„Verkaufsoffene Sonntage sind Symbolpolitik statt Stadtentwicklung“

15.10.2026

 

Leserbrief von Bernhard Marewski zu den beschlossenen verkaufsoffenen Sonntagen 2027 in Leverkusen:

 

„Verkaufsoffene Sonntage sind Symbolpolitik statt Stadtentwicklung“

"Der Rat der Stadt Leverkusen hat die „Verkaufsoffenen Sonntage“ für das Jahr 2027 mehrheitlich beschlossen. Damit wird erneut suggeriert, die Probleme des stationären Einzelhandels ließen sich durch zusätzliche Öffnungstage lösen. Das ist eine bequeme, vielleicht öffentlichkeitswirksame, aber letztlich wenig wirksame Antwort auf eine wesentlich tiefere Herausforderung.

 

Verkaufsoffene Sonntage sind kein Stadtentwicklungskonzept. Sie ändern nichts an den strukturellen Problemen des Einzelhandels, nichts am zunehmenden Online-Handel, nichts an Leerständen und nichts an den Defiziten der Aufenthaltsqualität in unseren Zentren. Sie erzeugen allenfalls kurzfristige Aufmerksamkeit, ersetzen aber keine langfristige Strategie.

 

 

Wer die Zukunft von Wiesdorf, Opladen und Schlebusch sichern will, muss die Ursachen angehen statt an den Öffnungszeiten zu drehen. Die entscheidende Frage lautet nicht: "Wann wird eingekauft?", sondern: "Warum kommen Menschen überhaupt in die Innenstadt?"

 

Dazu braucht Leverkusen attraktive öffentliche Räume, mehr Grün, mehr Aufenthaltsqualität, ein aktives Leerstandsmanagement und eine bessere Vernetzung von Handel, Gastronomie, Kultur und Freizeit. Vor allem aber müssen die kulturellen Einrichtungen dieser Stadt gestärkt statt geschwächt werden. Museen, Stadtbibliothek mit Stadtteilbibliotheken, Musikschule, VHS, Konzerte, Ausstellungen, die gesamte künstlerische Szene unserer Stadt sind kein Beiwerk. Sie sind wesentliche Identitätsstifter, Frequenzbringer und letztlich nicht zu unterschätzende Wirtschaftsfaktoren.

 

Leider fehlt in Leverkusen noch immer ein übergreifendes Verständnis von Stadtkultur. Eine lebendige Stadt entsteht nicht durch Einzelmaßnahmen, sondern durch das Zusammenspiel von Wohnen, Arbeiten, Bildung, Kultur, Sport, Ehrenamt, Gastronomie, Handel und sozialem Miteinander. Stadtentwicklung muss die Stadtgesellschaft als Ganzes betrachten und darf nicht in einzelnen Zuständigkeiten und Interessengruppen denken.

 

Die Innenstadt der Zukunft ist kein Einkaufszentrum unter freiem Himmel. Sie ist ein lebendiger gesellschaftlicher Raum, in dem Menschen sich begegnen, Kultur erleben, Dienstleistungen nutzen, ihre Freizeit verbringen und nebenbei auch einkaufen. Wer Innenstädte lediglich unter dem Blickwinkel des Konsums betrachtet, denkt zu kurz.

 

Gerade deshalb irritiert es, wenn die Mehrheit des Rates die Diskussion erneut auf Sonntagsöffnungen verengt. Die Forschung zeigt seit Jahren, dass deren Beitrag zur nachhaltigen Umsatzsteigerung sehr begrenzt ist. Die eigentlichen Erfolgsfaktoren sind Attraktivität, Erreichbarkeit, Nutzungsmischung und Aufenthaltsqualität, und zwar an allen Tagen der Woche.

 

Leverkusen braucht keine ständig sich wiederholende Debatten über zusätzliche Sonntagsöffnungszeiten. Leverkusen braucht endlich eine tragfähige gemeinsame Vorstellung davon, wie eine lebenswerte und lebendige Stadt für alle Generationen aussehen soll.“

 

Bericht: Bernhard Marewski, Symbolfoto: anzeiger24.de: Bearbeitung anzeiger24.de: BL

  

Weitere Nachrichten aus Leverkusen gibt es unter www.anzeiger24.de/leverkusen/news/

 


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