Warum sind die Selbsttests eigentlich so teuer?
Stückpreis bis zu 5 Euro wegen Lieferengpässe
Sie sind vielleicht nicht so zuverlässig wie ein PCR-Test. Und sie können keinen offiziellen Schnelltest ersetzen, den man für 3G (am Arbeitsplatz oder in Bus und Bahn) oder 2G+ (Veranstaltungen für geimpfte und genesene Menschen mit Negativ-Test) benötigt. Aber sie sind zumindest ein kleiner „Kompass“ für den Alltag: Wer seinen Covid 19-Infektionsstatus checken will, kann auch zu einem Selbsttest greifen, den es in Apotheken, Supermärkten und Drogerien gibt.
Da ist aber derzeit ein Problem.
Hohe Nachfrage – hoher Preis
Entweder sind die Tests vergriffen – oder viel zu teuer. Im Sommer konnte man die Test-Kits für rund 1 Euro bekommen. Da war die Nachfrage auch nicht so hoch. Das hat sich mittlerweile geändert. Außerdem empfiehlt es sich, dass sich auch geimpfte und genesene Menschen regelmäßig testen lassen.
Im Sommer wollte das kaum jemand hören; und die Politik hat das ja auch nicht wirklich kommuniziert, denn das hätte wahrscheinlich die Impfbereitschaft nicht erhöht. Doch jetzt haben wir wieder Winter, also erhöhte Ansteckungsgefahr, und es gibt mehr Impfdurchbrüche, weil der Schutz nicht so lange hält wie erwartet.
Im Kreis Mettmann beispielsweise kosten die Selbsttests nun in den Drogeriemärkten teilweise knapp 3 Euro oder mehr. In einer Apotheke lag der Preis vor drei Wochen bei ca. 2,50 Euro, eine Woche später bei 3,50 Euro und ist seit vergangener Woche auf satte 4,50 bis 5 Euro – pro Stück – geklettert. In manchen Apotheken wurde sogar ca. 20 bis 35 Euro für fünf Tests verlangt.
Immerhin: In einem Discounter haben wir Selbsttests zum Stückpreis von 1,95 Euro gesehen.
Doch der Preis wird nicht nur durch die hohe Nachfrage bestimmt, sondern auch das Angebot. Und da liegt der nächste Knackpunkt.
Apotheker: „Transportwege aus China überlastet“
Eine hohe Nachfrage führt nicht nur zu einem höheren Preis, sondern auch zu einem Stau in der Lieferkette, erklärt Dr. Jürgen Wunderlich, Sprecher der Apothekerkammer im Kreis Mettmann, auf Anfrage: „Im Moment gibt es massive Lieferengpässe bei Selbsttests für Laien und Profis.“ Die Transportwege von China seien immer noch überlastet. Dieser Zustand dürfte noch ein paar Wochen so andauern, könnte sich dann aber „normalisieren“.
Nun rächt es sich einmal mehr, dass wir uns von fernöstlichen Märkten abhängig gemacht haben. Ein Problem, das wir ➤ auch in anderen Branchen zu spüren bekommen.
Insbesondere für Apotheken haben Einkaufspreise deutlich angezogen: „Während Drogeriemarktketten meist direkt in China beim Hersteller einkaufen und so natürlich sehr günstige Einkaufspreise haben, sind kleinere Händler wie auch Apotheken auf Zwischenhändler angewiesen, die ihnen auch kleinere Mengen liefern“, erklärt Dr. Wunderlich. „Dadurch kann eine Apotheke nicht mit der Einkaufsmacht eines Drogeriemarktes mithalten, sondern muss höhere Einkaufspreise akzeptieren.“
Hinzu kommt: „Apothekerinnen und Apotheker müssen eine besondere Verantwortung und Prüfpflicht für die Ware, die sie verkaufen, wahrnehmen. Sie müssen u.a. überprüfen, ob ihre Ware den aktuellen Anforderungen entspricht. Kleinere Händler haben den Vorteil, dass sie flexibler auf aktuelle Marktsituationen reagieren und dann auch noch etwas liefern können, wenn andere Kanäle versagen.“
Allerdings gibt es noch eine Kehrseite: „Bei einigen Ketten waren in den letzten Tagen die Schnelltest ausverkauft. Bei den Apotheken konnte man zum Teil noch fündig werden, da sie flexibler auf die aktuelle Marktsituation regieren können“, sagt der Apotheker aus Hilden.
Dann doch besser ein kostenloser Bürgertest?
Natürlich kann man auch den kostenlosen Bürgertest in Anspruch nehmen; die Teststellen haben ja inzwischen wieder Hochkonjunktur. Und für 3G und 2G+ sind die offiziellen Tests ohnehin verpflichtend, da reicht der Heim-Selbsttest nicht.
Dafür muss man aber mehr Zeit einplanen, einen Termin vereinbaren und sich ggf. in eine Schlange stellen.
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Auch wenn es vielleicht lästig ist: Je mehr Tests stattfinden, desto sichtbarer dürfte das Infektionsgeschehen werden – vorausgesetzt natürlich, die Daten werden auch ordnungsgemäß verarbeitet.
Dr. Wunderlich schätzt: „Die größere Testzahl aus den Zentren wird mit einer geringeren Zahl ein privat durchgeführten Tests einhergehen. Unter dem Strich werden m.E. mehr Tests durchgeführt werden und so helfen, unsere Sicherheit zu verbessern.“
Bericht: Achim Kaemmerer
Foto/Collage: blende12/anzeiger24.de
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