Grüne Juwelen für die Seele

Oberbürgermeister Stefan Hebbel entdeckt eine neue Form des Erinnerns

Eine Schaukel zwischen blühenden Stauden, ein Briefkasten für persönliche Gedanken und das sanfte Plätschern eines Wasserfalls: Bei seinem Besuch auf der Landesgartenschau in Neuss erlebte Leverkusens Oberbürgermeister Stefan Hebbel auf Einladung von Grabpflege Hastrich, wie aus einem Ort der Trauer ein Ort voller Leben, Erinnerung und Geborgenheit werden kann.

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Wer das Wort „Bestattungsgarten“ hört, denkt vermutlich zunächst an Grabsteine, Trauer und Abschied. An einen stillen, vielleicht sogar etwas bedrückenden Ort.

Doch als Petra und Stefan Hebbel am Sonntag durch die Gartenpforte des von Nicole Hastrich und ihrem Team gestalteten Ausstellungsbeitrags auf der Landesgartenschau in Neuss traten, bot sich ihnen ein völlig anderes Bild.

Zwischen üppig blühenden Stauden entdeckten sie eine Schaukel. Einen liebevoll gestalteten Briefkasten. Und einen kleinen Wasserfall, dessen leises Plätschern dem Garten eine besondere Ruhe verlieh.

Ein Friedhofsgarten, der sich nicht nur wie ein Ort des Abschieds anfühlt. Sondern wie ein Ort zum Ankommen.



„Friedhof kann so viel mehr“

Gemeinsam mit Friedhofshündin Lotta führte Nicole Hastrich ihre Gäste durch den Garten und erklärte die Idee, die ihr persönlich besonders am Herzen liegt.

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Nach 36 Jahren Berufserfahrung weiß die Friedhofsgärtnerin, dass Hinterbliebene mehr brauchen können als einen gepflegten Platz für Blumen und einen Grabstein.

Sie brauchen einen Ort, der der Seele guttut.

Einen Ort, an dem man bleiben darf. An dem niemand erwartet, dass man nach ein paar Minuten wieder geht. An den Erinnerungen ihren Platz haben und Trauer genauso selbstverständlich sein darf, wie ein Lächeln über einen schönen gemeinsamen Moment.

Genau dafür stehen die Bestattungsgärten.

Mobile Stühle laden dazu ein, sich einfach einmal hinzusetzen. Den Blick über blühende Stauden schweifen zu lassen. Dem Rascheln der Blätter zuzuhören. Die Natur wahrzunehmen.
Und manchmal gibt es vielleicht Worte, die man einem geliebten Menschen noch gerne sagen würde.

Dafür gibt es die Briefkästen.

Ein paar Zeilen an einen verstorbenen Menschen. Ein Gedanke. Eine Erinnerung. Ein Dankeschön. Oder einfach eine Nachricht an das Universum.

Was darin steht, bleibt ganz persönlich.

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Diese grünen Juwelen gibt es bereits in Leverkusen

Was auf der Landesgartenschau wie eine besondere Zukunftsidee erscheint, ist in Leverkusen bereits Wirklichkeit.

Auf dem Friedhof Scherfenbrand lädt der NaturRuh-Garten dazu ein, zwischen Natur und Erinnerung zur Ruhe zu kommen. Auch der Memoriam-Garten auf dem Friedhof Manfort folgt der Idee, klassische Friedhofskultur neu zu denken.

Dabei geht es nicht darum, die Trauer zu verdrängen. Ganz im Gegenteil. Es geht darum, ihr einen schönen und würdevollen Raum zu geben. Einen Raum, in dem Leben und Tod nebeneinander existieren dürfen. In dem Pflanzen blühen, Vögel zu hören sind und Menschen sich begegnen können.


Grabpflege-Hastrich-Impressionen

Ein Friedhof auch für die Lebenden

Genau darin liegt vielleicht eine der schönsten Ideen dieser Gärten: Sie sind nicht ausschließlich für Menschen gedacht, die gerade ein Grab besuchen.

Auch Spaziergänger schlendern durch die kleinen parkähnlichen Anlagen, bleiben stehen, betrachten die Pflanzen oder genießen für einige Minuten die Ruhe.

Und genauso soll es sein. Denn warum sollten Friedhöfe ausschließlich mit Verlust verbunden werden?

Sie können zugleich wertvolle Grünflächen mitten in unseren Städten sein – Orte der Ruhe, der Natur und der Begegnung.

Auch Petra und Stefan Hebbel möchten sich die Leverkusener Anlagen nun persönlich bei einem Spaziergang ansehen. Im Gespräch entstand dabei noch ein weiterer Gedanke: Gerade an heißen Tagen können solche grünen Bereiche mit Bäumen und Bepflanzung wertvolle Schatten- und Aufenthaltsorte bieten.

„Hätte ich das doch früher gewusst …“

Für Nicole Hastrich ist die Idee hinter den Bestattungsgärten weit mehr als ein berufliches Projekt. Sie ist eine Herzensangelegenheit. Denn einen Satz hört sie in Gesprächen immer wieder:

„Mensch, hätte ich das doch früher gewusst …“

Viele Menschen wissen schlicht nicht, dass es diese besondere Form der letzten Ruhestätte und des Erinnerns überhaupt gibt. Dabei können gerade solche Orte eine Antwort auf eine sehr persönliche Frage sein: Wo möchte ich eines Tages selbst meine letzte Ruhe finden? Und an welchem Ort möchte ich später einem Menschen nahe sein, den ich verloren habe?

Nicht jeder wünscht sich eine klassische Grabstätte.

Manche wünschen sich einen Platz unter alten Bäumen. Andere möchten Blumen und Stauden um sich wissen. Und wieder andere wünschen sich für ihre Familie einen Ort, an dem die Hinterbliebenen nicht nur vor einem Grab stehen, sondern sich hinsetzen, erzählen, erinnern und vielleicht sogar wieder lächeln können.

Kleine grüne Juwelen, die mehr Menschen kennen sollten

Vielleicht braucht es deshalb manchmal nur eine offene Gartenpforte, um unseren Blick auf Friedhöfe zu verändern. Dahinter kann ein Ort liegen, der still ist, ohne traurig zu sein. Ein Ort, an dem Erinnerungen bleiben dürfen. An dem Blumen wachsen, Wasser plätschert und vielleicht irgendwo eine Schaukel sanft hin und her schwingt.

 

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