Zu viele Baustellen: Deutsche Bahn reduziert Korridorsanierungen

09.10.2026

Weniger Maßnahmen in den nächsten fünf Jahren, dafür aber „verlässlicher und konzentrierter”

Die heutige Deutsche Bahn AG holt derzeit fleißig diverse Instandsetzungs- und Sanierungsarbeiten auf, die die Vorgänger jahrzehntelang vernachlässigt haben. Doch jetzt soll das Tempo etwas ausgebremst werden: Die geplanten 21 Korridorsanierungen von 2027 bis 2031 werden auf 13 reduziert. So haben es das Bundesministerium für Verkehr (BMV) und die DB InfraGO beschlossen, verkündet die DB AG und begründet die Entscheidung: „Damit sollen die enormen Bauvolumina verlässlicher abgeschlossen werden und sowohl im Zeit- als auch im Kostenrahmen bleiben. Gleichzeitig trägt diese Reduzierung den knappen Verkehrskapazitäten auf dem vollen deutschen Schienennetz und den Ressourcen der Bauindustrie Rechnung. Das weiterentwickelte Konzept sieht darüber hinaus eine realistischere Bau- und Fahrplanung sowie stabilere Umleitungsstrecken vor.”

 

Und das soll nun für folgende Maßnahmen gelten:

2027

  • Lehrte – Berlin (seit 10/26 im Bau)
  • Rosenheim – Salzburg
  • Fulda – Hanau

 

2028

  • Köln – Koblenz
  • München – Rosenheim (1. Etappe)
  • Hagen – Unna – Hamm
  • Lübeck – Hamburg

 

2029

  • Hamburg – Hannover
  • Würzburg – Ansbach – Treuchtlingen
  • Aachen – Köln

 

2030

  • Stendal – Magdeburg
  • Uelzen – Stendal

 

2031

    • Lehrte – Groß Gleidingen
    • München – Rosenheim (2. Etappe)

 

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5-Punkte-Plan: „Stabilere Umleiter, stufenweise Inbetriebnahmen, ETCS-Umstellung”

Die Entscheidung beruht auf einem 5-Punkte-Plan, der nun noch mit den Ländern und der Branche abgestimmt werden soll:


1. Korridorsanierungen priorisieren: „Die Reihung wurde gezielt auf die Vorhaben mit dem größten Nutzen für Qualität, Stabilität und Pünktlichkeit angepasst. Es werden keine Korridorsanierungen gestrichen, sondern nur verschoben. Dabei werden notwendige Ersatzinvestitionen und ggf. sogar Verbesserungen unabhängig von der Verschiebung realisiert. Die Priorisierung der Korridorsanierungen ab dem Jahr 2032 erfolgt im kommenden Jahr.”

2. Netzkapazität sichern und besser steuern: „Die DB InfraGO intensiviert die Vorbereitung von Umleiterstrecken und stimmt den Bauablauf von Korridorsanierungen umfassend mit dem übrigen Baugeschehen im Netz ab. Das heißt zum Beispiel, dass Baustellen verschoben oder in ihren Abläufen angepasst werden, um mehr Kapazität für den Verkehr zu schaffen. Bei der Korridorsanierung Lehrte – Berlin steht so ab Februar ein zweiter Umleitungsweg für den Güterverkehr zur Verfügung.”

3. Digitalisierung: Immerhin soll „grundsätzlich” das digitale System ETCS “vorbereitet und verbaut” werden, heißt es weiter – allerdings erst ab Anfang der 2030er-Jahre.
„In den Jahren vorher bereitet die DB InfraGO grundsätzlich die moderne digitale Zugsteuerung vor, soweit das technisch möglich ist. Das heißt, dass alle erneuerten Stellwerke bereits ETCS-fähig werden, und dass angepasste Signalstandorte und moderne Achszähltechnik verbaut werden”, erklärt die DB AG. “Damit ist die spätere Umrüstung auf ‘ETCS Level 2 ohne Signale’ bestmöglich vorbereitet. Diese kann erfolgen, wenn die Fahrzeugflotten weitgehend umgerüstet sind.”
Bedeutet wohl: bei einigen Strecken wird es zweimal eine Baustelle geben.

4. Drei-Phasen-Modell aus Vor-, Haupt- und Nachlaufphase: „Der Zugverkehr soll künftig schrittweise hochgefahren werden, in der Regel zunächst mit Güterzügen (Belastungsfahrten), Personenzüge folgen etwas später. (...) Ein Inbetriebnahme-Team steuert den Übergang vom Bauprojekt in den Regelbetrieb und sorgt dafür, dass kleinere Mängel, die erst im laufenden Betrieb sichtbar werden, schnell bearbeitet werden. (..) Maßnahmen, die keine größeren betrieblichen Einschränkungen erfordern, werden soweit möglich vor- oder nachgelagert. Damit sollen Risiken während der Hauptsperrung reduziert und zugesagte Termine zuverlässig eingehalten werden. Dies gilt insbesondere für die komplexen Arbeiten an der Leit- und Sicherungstechnik.”

5. Sanierungsversprechen einhalten: Die DB will „einmal bauen, einmal grundlegend modernisieren – und die Strecke anschließend möglichst bis zu zehn Jahre weitgehend frei von größeren baubedingten Einschränkungen halten.”
Ziel sei es, „dass nach einer Korridorsanierung die infrastrukturbedingten Störungen um 80 Prozent zurückgehen – aber nicht sofort, sondern spätestens 100 Tage nach Inbetriebnahme.”


Stellungnahmen

Steffen Bilger, Bundesminister für Verkehr, erklärt dazu: „Die Idee der Korridorsanierungen ist richtig. Aber in der Vergangenheit hat die Umsetzung zu oft nicht die gewünschten Ergebnisse gebracht. Deshalb ziehen wir jetzt die Konsequenzen aus den Erfahrungen und verbessern die Strategie. Künftig müssen Korridorsanierungen spürbar zu mehr Verlässlichkeit und Pünktlichkeit auf der Schiene führen. Dafür konzentrieren wir uns auf weniger Korridore, setzen klarere Vorgaben für die Digitalisierung und verlangen eine bessere Planung der Bauvorhaben sowie der Umleitungsverkehre für den Personen- und Güterverkehr.“

Evelyn Palla, Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bahn, ergänzt: „Ohne die konsequente Bündelung von Baumaßnahmen würde die Sanierung unserer maroden Infrastruktur noch länger dauern. Gleichzeitig haben wir aus den ersten Korridorsanierungen gelernt. Deshalb habe ich im Sommer gemeinsam mit dem Bundesverkehrsministerium eine Überarbeitung des Konzepts angestoßen. Mit dem 5-Punkte-Plan ziehen wir jetzt die notwendigen Konsequenzen: Wir wollen die Sanierungen effizienter umsetzen und vor allem die Belastungen für unsere Kundinnen und Kunden während der Bauarbeiten so gering wie möglich halten. Denn die Sanierung des Netzes ist unverzichtbar – aber entscheidend ist auch, wie wir bauen.“


Quelle: DB AG
bearb: KA
Foto: Archiv anzeiger24.de

 

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