Streit um Schulplätze: Stadt Leverkusen bleibt bei klarer Linie
Hitdorfer Elterninitiative fordert Lösung in Monheim
Der Konflikt um die zukünftige Beschulung von 28 Kindern aus Hitdorf spitzt sich weiter zu. Während die Elterninitiative „Hitdorfer Kinder“ darauf drängt, den Schülerinnen und Schülern einen Platz am Otto-Hahn-Gymnasium im benachbarten Monheim zu ermöglichen, verweist die Stadt Leverkusen auch in ihrer aktuellen Stellungnahme erneut auf rechtliche Grenzen und den Grundsatz der Gleichbehandlung.
Im Kern geht es um die Frage, ob für die betroffenen Kinder eine sogenannte Überhangklasse am Otto-Hahn-Gymnasium eingerichtet werden kann. Voraussetzung dafür wäre neben entsprechenden Kapazitäten auch eine formelle Beschulungsvereinbarung zwischen den Städten Monheim und Leverkusen. Genau daran entzündet sich nun die politische und verwaltungsrechtliche Auseinandersetzung, die im Bürger- und Umweltausschuss am 16. April 2026 zur Entscheidung ansteht. Im Ratsinformationssystem sind die Argumente des Bürgerantrags sowie die fachliche Einschätzung der Stadtverwaltung nachzulesen.
Eltern fordern pragmatische Lösung
Die Elterninitiative argumentiert vor allem mit der geografischen Nähe: Das OHG liege in Radfahrentfernung bei knapp 3 km und die Beschulung in Leverkusen würde für die Kinder tägliche Pendelzeiten von bis zu 90 Minuten quer durch Leverkusen bedeuten. Für viele Kinder sei der Schulweg nach Monheim also deutlich kürzer und alltagspraktischer als der Weg zu Gymnasien im Leverkusener Stadtgebiet. Aus Sicht der Initiative wäre die Bildung einer zusätzlichen Klasse eine verhältnismäßige und sinnvolle Lösung.
Stadt Leverkusen verweist auf Rechtslage
Die Stadt Leverkusen hingegen sieht keinen Spielraum für eine solche Einzelfallregelung. In einer aktuellen Stellungnahme stellt die Verwaltung ihre Position nochmal klar dar. Wörtlich heißt es: „Da alle Schülerinnen und Schüler, die sich in Leverkusen zum Schuljahr 2026/2027 an einem Gymnasium angemeldet haben, an der jeweils gewünschten Schule aufgenommen worden sind, ist es grundsätzlich nicht zu rechtfertigen, in Einzelfällen auf Wunsch Schulplätze für Leverkusener Kinder in anderen Kommunen zu finanzieren. Dies gilt auch unabhängig von der Haushaltslage.“
Damit macht die Stadt deutlich, dass sie keinen Anlass sieht, zusätzliche Kosten für Schulplätze außerhalb des eigenen Zuständigkeitsbereichs zu übernehmen – selbst dann nicht, wenn dies im Einzelfall wünschenswert erscheint. Denn dafür werden wohl 1.000 bis 1.500 Euro pro Kind im Schuljahr berechnet.
Kein Kurswechsel durch Städtetag
Zugleich widerspricht die Stadt Darstellungen, wonach es Signale für ein Umdenken gegeben habe. In der Mitteilung wird betont: „Losgelöst von der Stellungnahme weist die Stadt darauf hin, dass es entgegen des in der aktuellen Presseberichterstattung erweckten Eindrucks seitens des Städtetages keine abweichende Bewertung des Sachverhaltes gibt und zu keinem Zeitpunkt aktiv eine mündliche oder schriftliche Empfehlung an die Stadt Leverkusen erging, die gewählte Vorgehensweise oder die bisher verfolgte Position zu ändern oder ein Moderationsverfahren mit den Bezirksregierungen anzustreben.“
Weiter heißt es: „Der Deutsche Städtetag hat unabhängig von der Situation generelle Optionen dargelegt und erst auf aktive Nachfrage seitens der Stadt Leverkusen über die Befassung mit dem Leverkusener Thema informiert.“
Oberbürgermeister betont Gleichbehandlung
Leverkusens Oberbürgermeister Stefan Hebbel unterstreicht die Haltung der Stadt auch politisch. Er erklärt: „So verständlich der Wunsch nach Beschulung in einer bestimmten Schule auch ist - die Stadt Leverkusen kann aus Gründen der Gleichbehandlung und nicht zuletzt auch vor dem Hintergrund der nachhaltig prekären Haushaltssituation keine Plätze an Leverkusener Schulen unbesetzt lassen, dafür aber gleichzeitig in anderen Kommunen Schulplätze besetzen und dafür zusätzlich finanzielle Mittel in nicht unerheblicher Höhe aufwenden. Die Stadt Leverkusen kann für alle Kinder ausreichend Plätze an Leverkusener Gymnasien zur Verfügung stellen und unterstützt Eltern gerne bei der Schulplatzsuche in Leverkusen.“
Entscheidung steht bevor
Die politische Entscheidung über den Bürgerantrag steht nun im zuständigen Ausschuss an. Ob sich eine Mehrheit für Verhandlungen mit der Stadt Monheim findet oder die Linie der Verwaltung bestätigt wird, bleibt abzuwarten.
Fest steht jedoch: Der Fall hat über Hitdorf hinaus Signalwirkung. Er berührt grundlegende Fragen der interkommunalen Zusammenarbeit, der Bildungsplanung und der finanziellen Belastbarkeit von Städten – und zeigt, wie stark individuelle Bildungswünsche mit strukturellen Rahmenbedingungen kollidieren können.
Bearbeitung anzeiger24.de: BL
Weitere Nachrichten aus Leverkusen gibt es unter www.anzeiger24.de/leverkusen/news/
Ihr wollt uns Eure Meinung sagen? Gerne per Mail an
oder als Kommentar bei Facebook.
Euch hat unser Beitrag gefallen? Dann liked und teilt ihn gerne.
