Stromausfall und Kälte-Schock in Berlin – Und wie gut sind wir vorbereitet?
08.01.2026Sabotage, Angst, Notfallvorsorge: Was die Menschen in Monheim und im Kreis Mettmann aus dem Blackout-Desaster lernen können
Was in Berlin passiert ist, kann auch bundesweit andere Städte treffen: Die Stadtteile Nikolassee, Zehlendorf, Wannsee und Lichterfelde wurden durch einen Sabotageakt am 3. Januar 2026 von der Stromversorgung abgeschnitten. 45.000 Haushalte und 2.200 Gewerbekunden blieben mehrere Tage lang dunkel und konnten nicht beheizt werden. Eine als linksradikal geltende „Vulkangruppe“ soll für den Brandanschlag auf eine Kabelbrücke verantwortlich sein, die Bundesanwaltschaft ermittelt noch.
Doch nicht nur "kriminelle Energie" kann die Ursache für eine Störung sein: Am Montag, 5. Januar 2026, fiel auf der Breidenhofer Straße in Haan plötzlich der Strom aus. Innerhalb von ca. 40 Minuten aber wurde das Problem behoben. Am Mittwoch, 7. Januar 2026, hat ein Stromausfall für rund drei Stunden die Wuppertaler Schwebebahn in Oberbarmen lahmgelegt.
Wie auch immer: Vielen Menschen sind verunsichert und wollen wissen, wie sie in einem solchen Fall reagieren sollen, bzw. wie gut ihre Versorger auf einen solchen Fall vorbereitet sind.
Notfall-Meldestellen und Krisenstab im Kreis Mettmann
Der Kreis Mettmann hat eine Seite mit „Informationen zur Vorsorge“ eingerichtet. Diese empfiehlt u.a.: Falls es einen derartigen Notfall geben sollte, müsse sich die Bevölkerung am besten bereits jetzt vorbereiten, etwa durch ausreichend Lebensmittel-Vorräte, eine gut bestückte Hausapotheke, Bargeld, Kerzen und Taschenlampen, ein batteriebetriebenes Radio, warme Kleidung, geladene Akkus etc.
Währenddessen werden die Verwaltung im Ernstfall einen Krisenstab und die Feuerwehr einen operativ-taktischen Stab unter Gesamtleitung der Landrätin und mit Unterstützung von Fachberatern einrichten, erklärt Mirko Braunheim, Leiter der Stabsstelle Bevölkerungsschutz des Kreises Mettmann, auf Nachfrage: „Dort wird die jeweilige Lage permanent neu bewertet, und es werden die notwendigen Maßnahmen umgesetzt." Es gäbe auch bereits vorbereitete Versorgungs- und Betreuungskonzepte, etwa zur Sicherstellung der Arbeitsfähigkeit der Gefahrenabwehrbehörden, Kommunikation, Treibstoffversorgung etc.“
Darüber hinaus werden Einheiten des Katastrophenschutzes und die Hilfsorganisationen ASB, DRK, JUH und MHD für Betreuung und Versorgung zur Verfügung stehen. „Auch das Technische Hilfswerk und die Bundeswehr können – zunächst über Fachberater, aufgrund von Amtshilfeersuchen aber auch mit Einheiten – eingebunden werden“, erläutert Braunheim.
Außerdem gibt es ein Verzeichnis mit Notfall-Meldestellen in den einzelnen Kreisstädten. "Wir legen allen Bürgerinnen und Bürgern nahe, sich diese Liste auszudrucken, um im Fall der Fälle auch alle Informationen zur Hand zu haben und nicht auf PC, WLAN oder das Mobilfunknetz angewiesen zu sein", ergänzt die Pressestelle des Kreises.
Allerdings sind dies keine Stationen zur Unterbringung oder zur Notversorgung mit Essen, Strom oder Warmwasser, betont Braunheim: "Hier lassen sich Notrufe absetzen und weitergeben – als Ersatz für 112/110, falls wegen eines Stromausfalls das Telefon- und/oder Mobilfunknetz gestört ist. Außerdem erhalten Bürgerinnen und Bürger dort aktuelle amtliche Informationen über die Gesamtlage.“
Für wirklich benötigte Unterbringungen könne der Kreis Mettmann Liegenschaften ertüchtigen, ggf. auch außerhalb des Kreisgebiets: „Im Krisenfall kommunizieren wir die Adressen auf allen verfügbaren Kanälen, sobald die Anlaufpunkte eingerichtet sind", so Braunheim. Auch diese Adressen werden bei den Notfallmeldestellen hinterlegt.
Wie schützen Westnetz und MEGA die Netze?
Es bleibt die allumfassende Frage: Kann so etwas wie in Berlin auch im Kreis Mettmann passieren?
Wir fragen bei der Westnetz GmbH nach, die für die Stromversorgung zuständig ist, sowie bei den Hildener Stadtwerken, die im Krisenfall ebenfalls vor Ort aktiv wird.
Grundsätzlich seien die Stromversorgung und der sichere Betrieb der Stromnetze „auf einem sehr hohen Niveau“, erklärt das Unternehmen Westnetz. „Sollte es punktuell zu einem Ausfall des Stromnetzes kommen, haben wir Notfallpläne, um die Versorgung schnellstmöglich wiederherzustellen.“
Das seien zum Beispiel Netzwiederaufbaupläne, die mit den Übertragungsnetzbetreibern abgestimmt werden. Diverse Szenarien seien auch schon geübt worden: „Wir beobachten die Sicherheitslage genau und nehmen Entwicklungen zum Anlass, unsere Aktivitäten bei Bedarf anzupassen. Dabei arbeiten wir Hand in Hand mit staatlichen Stellen, um präventive Schutzmaßnahmen bestmöglich zu ergreifen und in hohem Maße abgestimmt zu agieren.“
Auch die Monheimer Elektrizitäts- und Gasversorgung GmbH (MEGA) sei „auf praktisch alle denkbaren Szenarien vorbereitet“, erklärt uns die Stadt Monheim auf Nachfrage: „Sie sorgt für die bauliche Sicherung empfindlicher Gebäude und Anlagen vor Unbefugten. Zutrittskontrollen, Überwachungstechnik und regelmäßige Anlagenkontrollen schützen die Infrastruktur der MEGA vor Vandalismus und Sabotage.“ Es bestehe daher „kein Anlass zur Sorge“.
Außerdem könne ein Krisenplan für die heimische Feuerwehr, das Ordnungsamt und die MEGA aktiviert werden: „Dinge wie die Vorhaltung von Notstromaggregaten mit erheblichen Kapazitäten, die Sicherstellung einer netzunabhängigen Kommunikation und viele weitere Maßnahmen sind lokal in Monheim am Rhein gewährleistet – und das zu jeder Tages- und Nachtzeit.“
Aber muss man auch in Monheim mit einem mehrtägigen Stillstand wie in Berlin rechnen? „Das hängt komplett von der Größe des Schadensereignisses ab“, erläutert die Stadt Monheim. „Im Leitungsnetz der MEGA bestehen durch mehrfach gespeiste Netzabschnitte zahlreiche Redundanzen, automatische Umschaltmöglichkeiten und alternative Leitungswege, sodass die Versorgung bei lokalen Störungen meist sogar aufrechterhalten oder sehr rasch wiederhergestellt werden kann.“
Das Berliner Netz sei außerdem „komplexer als das Monheimer Netz“, heißt es weiter. „Es hängen einfach mehr Menschen im System und an einzelnen Versorgungssträngen.“
Und auch das dürfte klar sein: „Wie überall gibt es gegen extreme kriminelle Energie keinen hundertprozentigen Schutz“, erklärt die Westnetz GmbH.
Die Stadt Monheim ergänzt: „Der beste Schutz für Leitungen ist immer dann gegeben, wenn Versorgungskabel, so wie das auch in Monheim am Rhein zu großen Teilen der Fall ist, in der Erde liegen – es macht Schäden allerdings auch schwerer lokalisierbar. Eine öffentliche Anleitung, wo es potenzielle Angriffsstellen gibt, werden wir aus verständlichen Gründen nicht liefern.“
Bericht: KA
Foto/Montage: anzeiger24.de
Weitere Nachrichten aus Monheim gibt es unter www.anzeiger24.de/monheim/news/
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