Ex-Bürgermeister Zimmermann sitzt wieder im Rat

06.10.2026

Ein „abgekartetes Spiel“? In den sozialen Medien weckt die Rückkehr Misstrauen

Daniel Zimmermann ist zurück im Monheimer Stadtrat. Am vergangenen Mittwoch, 30. September, wurde der ehemalige Bürgermeister von seiner Amtsnachfolgerin Sonja Wienecke als Ratsmitglied verpflichtet. Damit sitzt der Mann, der Monheim von 2009 bis 2025 führte, künftig auf der Oppositionsbank. Seine Rückkehr fällt in eine Zeit, in der über die finanziellen Folgen seiner Amtszeit heftig gestritten wird.

Warum Zimmermann zunächst nicht im Rat saß

Dass Zimmermann bei der Kommunalwahl 2025 zunächst kein Ratsmandat erhielt, lag an der Sitzverteilung: PETO kam auf 36,59 Prozent und 17 Sitze. Sämtliche Mandate wurden durch Kandidaten besetzt, die ihren Wahlbezirk direkt gewonnen hatten. Für einen zusätzlichen Einzug über die Reserveliste blieb damit kein Platz. Zimmermann kam deshalb nicht zum Zuge.

Bei den möglichen Nachrückern stand er allerdings an erster Stelle. Sobald ein PETO-Ratsmitglied ausschied, konnte der frühere Bürgermeister dessen Platz übernehmen. Für Kritiker dürfte seine Rückkehr deshalb weniger überraschend sein, als es der Begriff „Comeback“ nahelegt.

Rücktritt ermöglicht die Rückkehr

Den Weg frei machte Marius Matika-Volgmann, der sein Ratsmandat niederlegte. Nach Angaben von PETO will der Steuerfachangestellte einen eigenen Betrieb übernehmen und sich auf seine berufliche Selbstständigkeit konzentrieren. Zimmermann wiederum erklärt, er habe ursprünglich kein Ratsmandat annehmen wollen. Die beiden Fraktionsvorsitzenden Lucas Risse und Stefanie Böckmann hätten ihn aber ausdrücklich um Mitarbeit gebeten.

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Die Abfolge bietet Anlass für politische Spekulationen: Ein Mandat wird frei, der langjährige Bürgermeister rückt nach, und PETO erhält seinen erfahrensten Kopf zurück am Ratstisch. Daraus allein lässt sich jedoch kein „abgekartetes Spiel“ ableiten. Für eine gezielt verabredete Mandatsübergabe, so wie sie in einigen social Media Kommentaren vermutet wird, liegen jedenfalls bislang keine belastbaren Belege vor.

Was hat Zimmermann jetzt vor?

Mit seiner Rückkehr dürfte die Opposition an Gewicht gewinnen. Das liegt weniger an seiner einzelnen Stimme – PETO erhält durch den Wechsel keinen zusätzlichen Sitz – als an seiner Erfahrung, seiner Bekanntheit und seinem Wissen über die Verwaltung. Ob er die Debatten stärker prägen wird als die jetzige Fraktionsspitze, wird sich zeigen. Die Voraussetzungen dafür bringt er mit.

Als früherer Verwaltungschef kennt Zimmermann Abläufe, Projektgeschichten und Zusammenhänge aus erster Hand. Er dürfte vielfach wissen, welche Unterlagen für eine Diskussion entscheidend sind und wo sich frühere Beschlüsse und Einschätzungen nachvollziehen lassen. Dieses Wissen kann Nachfragen präziser und Auseinandersetzungen für die neue Mehrheit anspruchsvoller machen.

Zudem verfügt er als Ratsmitglied über gesetzliche Auskunftsrechte und unter bestimmten Voraussetzungen über ein Recht auf Akteneinsicht. Das sind dieselben Rechte, die auch anderen Ratsmitgliedern zustehen. In Verbindung mit seinen Verwaltungskenntnissen können sie jedoch ein wirksames Instrument seiner Oppositionsarbeit werden.

Die eigene Bilanz steht mit zur Debatte

Politisch brisant ist, dass Zimmermann nun eine Stadtpolitik kontrolliert, die zugleich die Folgen seiner eigenen Entscheidungen bewältigen muss. Monheims Haushaltssperre bleibt bestehen. Für 2026 erwartet die Kämmerei inzwischen ein Defizit von rund 121,1 Millionen Euro. Ein wesentlicher Grund sind geringer als geplant ausfallende Gewerbesteuereinnahmen.

Auch einzelne Großprojekte werfen Fragen auf. Bei der Mack-Pyramide informierte die Verwaltung über zusätzlichen Sanierungsbedarf und eine bislang nicht im Kostenrahmen berücksichtigte Technikzentrale. Darüber hatten wir berichtet. Für diese werden weitere Kosten im mittleren siebenstelligen Bereich erwartet. Und ein belastbares Betreiber- und Nutzungskonzept muss erst noch erarbeitet werden.

Zimmermann bewertet die Entwicklung anders: Nach seiner Darstellung gefährdet die neue Mehrheit frühere Erfolge. Seine Rückkehr lässt deshalb erwarten, dass er nicht nur aktuelle Entscheidungen hinterfragen, sondern auch seine eigene politische Bilanz verteidigen wird.

Insiderwissen bedeutet auch Verantwortung

Besonders sensibel ist dabei seine Mitarbeit im Rechnungsprüfungsausschuss. Dort kann die Kontrolle Vorgänge betreffen, die unter seiner Leitung entstanden sind. Allerdings gelten Befangenheitsregeln: Wenn die gesetzlichen Ausschließungsgründe vorliegen, darf er an Beratung und Entscheidung nicht mitwirken. Sein Mandat eröffnet ihm somit keine uneingeschränkte Kontrolle über die Aufarbeitung seiner eigenen Amtszeit.

Zimmermanns Insiderwissen kann zur Aufklärung beitragen. Es kann aber auch die politischen Konflikte verschärfen, wenn jede Kritik an früheren Entscheidungen zum Anlass für den nächsten Schlagabtausch wird.

Für Monheim wird deshalb entscheidend sein, wofür Zimmermann seine Erfahrung einsetzt: um Kosten, Verantwortlichkeiten und Fehlentwicklungen nachvollziehbar zu erklären oder vor allem, um die Deutung seiner Amtszeit zu verteidigen. Wer die damaligen Entscheidungen besonders gut kennt, kann heute besonders viel zur Aufklärung beitragen. An diesem Anspruch wird sich auch der zurückgekehrte Ex-Bürgermeister messen lassen müssen.



Quelle: Stadt Monheim
Bericht: LT

Fotos/Video: anzeiger24.de/

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