Wird Qualmen zum Luxus? Rauchen soll deutlich teurer werden
14.07.2026Regierung will an der Steuerschraube drehen: Fast 12 Euro für eine Schachtel?
Der vermeintlich genüssliche Zug am Glimmstengel könnte in Deutschland in den kommenden Jahren deutlich teurer werden. Nach Medienberichten plant die Bundesregierung, die Tabaksteuer stärker anzuheben als bislang vorgesehen. Ziel ist es nach Angaben aus der Koalition, das Rauch-Verhalten weiter einzudämmen, die Gesundheitskosten zu senken und zugleich zusätzliche Milliarden für den Bundeshaushalt einzunehmen. Während die SPD das Vorhaben als wichtigen Beitrag zur Gesundheitsprävention verteidigt, spricht die Tabakbranche von einem beispiellosen Steuerexzess.
Zigarettenpackung könnte bis 2030 fast 12 Euro kosten
Wie das RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) unter Berufung auf eine Formulierungshilfe des Bundesfinanzministeriums berichtet, soll der Preis für eine Schachtel mit 20 Zigaretten bis zum Jahr 2030 schrittweise auf knapp zwölf Euro steigen. Das wären rund 40 Cent mehr pro Packung als nach den bisherigen Planungen.
Auch die Deutsche Presse-Agentur (dpa) berichtete unter Berufung auf Koalitionskreise über die vorgesehenen höheren Steuersätze.
Von den Änderungen betroffen wären nicht nur klassische Zigaretten. Auch Feinschnitt zum Selbstdrehen, Pfeifentabak, Zigarren und Zigarillos sollen jährlich stärker besteuert werden. Gleiches gilt für Ersatzprodukte wie Liquids für E-Zigaretten, deren Steueranteil nach den Plänen jährlich um einen Cent je Milliliter steigen soll.
Nach Angaben aus Regierungskreisen verfolgt die Koalition dabei mehrere Ziele. Zum einen soll die Maßnahme helfen, Haushaltslücken zu schließen. Zum anderen soll sie den Tabakkonsum reduzieren und damit die öffentliche Gesundheit fördern. Nach Schätzungen des Bundes würden die Mehreinnahmen aus der Tabaksteuer von rund 756 Millionen Euro im Jahr 2027 auf etwa 3,6 Milliarden Euro im Jahr 2030 anwachsen.
SPD: Gesundheitsvorsorge und Entlastung der Krankenkassen
Die SPD-Bundestagsfraktion verteidigt die geplante Steuererhöhung ausdrücklich. Aus ihrer Sicht soll die Tabaksteuer nicht nur Lenkungswirkung entfalten und den Konsum senken, sondern auch die finanziellen Folgen des Rauchens für die Solidargemeinschaft begrenzen.
Der gesundheitspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Christos Pantazis, verweist darauf, dass Rauchen jährlich direkte Kosten von nahezu 30 Milliarden Euro im deutschen Gesundheitswesen verursache. Eine deutlich höhere Tabaksteuer könne nach internationalen Erfahrungen dazu beitragen, Raucher zum Aufhören zu bewegen und insbesondere Jugendliche besser vor dem Einstieg in den Tabakkonsum zu schützen.
Nach Auffassung der SPD leistet die Steuererhöhung damit einen doppelten Beitrag: Einerseits sollen tabakbedingte Erkrankungen und deren Folgekosten reduziert werden. Andererseits würden zusätzliche Einnahmen entstehen, die unter anderem zur Stabilisierung der gesetzlichen Krankenversicherung beitragen könnten. Höhere Zusatzbeiträge für Versicherte ließen sich dadurch möglicherweise vermeiden.
Auch die finanzpolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion, Frauke Heiligenstadt, bezeichnet die geplante Erhöhung trotz ihrer Unbeliebtheit als gesundheitspolitisch und finanzpolitisch notwendig. Zugleich räumt sie ein, dass steigende Tabakpreise den Schwarzmarkt stärken könnten. Deshalb sei die schrittweise Umsetzung bis 2030 sinnvoll. Parallel müsse der Kampf gegen Steuerbetrug und illegalen Handel konsequent verstärkt werden.
Tabakwirtschaft warnt vor Schwarzmarkt und höheren Belastungen
Deutliche Kritik kommt dagegen vom Bundesverband der Tabakwirtschaft und neuartiger Erzeugnisse (BVTE).
Sollten sich die Medienberichte bestätigen, handele es sich um den "größten Tabaksteuerexzess in der Geschichte der Bundesrepublik", erklärte BVTE-Hauptgeschäftsführer Jan Mücke. Die Bundesregierung verabschiede sich damit von einer vernünftigen Finanzpolitik.
Nach Ansicht des Verbandes würden die geplanten Steuererhöhungen Verbraucher zusätzlich belasten, ohne die erhofften Mehreinnahmen dauerhaft zu sichern. Stattdessen drohten ein wachsender Schwarzmarkt, mehr Schmuggel sowie verstärkte grenzüberschreitende Einkäufe in Ländern mit niedrigeren Tabakpreisen.
Der BVTE bezweifelt zudem die Kalkulation der erwarteten Steuereinnahmen. Bereits frühere Steuererhöhungen hätten gezeigt, dass steigende Tabaksteuern nicht automatisch zu höheren Staatseinnahmen führten, da ein Teil des Konsums in den illegalen Markt abwandere.
Kritisch sieht der Verband außerdem, dass Verbrauchsteuern zunehmend zur Finanzierung allgemeiner Haushaltsausgaben eingesetzt würden. Haushaltsdefizite durch immer höhere Tabaksteuern auszugleichen, sei keine nachhaltige Finanzpolitik. Der BVTE fordert die Bundesregierung deshalb auf, ihre Pläne transparent offenzulegen und die Auswirkungen auf Verbraucher, den legalen Handel sowie den illegalen Markt nachvollziehbar darzustellen.
Gesundheitsschutz gegen finanzielle Belastung
Die geplante Tabaksteuererhöhung zeigt den grundsätzlichen Konflikt der Debatte: Während die Bundesregierung und insbesondere die SPD auf gesundheitspolitische Lenkungswirkungen, sinkende Folgekosten und zusätzliche Einnahmen setzen, warnt die Tabakwirtschaft vor steigenden Preisen, einer Verlagerung in den Schwarzmarkt und einer stärkeren Belastung der Verbraucher. Ob die höheren Steuersätze tatsächlich wie geplant umgesetzt werden, dürfte sich im weiteren parlamentarischen Verfahren entscheiden.
Quelle: tagesschau / SPD-Bundestagsfraktion / BVTE
bearb: KA
Foto: Archiv anzeiger24.de
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