Bahnsanierung ohne monatelange Sperrung? VCD macht Vorschläge

05.09.2026

Vier Wochen reichen, laut Verkehrsclub: Arbeiten besser bündeln

Das Netz der Deutschen Bahn ist eine gefühlt nie enden wollende Dauerbaustelle. Derzeit holt die DB InfraGO alles nach, was jahrzehntelang im Schlafwagen vor sich hinschlummerte. Das ist einerseits erfreulich, bedeutet aber andererseits: Bei vielen Maßnahmen werden lange Streckenabschnitte monatelang gesperrt. Fahrgäste werden im Schienenersatzverkehr durch die Gegend gegondelt. Das aber muss nicht sein – meint zumindest der ökologische Verkehrsclub VCD und präsentiert ein Konzept, mit dem die Sperrzeiten deutlich verkürzt werden könnten.

„Vollsperrungen dürfen nur das letzte Mittel sein und nicht länger als vier Wochen dauern. Mehr ist den Fahrgästen nicht zuzumuten“, sagt der Bundesvorsitzende Matthias Kurzeck:

Der VCD schlägt deshalb eine gebündelte Sanierung bei weitgehend nur eingleisigen Sperrungen vor. Matthias Kurzeck erläutert: „Nur bestimmte Arbeiten erfordern eine Vollsperrung für begrenzte Zeit. Diese lassen sich am Anfang und am Ende der Sanierung bündeln. Dann reicht es, die Strecke zweimal für maximal vier Wochen zu sperren."
Schier endlose Sperrzeiten wie bei der Sanierung Berlin – Hamburg oder aktuell zwischen Düsseldorf – Leverkusen – Köln seien überflüssig.

Für die Zeit dazwischen müssten stellenweise Provisorien gebaut werden, was den Planungsaufwand leicht erhöhe. Dennoch müsse die Gesamtsanierung so kaum länger dauern als bei durchgehenden Vollsperrungen. Kurzeck: „Einen gewissen Mehraufwand müssen Fahrgäste und Güterverkehr dem Bund als Geldgeber wert sein."

 

Das komplette Positionspapier gibt es hier zum nachlesen

 

Erste Erfahrungen gäbe es bereits, so der VCD: Beim Streckenausbau Hamburg – Hannover war die Hälfte der Strecke nur die halbe Zeit über voll gesperrt. In der übrigen Zeit musste der Schienenersatzverkehr statt 100 Kilometern nur 55 Kilometer überbrücken. Für die Fahrgäste bedeutete das kürzere Reisezeiten und weniger Unannehmlichkeiten.
„Für die Neuaufstellung der Korridorsanierungen müssen die notwendigen Sperrungen sorgfältig geplant und die Sperrzeiten auf ein Mindestmaß beschränkt werden", fordert Kurzeck. „Das reduziert die Folgen für Fahrgäste und Güterverkehr und verhindert, dass Kundinnen und Kunden dauerhaft von der Bahn aufs Auto umsteigen.“


Der VCD fordert nun von der Politik, eine entsprechende Gesetzesänderung auf den Weg zu bringen, um die Vorgabe der langen Vollsperrungen bei der Korridorsanierung aus dem Bundesschienenwege-Ausbaugesetz zu streichen. Bis dahin sollten Abweichungen von der gesetzlichen Vorgabe immer genehmigt werden – was das Gesetz bereits jetzt zulässt.

 

Quelle: VCD
bearb: KA
Archivfoto: anzeiger24.de