Nach der Gruppenphase: Vieles kam anders als vorhergesagt
27.06.2026Eine Zwischenbilanz, die viele überraschen dürfte
Vor Beginn der Fußball-Weltmeisterschaft in den USA schien für viele Medien das Urteil bereits festzustehen. Kaum ein Tag verging ohne düstere Prognosen. Die Einreise werde zum Spießrutenlauf. Handys würden durchsucht, Social-Media-Konten kontrolliert, Touristen an Flughäfen schikaniert oder gar festgenommen. Amerika sei ohnehin kein Fußballland. Die Stadien würden leer bleiben. Die Ticketpreise seien unverschämt. Und mit 48 Mannschaften werde das Turnier zwangsläufig verwässert.
Nach der Gruppenphase lohnt sich ein Blick auf die Realität
Wir waren 14 Tage in den USA und Kanada unterwegs. Dallas, Houston und Vancouver standen auf unserer Reiseroute. Natürlich ist das nicht repräsentativ. Aber es sind eigene Erfahrungen – und die unterscheiden sich erheblich von dem Bild, das viele Berichte im Vorfeld gezeichnet haben.
Die Einreise? So unkompliziert und freundlich wie selten zuvor. Die Beamten an der Passkontrolle arbeiteten schnell, höflich und professionell. Von den vielfach beschriebenen Horrorszenarien war nichts zu erleben.
Und der Fußball?
Wer behauptet, Amerika interessiere sich nicht für diese Weltmeisterschaft, sollte sich die Gastgeberstädte einmal selbst ansehen. Restaurants, Bars und Hotels hatten sich sichtbar auf das Turnier eingestellt. Fahnen, Trikots und WM-Dekoration prägten vielerorts das Straßenbild. Sobald ein Spiel begann, wechselten auf den zahllosen Bildschirmen in den Lokalen alle Übertragungen auf Fußball. Die Gäste kamen aus aller Welt, fieberten gemeinsam mit, applaudierten bei guten Spielzügen und jubelten über Tore – unabhängig davon, welche Nation gerade spielte. Die Atmosphäre war international, friedlich und von echter Begeisterung geprägt.
Nicht anders in den Stadien
Der Einlass verlief bemerkenswert schnell und professionell. Von langen Warteschlangen oder chaotischen Kontrollen keine Spur. Hieran könnten sich manche Bundesligavereine durchaus ein Beispiel nehmen. Auch innerhalb der Arenen herrschte eine fröhliche, entspannte und faire Stimmung. Rivalität auf dem Platz, Respekt auf den Rängen. Genau so sollte Fußball aussehen.
Bleiben die Ticketpreise
Ja, Eintrittskarten für eine Weltmeisterschaft kosten Geld. Das überrascht kaum. Gleichzeitig werden für Konzerte großer Künstler oder erfolgreiche Musicals längst 150, 200 oder noch deutlich mehr Euro bezahlt, meist ohne jede öffentliche Empörung. Aus einzelnen Fantasieangeboten im Internet, bei denen Endspieltickets angeblich Millionen kosten sollen, eine allgemeine Preisdebatte zu konstruieren, ist aber schlicht unseriös. Jeder kann irgendeinen Preis ins Netz stellen. Entscheidend ist doch, was tatsächlich bezahlt wird.
Natürlich läuft auch bei dieser Weltmeisterschaft nicht alles perfekt. Darüber muss berichtet werden. Genau das ist Aufgabe des Journalismus.
Aber ebenso gehört es zum Journalismus, Vorurteile zu korrigieren, wenn die Realität sie widerlegt. Genau das ist bislang viel zu selten geschehen.
Wer die ersten Wochen dieser Weltmeisterschaft ausschließlich anhand vieler Vorberichte beurteilt hat, musste zwangsläufig ein völlig falsches Bild bekommen. Nach unseren Eindrücken vor Ort trifft davon erstaunlich wenig zu. Die Stadien sind gut gefüllt, die Organisation funktioniert, die Stimmung ist hervorragend und die Gastgeber präsentieren sich offen und gastfreundlich.
Vielleicht wäre genau das die eigentliche Lehre dieser ersten WM-Halbzeit: Weniger Spekulation. Mehr eigene Recherche. Und vor allem mehr Bereitschaft, die Wirklichkeit anzuerkennen, auch wenn sie nicht zum vorher gezeichneten Narrativ passt.
Weitere Nachrichten gibt es unter www.anzeiger24.de und Deutschland-News
Bericht: LT
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