Krankenhausreform: Welche Leverkusener Kliniken was anbieten
09.01.2025NRW-Gesundheitsminister Laumann stellte Plan vor – „Schmerzhafte Veränderungen“ stehen bevor
Nun wird es also konkret: Nachdem die Bundesregierung die Operation Krankenhausreform von Gesundheitsminister Karl Lauterbach vollzogen hat, folgt ab sofort die Umsetzung. Alle Leistungen aller Kliniken im Land kommen auf den Prüfstand. Nicht jeder Standort soll beliebig alles anbieten können. Stattdessen soll es eine Grundversorgung geben, die Spezialisierungen werden von der Politik vorgegeben – so der Kern und die Idee der Reform.
Für NRW hat Landesgesundheitsminister Karl-Josef Laumann am Mittwoch, 8. Januar 2025, den erarbeiteten Krankenhausplan vorgestellt, die am 1. April 2025 in Kraft treten soll. Für bestimmte Leistungsgruppen, zum Beispiel in der Kardiologie und der Orthopädie, sollen Übergangsfristen bis zum 31. Dezember 2025 gelten.
Was bedeutet das nun für Leverkusen?
Für die drei Kliniken in der Bayer-Stadt sieht der Krankenhausplan NRW nun folgende Leistungsgruppen vor:
St. Remigius Krankenhaus Opladen
- Allgemeine Innere Medizin
- Komplexe Gastroenterologie (Behandlung der Verdauungsorgane)
- Komplexe Pneumologie
- Allgemeine Chirurgie
- Endoprothetik Hüfte (Künstlicher Ersatz des Hüftgelenks)
- Endoprothetik Knie (Künstlicher Ersatz des Kniegelenks)
- Revision Hüftendoprothese
- Revision Knieendoprothese
- Wirbelsäuleneingriffe
- Tiefe Rektumeingriffe (Behandlung des Enddarms)
- Geriatrie (Altersmedizin)
- Intensivmedizin
- Palliativmedizin (Versorgung von Patientinnen und Patienten, deren Krankheit nicht mehr heilbar ist)
Klinikum Leverkusen
- Allgemeine Innere Medizin
- Komplexe Gastroenterologie (Behandlung der Verdauungsorgane)
- Komplexe Pneumologie
- Leukämie und Lymphome (Blutkrebs / veränderte Lymphknoten)
- EPU/ Ablation (Diagnose und Behandlung von Herzrhythmusstörungen)
- Interventionelle Kardiologie (Minimalinvasive Eingriffe am Herz)
- Kardiale Devices (Einsetzen von z.B. Herzschrittmachern)
- Allgemeine Chirurgie
- Plastische und Rekonstruktive Chirurgie
- Bauchaortenaneurysma (Behandlung der schadhaften Bauchschlagader)
- Carotis operativ / interventionell (Behandlung der Hauptschlagader am Hals)
- Komplexe periphere arterielle Gefäße
- Endoprothetik Hüfte (Künstlicher Ersatz des Hüftgelenks)
- Endoprothetik Knie (Künstlicher Ersatz des Kniegelenks)
- Wirbelsäuleneingriffe
- Bariatrische Chirurgie (Eingriffe zur Reduzierung starken Übergewichts)
- Lebereingriffe
- Pankreaseingriffe (Behandlung der Bauchspeicheldrüse)
- Tiefe Rektumeingriffe (Behandlung des Enddarms)
- Urologie
- Allgemeine Frauenheilkunde
- Ovarial-CA (Behandlung von Eierstockkrebs)
- Senologie (Behandlung von Erkrankungen der Brust)
- Geburten
- Perinataler Schwerpunkt (Versorgung von Frühchen ab 1.500 Gramm, die keine Intensivpflege benötigen)
- Perinatalzentrum Level 1 (Intensivmedizinische Versorgung von Frühchen unter 1.250 Gramm)
- Perinatalzentrum Level 2 (Intensivmedizinische Versorgung von Frühchen ab 1.250 Gramm bis 1.500 Gramm)
- Allgemeine Kinder- und Jugendmedizin
- Allgemeine Neurologie (Behandlung des Nervensystems)
- Stroke Unit (Schlaganfallstation)
- Neuro-Frühreha (NNF, Phase B; Phase zwischen Intensivstation und Reha, u. a. bei schweren Hirnverletzungen)
- Geriatrie (Altersmedizin)
- Intensivmedizin
- Palliativmedizin (Versorgung von Patientinnen und Patienten, deren Krankheit nicht mehr heilbar ist)
LVR-Klinik Langenfeld Behandlungszentrum (BZ) Leverkusen
- Psychiatrie und Psychotherapie und Psychosomatische Medizin und Psychotherapie - vollstationär
- Psychiatrie und Psychotherapie und Psychosomatische Medizin und Psychotherapie – teilstationär
Mehr erfahren:
Zahlen, Daten, Fakten zur neuen Krankenhausplanung für Nordrhein-Westfalen
Übersicht: Alle Krankenhäuser in NRW und ihre Angebote
„Ruinösen Wettbewerb, Doppel- und Mehrfachvorhaltungen abbauen“
„Der Krankenhausplan NRW wirkt dem ruinösen Wettbewerb der Krankenhäuser um Fallzahlen und Personal entgegen, indem vor allem bei hoch komplexen Leistungen Doppel- und Mehrfachvorhaltungen abgebaut werden“, so Laumann. „Gleichzeitig stellt der neue Plan sicher, dass die Patientinnen und Patienten in Nordrhein-Westfalen die bestmögliche Versorgung erhalten und die Grund- und Notfallversorgung überall im Land gut erreichbar ist. Denn es ist der erste Krankenhausplan bundesweit, der anhand von klaren Qualitätsstandards für die verschiedenen Krankenhausleistungen und eindeutigen Erreichbarkeitsvorgaben für die Notfallversorgung erstellt wurde.“
Das Vorhaben birgt aber auch Risiken für viele Krankenhäuser, die als Wirtschaftsbetriebe fungieren und daher auch unternehmerisch kalkulieren müssen.
Die Landesregierung unterstützt die nordrhein-westfälischen Krankenhäuser bei den Strukturveränderungen und Investitionen mit rund 2,5 Milliarden Euro in dieser Wahlperiode.
Klar ist aber auch: Trotzdem wird so manches Haus diese Umstellung nicht überstehen.
„Die nordrhein-westfälischen Krankenhäuser stehen nun vor einer Phase, in der vielerorts deutliche und teils auch schmerzhafte Veränderungen umgesetzt werden müssen. Wir sind zum Wandel bereit“, sagt Sascha Klein, Vize-Präsident der Krankenhausgesellschaft Nordrhein-Westfalen (KGNW). „Es wird nun drauf ankommen, dass in diesem Prozess der Anspruch an ein lernendes System auch mit Leben gefüllt wird. Das wird immer dann flexible Antworten erfordern, wenn die Veränderungen ein Krankenhaus unbeabsichtigt in eine wirtschaftliche Schieflage bringen.“
Bericht: Achim Kaemmerer
Archivfoto: anzeiger24.de
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