PISA 2025: OECD schlägt Alarm – Lesen und Mathematik stürzen weiter ab

08.09.2026

Deutschlands Schüler erreichen neue Tiefststände – gleichzeitig wächst die Kluft zwischen sozial begünstigten und benachteiligten Jugendlichen

Die neue PISA-Studie stellt den Bildungssystemen weltweit ein ernüchterndes Zeugnis aus. Die Leistungen der 15-Jährigen sind im OECD-Raum insbesondere in Mathematik und Lesekompetenz weiter zurückgegangen. Inzwischen erreicht jeder fünfte Jugendliche in allen drei Kernbereichen – Naturwissenschaften, Mathematik und Lesen – nicht einmal das grundlegende Kompetenzniveau.
Auch Deutschland kann sich diesem Negativtrend nicht entziehen. Im Gegenteil: Die Ergebnisse der PISA-Erhebung 2025 markieren hierzulande in Mathematik, Lesen und Naturwissenschaften die jeweils niedrigsten jemals gemessenen Werte. Damit setzt sich eine Entwicklung fort, die bereits vor der Corona-Pandemie eingesetzt hatte.

 

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760.000 Jugendliche auf dem Prüfstand

Für die PISA-Erhebung 2025 wurden weltweit mehr als 760.000 Schülerinnen und Schüler aus 91 Ländern und Volkswirtschaften getestet. Sie stehen stellvertretend für rund 33 Millionen 15-Jährige. Schwerpunkt der aktuellen Untersuchung waren die Naturwissenschaften. Zusätzlich wurden Mathematik und Lesekompetenz geprüft.
Neu hinzu kam der Bereich „Lernen in der digitalen Welt“. Dabei ging es unter anderem darum, wie Jugendliche digitale Werkzeuge einsetzen, um Probleme zu lösen. Außerdem untersuchte PISA den Umgang der Schülerinnen und Schüler mit künstlicher Intelligenz.
Die Bedeutung der Untersuchung geht weit über Schulnoten hinaus. PISA soll zeigen, wie gut Bildungssysteme junge Menschen auf Ausbildung, Beruf und gesellschaftliche Herausforderungen vorbereiten. Getestet wird deshalb nicht bloß auswendig gelerntes Wissen, sondern die Fähigkeit, Kenntnisse auf konkrete Situationen des Alltags anzuwenden.

 

Mathematik und Lesen besonders unter Druck

Der internationale Trend ist eindeutig. Im OECD-Raum sank der durchschnittliche Mathematikwert zwischen 2015 und 2025 um 22 Punkte – das entspricht laut OECD etwas mehr als einem Schuljahr. Noch stärker fiel der Rückgang beim Lesen aus: Hier verloren die OECD-Länder im selben Zeitraum 28 Punkte, was ungefähr eineinhalb Schuljahren entspricht.

PISA-Studie-2025-Naturwissenschaft

 

Besonders problematisch ist der Einbruch bei der Lesekompetenz. Lesen bildet die Grundlage für nahezu jedes weitere Lernen. Wer Schwierigkeiten hat, einen einfachen Text zu verstehen, Informationen zu bewerten oder zwischen Fakten und Meinungen zu unterscheiden, stößt nicht nur im Deutschunterricht an Grenzen.
Inzwischen gelten im OECD-Raum 20 Prozent der 15-Jährigen in allen drei Bereichen als leistungsschwach. 2022 waren es noch 16 Prozent. Gemeint sind dabei keine komplizierten Aufgaben: Auf der niedrigsten Kompetenzstufe geht es beispielsweise darum, einfache Daten zu interpretieren, einen überschaubaren Text zu verstehen oder den Zusammenhang zwischen Menge und Preis zu erkennen.

 

Naturwissenschaften vergleichsweise stabil

Etwas weniger dramatisch fällt die Entwicklung in den Naturwissenschaften aus. Sie waren 2025 der Schwerpunkt der Untersuchung. Im OECD-Raum waren die durchschnittlichen Leistungen zwischen 2022 und 2025 weitgehend stabil, nachdem es bereits zuvor einen längeren Abwärtstrend gegeben hatte.

Die Unterschiede zwischen den Ländern sind allerdings erheblich. Zu den besonders leistungsstarken Bildungssystemen in allen drei Kernbereichen zählen unter anderem Singapur, Japan, Korea, Estland, Chinesisch-Taipeh sowie das Vereinigte Königreich. Auch mehrere chinesische Provinzen beziehungsweise Städte erreichen Spitzenwerte.
Gleichzeitig zeigt die Studie, dass der Abwärtstrend keineswegs unvermeidlich ist. Einige Länder konnten ihre Leistungen verbessern und zugleich den Anteil der leistungsschwachen Jugendlichen verringern. Die OECD verweist damit auch auf Beispiele, von denen andere Bildungssysteme lernen könnten.

 

Deutschland: Tiefststände in allen drei Bereichen

Für Deutschland fällt die Bilanz besonders auf. Zwar liegen die deutschen Schülerinnen und Schüler in Mathematik, Lesen und Naturwissenschaften jeweils ungefähr auf dem OECD-Durchschnitt. Dennoch sind die langfristigen Entwicklungen alarmierend.
Gegenüber 2022 verschlechterten sich die deutschen Ergebnisse in Mathematik und Lesen, während die Naturwissenschaften ungefähr auf dem vorherigen Niveau blieben. Betrachtet man den längeren Zeitraum, sind die Ergebnisse von 2025 jedoch in allen drei Fächern die schlechtesten, die Deutschland in PISA bislang erzielt hat.
Dabei zeigt sich ein bemerkenswertes Detail: Deutschland hat weiterhin vergleichsweise viele leistungsstarke Schülerinnen und Schüler. Gleichzeitig wächst aber der Anteil der Jugendlichen, die grundlegende Kompetenzen nicht erreichen.
In den Naturwissenschaften erreichen 73 Prozent der Jugendlichen mindestens Kompetenzstufe 2 – knapp unter dem OECD-Schnitt von 74 Prozent. In Mathematik schaffen dies 66 Prozent, im OECD-Schnitt sind es 65 Prozent. Beim Lesen erreichen 68 Prozent das grundlegende Niveau, gegenüber 69 Prozent im OECD-Raum.
Die OECD weist aber auch ausdrücklich darauf hin, dass Deutschland trotz der Rückgänge in allen drei Bereichen ungefähr im OECD-Mittelfeld liegt – das Problem also weniger ein Absturz im internationalen Ranking als der langfristige Verlust an Leistungsniveau und die wachsende soziale Kluft ist.

 

Bildungserfolg hängt stark vom Elternhaus ab

Besonders brisant ist der Blick auf die soziale Herkunft. In Deutschland beträgt der Leistungsunterschied zwischen den sozial privilegiertesten und den sozial benachteiligsten 25 Prozent der Schülerinnen und Schüler in den Naturwissenschaften 125 Punkte. Im OECD-Durchschnitt sind es 85 Punkte.
Damit ist die soziale Herkunft in Deutschland stärker mit den Bildungsergebnissen verbunden als im Durchschnitt der OECD-Länder. Zwischen 2015 und 2025 hat sich diese Kluft zudem vergrößert. Während die Leistungen sozial benachteiligter Jugendlicher zurückgingen, blieben sie bei den begünstigten Jugendlichen weitgehend stabil.
Die OECD kommt deshalb zu einem ernüchternden Befund: Der Rückgang sozialer Unterschiede zwischen 2022 und 2025 im internationalen Durchschnitt bedeutet nicht automatisch mehr Bildungsgerechtigkeit. Vielmehr lag dies teilweise daran, dass die Leistungen privilegierter Schülerinnen und Schüler zurückgingen – nicht daran, dass benachteiligte Jugendliche besser wurden.

 

Digitale Geräte: Hilfe oder Ablenkung?

Eine weitere zentrale Frage der neuen PISA-Studie betrifft die Digitalisierung. Digitale Geräte und KI gehören längst zum Alltag vieler Schülerinnen und Schüler. Doch mehr Technik bedeutet nicht automatisch bessere Bildung.

PISA-Studie-2025-Digital


Die OECD kommt zu einem differenzierten Ergebnis: Eine moderate und gezielte Nutzung digitaler Geräte für Lernzwecke kann mit besseren Leistungen verbunden sein. Eine übermäßige Nutzung und digitale Ablenkung gehen dagegen mit schlechteren Ergebnissen einher. Mehr als ein Viertel der Jugendlichen berichtet, dass Mitschülerinnen und Mitschüler in den meisten oder allen Naturwissenschaftsstunden durch digitale Geräte abgelenkt werden.
Auch in Deutschland ist das Thema präsent. 33 Prozent der Jugendlichen geben an, dass Mitschüler während der meisten oder aller Naturwissenschaftsstunden häufig durch digitale Geräte abgelenkt werden. Zugleich nutzen 50 Prozent der deutschen Schülerinnen und Schüler mindestens einmal pro Woche KI-Chatbots, um beim Lernen zu helfen.
Die Botschaft der OECD lautet deshalb nicht „zurück zu Stift und Papier“. Vielmehr müsse Technologie gezielt eingesetzt werden – und dürfe Aufmerksamkeit, Anstrengung und tatsächliches Verständnis nicht ersetzen.

 

Ein Fünftel erreicht die Grundkompetenzen nicht

Die vielleicht wichtigste Zahl der neuen PISA-Studie steht damit nicht in einer Rangliste. Es ist der Anteil jener Jugendlichen, die grundlegende Fähigkeiten nicht beherrschen.
20 Prozent der 15-Jährigen im OECD-Raum erreichen in Naturwissenschaften, Mathematik und Lesen nicht das notwendige Mindestniveau. Das bedeutet: Jeder fünfte Jugendliche hat Schwierigkeiten mit Kompetenzen, die im Alltag, in der Ausbildung und später im Berufsleben selbstverständlich benötigt werden.

 

Für die OECD ist das ein Warnsignal. Bildungssysteme müssten sich stärker auf grundlegende Kompetenzen konzentrieren, Lehrkräfte unterstützen und gezielt jene Schülerinnen und Schüler sowie Schulen fördern, die besondere Hilfe benötigen.
Die neue PISA-Studie liefert damit keine einfache Rangliste der Sieger und Verlierer. Sie zeigt vielmehr einen langfristigen Trend, der viele Industrieländer betrifft: Die Bildungskrise ist nicht allein eine Folge der Corona-Pandemie. Der Leistungsabfall hatte in vielen Ländern bereits vorher begonnen.

 

Quelle/Grafiken: OECD

 

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