Spektakulärer Gefängnisausbruch in Duisburg: Wo ist der Häftling?
01.09.202635-Jähriger entkommt aus der JVA Duisburg-Hamborn – Was sagt der zuständige Landesminister dazu?
Ein spektakulärer Gefängnisausbruch beschäftigt Polizei und Justiz in Nordrhein-Westfalen: In der Nacht zu Sonntag, 30. August 2026, ist gegen 3 Uhr ein 35 Jahre alter Untersuchungsgefangener aus der Justizvollzugsanstalt Duisburg-Hamborn entkommen. Von dem Mann fehlt weiterhin jede Spur. Nach ihm wird intensiv gefahndet.
Der Gefangene mit serbischer Nationalität saß seit dem 10. Februar 2026 in Untersuchungshaft. Gegen ihn besteht der Verdacht, zuvor einen Wohnungseinbruchsdiebstahl begangen zu haben. Nun ist er selbst auf der Flucht.
Woher stammt das Werkzeug?
Wie der Ausbruch genau ablief und auf welchem Weg der Mann die JVA verlassen konnte, ist Gegenstand der laufenden Ermittlungen. Fest stehe nach Angaben von NRW-Justizminister Benjamin Limbach (Portraitfoto oben), dass die Ermittler inzwischen ein Versteck in der Anstalt gefunden haben, in dem offenbar Werkzeug deponiert worden war. Das Werkzeug selbst sei allerdings offenbar mitgenommen worden und bislang nicht gefunden worden, erklärte Limbach in der Aktuellen Stunde (WDR) am Montagabend.
Welche Art von Werkzeug der Häftling genau benutzt hat und wie es in die Justizvollzugsanstalt gelangte, sei noch unklar. Limbach verwies darauf, dass die JVA Duisburg-Hamborn mitten in der Stadt liegt und baulich anders gestaltet ist als viele andere Gefängnisse. Sie verfüge beispielsweise nicht über eine klassische Außenmauer wie manche Anlagen am Stadtrand.
Damit stellt sich eine zentrale Frage: Wie konnte das für den Ausbruch benötigte Sägematerial überhaupt in die Anstalt gelangen? Auch dieser Frage gehen die Ermittler nach, so der Grüne Minister. Einen konkreten Hinweis darauf, dass etwa eine Drohne das Material an ein Fenster geliefert haben könnte, gebe es nach den bisherigen Erkenntnissen nicht.
Minister: Keine Hinweise auf Beteiligung von Bediensteten
Besonders brisant ist die Frage, ob der Gefangene bei seiner Flucht Unterstützung von außen, bzw. von einem Bediensteten der Haftanstalt bekommen haben könnte. Einen solchen Verdacht schließt Limbach nach aktuellem Ermittlungsstand nicht aus, aber: „Nach unserer derzeitigen Berichtslage habe ich noch keinen Hinweis darauf, dass Bedienstete beteiligt waren. Aber natürlich werden wir konsequent aufklären und jede Möglichkeit untersuchen, wie der Gefangene an solches Material gekommen ist“, sagte der Justizminister gegenüber dem WDR. Gleichzeitig machte er deutlich, dass diese Möglichkeit im Rahmen der Ermittlungen konsequent geprüft werde.
Denn der Ausbruch kommt zu einer Zeit, in der der Justizvollzug in Nordrhein-Westfalen immer wieder mit Vorwürfen konfrontiert wird, Bedienstete könnten Gefangenen gegen Geld unerlaubt Handys, Drogen oder andere Vorteile verschaffen.
Limbach betonte jedoch, dass die große Mehrheit der Justizvollzugsbediensteten rechtstreu arbeite und sich mit großem Einsatz für die Sicherheit in den Gefängnissen und damit auch für die Gesellschaft einsetze. Verdachtsfälle müssten dennoch konsequent untersucht werden.
„Der erste Ausbruch seit fünf Jahren“
Wie außergewöhnlich der Fall ist, machte Limbach ebenfalls deutlich. Nach seinen Angaben handelt es sich um den ersten Ausbruch aus dem geschlossenen Strafvollzug in Nordrhein-Westfalen seit fünf Jahren. Eine so lange Phase ohne einen solchen Ausbruch habe es in den vergangenen 40 Jahren nicht gegeben. „Jeder Ausbruch ist ärgerlich, dieser ist besonders ärgerlich“, so der Minister in der Aktuellen Stunde.
Für die Flucht sei eine erhebliche kriminelle Energie sowie besondere Kraft und Geschicklichkeit erforderlich gewesen. Nun gehe es darum, den Ablauf lückenlos aufzuklären und Konsequenzen zu ziehen, damit sich ein solcher Vorfall möglichst nicht wiederholt.
Polizei fahndet nach dem Flüchtigen
Für die Menschen in Duisburg bleibt zunächst vor allem eine Frage offen: Wo hält sich der 35-Jährige auf – und wie konnte ihm die Flucht gelingen?
Die Polizei bittet die Bevölkerung um Mithilfe. Der Gesuchte ist etwa 1,75 Meter groß, wiegt rund 75 Kilogramm und hat eine schlanke Statur sowie eine hohe Stirn. Auffällig ist eine Tätowierung am rechten Oberarm, die den Kopf einer Frau zeigt. Zum Zeitpunkt seiner Flucht hatte der Mann kurze braune Haare.
Fahndungsfotos wurden auf den Internetseiten der Polizei NRW veröffentlicht.
Die Polizei warnt davor, den Flüchtigen selbst anzusprechen. Hinweise zum Aufenthaltsort sollten unmittelbar an die Polizei weitergegeben werden.
Quelle: Polizei Duisburg / WDR Newsroom
bearb: KA
Fotos: Archiv anzeiger24.de / Justiz NRW
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