Teilzeit-Arbeit nur noch mit Erlaubnis? CDU will Recht einschränken
26.01.2026Wirtschaftsflügel entfacht neue Debatte über moderne Arbeitsmodelle
Mit ihrem Vorstoß gegen die sogenannte „Lifestyle-Teilzeit“ entfacht die CDU eine neue Debatte über moderne Arbeitsmodelle und die Zukunft der Arbeitswelt. In einem Antrag, der Ende Februar auf dem Parteitag in Stuttgart eingebracht werden soll, fordern Teile der Uniom nun, das Recht auf weniger freiwilliges Arbeiten abzuschaffen. Es soll künftig nur noch bei „Vorliegen einer besonderen Begründung“ gelten, dazu zählen zum Beispiel Kindererziehung, die Pflege von Angehörigen oder Weiterbildungen. Nicht besonders begründete Teilzeit solle dann noch einvernehmlich mit dem Arbeitgeber vereinbart werden können.
Der CDU-Wirtschaftsflügel will mit dieser Maßnahme den „Fachkräftemangel bekämpfen“ und den „Sozialstaat entlasten“.
„Attacke auf hart arbeitende Menschen, insbesondere auf Frauen“
Der zu erwartende Gegenwind folgte prompt: So äußerte sich beispielsweise Manuela Schwesig (SPD), Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern, im Gespräch mit dem Stern: „Die CDU ist nicht klug beraten, wenn sie ständig verkündet, dass die Menschen in Deutschland nicht genug arbeiten." Zudem betonte sie, man solle stattdessen die Vereinbarkeit von Familie oder Pflege und Beruf verbessern, denn, so Schwesig, dann würden sich mehr Menschen für eine Vollzeitstelle entscheiden.
Ähnliche Töne hörte man auch aus der eigenen Partei. Dennis Radtke, Vorsitzender des CDU-Sozialflügels, wünsche sich ebenfalls, dass mehr Menschen von Teilzeit in Vollzeit wechseln, dies erreiche man jedoch eher über Verbesserung der „Rahmenbedingungen bei Kinderbetreuung und Pflege“.
Auch führende Ökonomen wie Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, sieht diesen Vorstoß kritisch: Den Anspruch auf Teilzeit abzuschaffen sei gegen die Wünsche vieler Deutscher, was die Beschäftigtenzahl „tendenziell eher reduzieren als erhöhen und somit den Fachkräftemangel in Deutschland weiter erhöhen“ würde, teilte er der Rheinischen Post am Sonntag mit.
Deutliche Worte kamen auch von der Vorsitzenden der Linkspartei, Ines Schwerdtner: Sie sprach von „der nächsten Attacke auf hart arbeitende Menschen, besonders auf Frauen“ und erklärte, „das Recht auf Teilzeit als ‚Lifestyle‘ zu diffamieren", sei respektlos gegenüber denjenigen, die Kinder erziehen oder Angehörige pflegen. Außerdem dränge die Union damit insbesondere Frauen aus dem Job und treibe noch mehr Menschen in prekäre Einkommensverhältnisse und Altersarmut.
Wie viele Menschen arbeiten in Teilzeit?
Bundesweit lag die Teilzeitquote laut dem Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung im dritten Quartal 2025 bei 40,1%. In NRW sind es laut statistischen Landesamtes nur knapp über 30%. Jedoch ist dieser Wert in den letzten Jahren immer weiter angestiegen: 2008 betrug er noch ca. 18%. In absoluten Zahlen arbeiten in NRW mittlerweile rund 2,2 Millionen Beschäftigte in Teilzeit, während es 2008 noch 1,1 Millionen waren.
Der Frauenanteil ging in dieser Zeit leicht zurück: Von etwas über 82% auf nun 75%. Allgemein arbeiten Frauen häufiger in Teilzeit als Männer, weil sie hauptsächlich die sogenannte „Care-Arbeit“ übernehmen, also die Betreuung von Kindern oder das Pflegen von Angehörigen.
Die derzeitige Regelung sieht einen gesetzlichen Anspruch auf Teilzeit vor, wenn der Arbeitnehmer mindestens sechs Monate ununterbrochen im Betrieb beschäftigt ist und der Betrieb über mehr als 15 Beschäftigte verfügt. Ginge es nach dem Wirtschaftsflügel der CDU, so werden diese Voraussetzungen bald nicht mehr genügen.
Bericht: FS
Weitere Nachrichten gibt es unter www.anzeiger24.de und Deutschland-News
Du hast einen Tipp, eine Anregung, zu welchem Thema wir einmal recherchieren sollten?
Schreib uns an [email protected]. Deine Zuschrift wird streng vertraulich behandelt!
Ihr wollt uns Eure Meinung sagen? Gerne per Mail an
oder als Kommentar bei Facebook
unter DeinHilden, DeinLangenfeld, DeinMonheim, DeinHaan oder DerLeverkusener.
Euch hat unser Beitrag gefallen? Dann liked und teilt ihn gerne.
