften verwüstet. Häuser wurden mitgerissen, Straßen und Brücken zerstört, Familien auseinandergerissen. Viele Menschen werden noch vermisst, Zehntausende sind mittelbar von den Folgen der Katastrophe betroffen.
Während die Suche nach Verschütteten und Vermissten weitergeht, beginnt für die Helfer eine zweite, ebenso wichtige Aufgabe: Die Überlebenden müssen mit Trinkwasser, Lebensmitteln, medizinischer Hilfe und sicheren Unterkünften versorgt werden.
Doch genau das ist in der abgelegenen Bergregion besonders schwierig. Straßen sind unpassierbar, Brücken weggerissen, die Kommunikation teilweise unterbrochen. Manche Orte können derzeit nur mit Hubschraubern erreicht werden.
Mehrere deutsche und internationale Hilfsorganisationen sind deshalb gemeinsam mit lokalen Partnern im Einsatz. Sie erleben vor Ort eine Katastrophe von enormem Ausmaß – und zugleich Menschen, die trotz ihrer eigenen Not versuchen, anderen zu helfen.
Hier ein paar Beispiele von Erlebnisberichten:
Aktion Deutschland hilft: Erste Hilfe für 400 Familien
Die Bündnisorganisationen von Aktion Deutschland Hilft sondieren die Lage und bringen erste Hilfsmaßnahmen auf den Weg. Im Mittelpunkt steht zunächst die Versorgung der Menschen, die alles verloren haben.
Das Kinderhilfswerk Stiftung Global-Care plant, rund 400 Familien in Jajarkot und Rolpa mit Nahrungsmitteln, sauberem Trinkwasser, Hygienepaketen und Baumaterial für Notunterkünfte zu unterstützen.
Auch die AWO International kann auf vorhandene Hilfsgüter zurückgreifen. In einem Warenlager in Nepal stehen mehr als 300 Hilfspakete bereit. Sie enthalten unter anderem Decken, Matratzen, Planen, Eimer, Wasserkrüge und Hygieneartikel.
Weitere Bündnisorganisationen wie TERRA Projekte International und Habitat for Humanity stehen mit ihren Länderbüros und Partnern vor Ort in Kontakt. Ihr Ziel: möglichst schnell herauszufinden, was die Menschen jetzt am dringendsten benötigen.
Für die betroffene Bevölkerung sei die Situation eine Tragödie unvorstellbaren Ausmaßes, sagt Maria Rüther, Hauptgeschäftsführerin von Aktion Deutschland Hilft. Jetzt komme es darauf an, schnell und koordiniert zu helfen.
Nach ersten Schätzungen der Vereinten Nationen benötigen rund 10.000 Haushalte humanitäre Unterstützung.
SOS-Kinderdörfer: „Besonders große Sorgen machen mir die Kinder“
Ein Team der SOS-Kinderdörfer prüft vor Ort, wie groß die Schäden sind und welche Unterstützung Familien und Kinder am dringendsten benötigen. Die Kommunikation in einigen Regionen sei unterbrochen, und manche Gebiete seien nur schwer erreichbar. Weitere Niederschläge könnten die Lage zusätzlich verschärfen.
„Besonders große Sorgen machen mir die Kinder“, sagt Prof. Dr. Sabina Schutter, Vorständin der SOS-Kinderdörfer weltweit in Deutschland. Viele Menschen hätten Angehörige verloren oder wüssten noch nicht, was mit Familienmitgliedern geschehen sei.
Dr. Ganga B. Gurun, Nationaler Leiter der SOS-Kinderdörfer in Nepal, kündigt deshalb konkrete Unterstützung an. Geplant sind unter anderem Kinderschutzmaßnahmen, psychologische Hilfe und sichere Lernmöglichkeiten für Kinder, deren Schulen zerstört wurden.
Save the Children: Auf langen Schulwegen von Sturzflut überrascht
Während Rettungskräfte im Norden Nepals weiter nach Überlebenden suchen, konzentriert sich Save the Children auf die besonders schutzbedürftigen Kinder und ihre Familien. Die Sturzflut in der Region Rasuwa traf die Menschen zu einem besonders tragischen Zeitpunkt: Viele Kinder waren gerade auf dem Weg zur Schule oder hatten ihren Unterricht bereits begonnen.
In der Bergregion sind lange Schulwege keine Seltenheit. Nun sind zahlreiche Wege durch die Wassermassen unterbrochen. Gleichzeitig erschweren zerstörte Telefon- und Internetverbindungen den Kontakt zwischen Angehörigen.
Nach den traumatischen Erlebnissen seien viele Kinder verwirrt und verstört, sagt Tara Chettry, Länderdirektorin von Save the Children in Nepal. Deshalb müsse es bei den Rettungs- und Hilfsmaßnahmen höchste Priorität haben, unbegleitete und von ihren Familien getrennte Kinder zu identifizieren und zu schützen.
Manche kommen bei Verwandten unter, andere müssen in öffentlichen Gebäuden wie Gemeindezentren Zuflucht suchen. Besonders problematisch ist die Versorgung mit sauberem Trinkwasser, die im gesamten Bezirk erheblich beeinträchtigt ist.
Die Organisation kann auf jahrzehntelange Erfahrung zurückgreifen: Save the Children ist seit 1976 in Nepal tätig und arbeitet dort unter anderem in den Bereichen Kinderschutz, Bildung, Gesundheit und Ernährung, Kinderrechte, Klimawandel und Kinderarmut.
Handicap International: Hilfe für Verletzte und Menschen mit Behinderung
Handicap International (HI) will unter anderem Krankenhäuser bei der Versorgung der zahlreichen Verletzten unterstützen.
Gleichzeitig sollen rund 100 besonders betroffene Haushalte mit Hilfsgütern versorgt werden. Dazu gehören Decken, Kleidung, Küchenutensilien und Seife. Besonders wichtig sind außerdem Mobilitätshilfen wie Gehstöcke, Krücken und Rollstühle.
Für Rajesh Chandra, Leiter des Nepal-Programms von Handicap International, ist dabei ein Punkt entscheidend: Die Hilfe müsse alle Menschen erreichen – auch diejenigen, die aufgrund einer Behinderung oder ihres Alters besonders gefährdet sind.
Die Bedingungen vor Ort erschweren diese Aufgabe erheblich. Straßen sind durch Schlamm und Geröll blockiert, mehrere Gesundheitszentren und zwei Krankenhäuser sind betroffen. In den Distrikten Rasuwa, Nuwakot und Dhading besteht nach Angaben der Organisation zudem weiterhin die Gefahr von Erdrutschen und Gebäudeeinstürzen.
Chandra beschreibt die Wucht der Flut als enorm. Was die Wassermassen nicht mitgerissen haben, wurde teilweise von Schlamm und Geröll eingeschlossen. Manche Orte sind auf dem Landweg weiterhin nicht erreichbar.
Handicap International bereitet deshalb nicht nur die unmittelbare Versorgung vor. Das nepalesische Gesundheitsministerium hat die Organisation auch um Unterstützung bei der Rehabilitation verletzter Menschen und der psychologischen Betreuung gebeten.
Gerade nach einer Katastrophe entscheidet eine schnelle medizinische Versorgung darüber, ob Verletzungen dauerhaft bleiben. Gleichzeitig brauchen Menschen, die Angehörige verloren oder selbst lebensbedrohliche Situationen erlebt haben, Unterstützung bei der Verarbeitung des Erlebten.
Terre des Hommes: Kinder verbringen Nächte im Freien
Terre des Hommes stellt fest: Es fehlt an fast allem, was für das unmittelbare Überleben notwendig ist. Benötigt werden sichere Unterkünfte, Lebensmittel, sauberes Trinkwasser, medizinische Grundversorgung, Decken und Hygieneartikel.
Die Organisation hat deshalb ein erstes Nothilfebudget von 30.000 Euro bereitgestellt. Damit sollen unter anderem Notunterkünfte, Basismedizin und Lebensmittel finanziert werden.
Joshua Hofert, Vorstandssprecher von Terre des Hommes, berichtet von Kindern, die ihre Familien verloren haben und die Nächte im Freien verbringen. Die lokalen Partner versuchten unter Hochdruck, auch entlegene Orte zu erreichen.
Zugleich herrrscht die Sorge, dass bisher mobilisierten Mittel angesichts des Ausmaßes der Katastrophe nicht ausreichen, um die längerfristige Versorgung und den Schutz besonders gefährdeter Kinder und Familien sicherzustellen.
Welthungerhilfe: „Viele Menschen suchen noch nach Angehörigen“
Gewaltige Schlamm- und Wassermassen haben sich entlang des Bhote-Koshi-Flusssystems ihren Weg gebahnt und eine Spur der Verwüstung hinterlassen, berichtet die Welthungerhilfe.
Besonders hart trifft die Katastrophe Familien, die von der Landwirtschaft leben. Für sie bedeutet die Flut nicht nur den Verlust ihres Hauses. Auch Felder, Ernten und damit die wirtschaftliche Grundlage ihrer Familien können zerstört sein.
Rund 40 Kilometer Straßen und etwa 60 Brücken wurden nach aktuellem Stand zerstört oder schwer beschädigt. Strom und Telekommunikation sind teilweise ausgefallen. Einige abgelegene Orte können nur noch aus der Luft erreicht werden.
Tabea Seiz, Programmleiterin der Welthungerhilfe in Nepal, beschreibt die Stimmung als Schock. Viele Menschen suchten weiterhin nach Angehörigen, ganze Dörfer seien weggespült worden. Gleichzeitig beobachte sie eine beeindruckende Solidarität: Gemeinden, lokale Organisationen und Freiwillige würden zusammenarbeiten, um den Betroffenen zu helfen.
Die Welthungerhilfe stellt 100.000 Euro aus ihrem Nothilfefonds bereit. Zwei Mitarbeiter von Partnerorganisationen machen sich gemeinsam mit staatlichen Stellen auf den Weg in die betroffene Region. Sie sollen Schäden, Versorgungslücken und den konkreten Hilfebedarf erfassen.
Lebensmittelpakete, Hygienekits und Materialien für Notunterkünfte werden als erste Hilfsmaßnahmen vorbereitet.
Die Organisation ist mit Unterbrechungen seit 1972 in Nepal aktiv und arbeitet dort mit nationalen und internationalen Partnern zusammen – unter anderem in den Bereichen Ernährungssicherung, Katastrophenvorsorge und humanitäre Hilfe.
Alle genannten Hilfsorganisationen haben Spendenkonten und bitten um Zuwendungen zur Unterstützung ihrer Arbeit.
Zusammenstellung / Bearbeitung: KA
Foto: TERRA Projekte International
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