65 Jahre Berliner Mauer: Erinnerung an ein Symbol der deutschen Teilung

13.08.2026

Bundesweiter Gedenktag: Wie ein Bauwerk die Nation und ganz Europa spaltete

Am 13. August 1961 begann in Berlin eines der einschneidendsten Kapitel der deutschen Nachkriegsgeschichte. In der Nacht ließ das SED-Regime die Grenze zwischen Ost- und West-Berlin abriegeln. Bewaffnete Kräfte sperrten Straßen und Übergänge und errichteten zunächst Stacheldrahtbarrieren. In den folgenden Jahren entstand daraus eine immer umfassendere Grenzanlage.

Für die DDR-Führung hatte die Abriegelung ein zentrales Ziel: Die Bürgerinnen und Bürger der DDR sollten daran gehindert werden, das Land in Richtung Westen zu verlassen. Mit dem Mauerbau wurde zugleich die letzte vergleichsweise gefahrlose Fluchtmöglichkeit aus der DDR geschlossen. Die innerdeutsche Grenze war bereits seit 1952 mit Stacheldraht, Sperranlagen und Minen gesichert worden – der Weg über West-Berlin war bis dahin offen geblieben.

Die Berliner Mauer umschloss West-Berlin auf rund 155 Kilometern, durchschnitt die Stadt und trennte Familien, Freunde und Nachbarschaften. Acht Jahre, zwei Monate und 27 Tage bestand die Mauer, bis sie am 9. November 1989 fiel. Sie wurde zum weltweit bekannten Symbol für die deutsche Teilung, die Unterdrückung durch das SED-Regime und ein tödliches Grenzregime.

Mindestens 140 Menschen kamen an der Berliner Mauer oder im unmittelbaren Zusammenhang mit Fluchtversuchen ums Leben. Ihre Schicksale gehören zum Kern der Erinnerung an den 13. August. Der Jahrestag richtet deshalb den Blick nicht allein auf die politische Geschichte der Teilung, sondern vor allem auf die Menschen, deren Lebenswege durch die Mauer zerstört oder unwiderruflich verändert wurden.

 

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„Symbol der Unterdrückung“

Staatsminister für Kultur und Medien Wolfram Weimer erinnert an die Opfer der Teilung. Die Mauer habe Familien getrennt, Lebenswege zerstört und vielen Menschen das Leben gekostet. „65 Jahre nach dem Bau der Berliner Mauer gedenken wir heute der Opfer des SED-Regimes und all derjenigen, die ihren Drang nach Freiheit mit einem hohen Preis bezahlen mussten“, erklärte Weimer.

Anna Kaminsky, Direktorin der Bundesstiftung Aufarbeitung, warnt zugleich vor einer politischen Vereinnahmung des historischen Symbols. Die Berliner Mauer sei „als Symbol für Unterdrückung im weltweiten Gedächtnis verankert“. Vergleiche mit heutigen Grenzanlagen könnten jedoch den entscheidenden historischen Unterschied verdecken: Die Berliner Mauer und die innerdeutsche Grenze dienten dazu, DDR-Bürger am Verlassen ihres eigenen Landes zu hindern.

Kaminsky kritisiert insbesondere die Verwendung des Mauerbegriffs im aktuellen politischen Streit. Die Gleichsetzung der sogenannten „Brandmauer“ mit der Berliner Mauer oder Forderungen nach einer „neuen Mauer“ werde der Geschichte nicht gerecht. Die Berliner Mauer sei Teil eines tödlichen Grenzregimes gewesen. Wer sie zur politischen Selbstinszenierung oder zur Abwertung Ostdeutscher benutze, verharmlose das begangene Unrecht und vertiefe die Spaltung zwischen Ost und West.

Wie persönlich die Ereignisse des 13. August 1961 für die Betroffenen waren, zeigt die Zeitzeugin Elke Rosin. In der neuen Augmented-Reality-App „OstWest Zeitzeugen – Mauerjahre in AR“ erinnert sie sich an die Nacht der Grenzschließung und an die Entscheidung ihrer Familie, in den Westen zu fliehen: „Als die Grenze am 13. August geschlossen wurde, haben wir gemerkt, dass das jetzt für immer geschlossen bleiben würde.“

 

Programm zum Gedenken in Berlin

Zum 65. Jahrestag erinnern Bund und Land Berlin gemeinsam an die Opfer und die Geschichte der deutschen Teilung. Im Mittelpunkt steht die Eröffnung eines temporären Erinnerungsortes am Brandenburger Tor, gestaltet von der Stiftung Berliner Mauer und der Kulturprojekte Berlin GmbH. Bei der zentralen Gedenkveranstaltung der Stiftung kommen Vertreterinnen und Vertreter von Bund und Land sowie Zeitzeuginnen und Zeitzeugen zusammen.

 

Vom 13. bis 16. August 2026 gibt es darüber hinaus ein umfangreiches Jubiläumsprogramm an verschiedenen Orten Berlins.

Auf der Westseite des Brandenburger Tors ist die Open-Air-Ausstellung „Mauerblicke. Berlin 1961–1990“ zu sehen. Historische Fotografien, Texte und interaktive Elemente vermitteln unterschiedliche Erfahrungen aus Ost- und West-Berlin. Eine rund 30 Meter lange und fast drei Meter hohe Installation des Künstlers Hubertus Hamm macht zudem die einstige Dimension der Grenzanlagen im Stadtraum sichtbar.

Auch die ehemaligen Grenz- und sogenannten Geisterbahnhöfe rücken in den Mittelpunkt. Zahlreiche U- und S-Bahn-Stationen waren nach dem Mauerbau abgeriegelt oder streng bewacht worden. Unter anderem an den S-Bahnhöfen Friedrichstraße und Nordbahnhof informieren neue Ausstellungstafeln über diese Orte der Teilung.

Ergänzt wird das Programm durch Gedenkveranstaltungen, Sonderausstellungen, Führungen und Workshops in zahlreichen Berliner Einrichtungen und Erinnerungsorten.

Eine Übersicht mit weiteren Gedenkveranstaltungen zum Mauerbau gibt es hier

 

Für junge Menschen: WDR und MDR starten Augmented Reality-App „OstWest Zeitzeugen“ 

Einen besonderen Schwerpunkt bildet die Erinnerung für junge Menschen. Mit der Augmented-Reality-App „OstWest Zeitzeugen – Mauerjahre in AR“ machen WDR und MDR die Geschichte der deutschen Teilung für Schülerinnen und Schüler erlebbar. Zeitzeuginnen und Zeitzeugen erscheinen virtuell im Klassenraum oder zu Hause und erzählen ihre persönlichen Erfahrungen. Fotos, Texte, Audios und weitere multimediale Elemente ergänzen die Berichte.

Die am 11. August gestartete App setzt dabei auf Dialog: Jugendliche können eigene Fragen an die Zeitzeugin Elke Rosin sowie die Zeitzeugen Jörg und Uwe stellen. So soll 65 Jahre nach dem Mauerbau ein Austausch zwischen den Generationen entstehen – und die Erinnerung an die deutsche Teilung auch für diejenigen lebendig bleiben, die sie selbst nicht mehr erlebt haben.

 

Quelle: Kulturstaatsminister / WDR/MDR / Bundesstiftung Aufarbeitung

Archivfoto: anzeiger24.de

 

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