Spritpreis-Explosionen: Bundeskartell fordert Kostenaufstellung - Ölkonzerne wehren sich

05.08.2026

Behörde will Einblicke in die Geschäftsdaten erwirken. Das sei aber nicht möglich, sagt beispielsweise ein Verbandssprecher

Das war ja zu erwarten: Seit dem Ablauf des „Tankrabatts" Ende Juni 2026 (eine Maßnahme der Bundesregierung, um die Kostenexplosionen beim Sprit etwas zu dämpfen) sind die Preise für Diesel und Benzin sprunghaft wieder angestiegen. Nun will das Bundeskartellamt eingreifen. Die Behörde kann zwar die Ölkonzerne nicht zu einer Senkung zwingen. Aber zumindest sollen sie offenlegen, wie es zu diesen Sprüngen kommt.

Hilft das den geplagten Kraftfahrzeug-Fahrerinnen und -fahrern?

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Diesel um 126 Cent teurer. Und jetzt?

Laut dem Bundeskartellamt gab es im Juli 2026 folgende Durchschnittspreise:

  • 2,156 Euro/Liter bei E5, 2,10 Euro/Liter bei E10 bzw. 2,097 Euro/Liter bei Diesel
  • Kraftstoffpreise stiegen von Anfang bis Ende Juli um 13,7 ct/Liter bei Benzin bzw. 26,8 ct/Liter bei Diesel
  • Der Abstand zwischen Rohölpreis und Großhandelspreis sei weiter gestiegen.
  • Insbesondere nach 12 Uhr gibt es stets einen gewaltigen Satz nach oben.

aktueller Quartalsbericht

 

Dazu erklärt Andreas Mundt, Präsident des Bundeskartellamtes: „Wir haben bereits im Mai Verfahren gegen sämtliche Raffineriebetreiber in Deutschland eingeleitet. Ziel ist die Überprüfung, welche Kosten den Unternehmen tatsächlich entstanden sind, wie diese den verschiedenen Geschäftsbereichen zuzuordnen sind und ob die verlangten Preise hierdurch gerechtfertigt werden können."

Einige Unternehmen hätten bereits die Anfragen beantwortet, andere seien gerichtlich gegen die Auskunftsbeschlüsse vorgegangen. Mit einer anderen Initiative ist das Kartellamt bereits gescheitert

 

Dennoch will das Bundeskartellamtes über diesen Wege herausfinden, ob Wettbewerbsverstöße vorliegen, um „missbräuchlich überhöhte Preise konsequent zu verfolgen". Wird es diesmal erfolgreicher sein?

Denn die Branche wehrt sich weiter.

 

en2x: „Wir haben die Daten überhaupt nicht"

So erklärte beispielsweise der Wirtschaftsverband Fuels und Energie (en2x, Portraitfoto oben): „Durch die (geplante) Ausweitung der Befugnisse der Markttransparenzstelle für Kraftstoffe in Verbindung mit der verschärften Missbrauchsaufsicht droht eine dauerhafte Überwachung und faktische Preiskontrolle."

Im Interview mit dem WDR am 5. August erläuterte der en2x-Hauptgeschäftsführer Prof. Christian Küchen weiter: Die geforderten Daten lägen den Unternehmen überhaupt nicht vor, weil in einer „komplexen Raffinerie-Produktion" neben Benzin und Diesel auch hunderte Vorprodukte für die Chemie hergestellt werden. Die Kosten zu einzelnen Energieträgern könne man gar nicht zuordnen. Dazu gäbe es keine anerkannten Verfahren. Bis zu sechsstellige Beraterkosten würden entstehen. „Das bereitet allen Unternehmen Kopfschmerzen", so Küchen.

 

Und was ist mit den millionenfachen Übergewinnen?

Die seien durch die Kriege im Iran und in der Ukraine bedingt, erklärte Küchen weiter. Dadurch fallen Kapazitäten bei Raffinerien aus, und nach dem Angebot-und-Nachfrage-Prinzip habe sich eben der Rohöl- vom Produktpreis entkoppelt.

„Ja, dadurch machen viele Raffinerien Gewinne. Aber zum Glück haben wir noch genügend Raffinerien", so die Argumentation. „Hätten wir sie nicht, wäre die Situation sogar noch kritischer. Wir hätten nicht nur höhere Preise, sondern auch ein Versorgungsproblem."

 

Doch warum sind die Spritpreise in Deutschland und im europäischen Vergleich (etwa Österreich, Portugal oder Griechenland) viel höher, fragt der WDR-Moderator weiter. Das begründet Küchen mit den unterschiedlichen Steuersätzen: In Deutschland gäbe es eben besondere Energiesteuern, einen CO2-Preis und „besondere Treibhausgass-Minderungsverpflichtungen"

Weitere Infos zur Spritpreis-Zusammenstellung hat der Verband hier aufgelistet.

 

Auf der Internetseite des en2x heißt es daher weiter: „Wer das Preisniveau senken will, muss politisch gesetzte Kostenbestandteile in den Blick nehmen – nicht zusätzliche kartellrechtliche Eingriffe schaffen. Das Wettbewerbsrecht müsse auch künftig ein einheitlicher und branchenneutraler Ordnungsrahmen bleiben ohne Sonderregeln für den Kraftstoffmarkt."

 

Während sich also die Konzerne und das Bundeskartellamt streiten, ärgern sich die Verbraucherinnen und Verbraucher weiter. Denn ein Ende der Krise ist bei weitem nicht in Sicht.

 

Bericht: KA
Archivfoto: anzeiger24.de
Portraitfoto: Wirtschaftsverband Fuels und Energie e.V. (en2x)

 

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