Trump in Davos: Vom Zollhammer zum Handschlag? Grönland-Krach vorerst beigelegt?
22.01.2026Erst harte Töne gegenüber Europa, dann Annährung? Eskalation vorerst gestoppt
Donald Trumps Auftritt beim Weltwirtschaftsforum (WEF) in Davos stand im Zeichen geopolitischer Machtfragen – und brachte zugleich eine überraschende Wendung im zu eskalieren drohenden Streit um Grönland. Deutet sich nun doch eine Einigung an, die den Streit zwischen den USA und europäischen NATO-Partnern stoppen könnte?
Grönland: Von Strafzoll-Drohungen zum Rahmenabkommen
Zumindest rückte Trump von seiner Androhung neuer Strafzölle gegen NATO-Partner ab. Diese hatte er zuvor als Druckmittel eingesetzt – insbesondere gegenüber Dänemark –, um Unterstützung für seine Besitz- und Einflussansprüche auf Grönland zu erzwingen. Nach einem Gespräch mit NATO-Generalsekretär Mark Rutte sei nun ein Rahmenabkommen erzielt worden, verkündete Trump am Mittwochabend, 21. Januar 2026.
Nun wurden mehr Details bekannt.
Laut Handelsblatt umfasst die Verständigung vier zentrale Punkte:
- Erstens sollen keine neuen Strafzölle gegen europäische Staaten eingeführt werden.
- Zweitens ist eine Neufassung des Stationierungsvertrags von 1951 für das US-Militär auf Grönland vorgesehen.
- Drittens erhalten die USA ein Mitspracherecht bei Investitionen auf Grönland.
- Viertens verpflichten sich die europäischen NATO-Staaten zu einem stärkeren Engagement in der gesamten Arktis – insbesondere die USA, Kanada, Dänemark, Norwegen, Schweden, Finnland und Island.
Nach Darstellung Ruttes ging es dabei weniger um Fragen der Souveränität Grönlands als um die strategische Positionierung der NATO in der Arktis. Ziel sei es, zu verhindern, dass Russland oder China dort zu großen Einfluss gewinnen.
Gemischte Reaktionen in Europa
Die Reaktionen fallen unterschiedlich aus. Dänemark und Schweden begrüßten die Einigung. Dänemarks Außenminister Lars Løkke Rasmussen betonte, man habe eine Lösung gefunden, die die Interessen Grönlands respektiere. Schwedens Außenministerin Maria Malmer Stenergard sagte, man habe sich nicht erpressen lassen. Deutlich zurückhaltender äußerte sich der deutsche Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD): „Es ist gut, dass man im Dialog ist, aber ein bisschen abwarten muss man schon und zu früh freuen sollte man sich auch nicht.“ Entscheidend werde sein, wie die Vereinbarungen konkret ausgestaltet werden.
Trumps Rede: „Europa geht in die falsche Richtung“
Zuvor bekräftigte Trump in seiner Aufsehen erregenden Rede in Davos, dass er weiterhin an Grönland interessiert sei – allerdings ohne Gewalt. Er wolle Kaufverhandlungen führen und betonte: „Ich muss, will und werde keine Gewalt anwenden.“ Es gehe ihm nicht um Rohstoffe, sondern um „Sicherheit“ in der Arktis; die USA seien die einzigen, die Grönland schützen könnten. Vor dem Hintergrund wachsender Aktivitäten Russlands und Chinas brauche Washington dieses „große, schöne Stück Eis“ für die nationale Sicherheit.
Gegenüber Europa schlug Trump einen scharfen Ton an. Zwar betonte er seine Zuneigung zum Kontinent, doch Europa gehe „in die falsche Richtung“. Als Hauptbeispiele nannte er Migration und Energiepolitik.
In der Migrationsfrage warf er Europa – und den USA unter Präsident Joe Biden – vor, „sehr töricht“ auf unkontrollierte Zuwanderung gesetzt zu haben. Diese Politik habe Länder und Wirtschaft geschwächt; Trump sprach erneut vom „Großen Austausch“. Er lobte das harte Vorgehen der US-Einwanderungsbehörde ICE und machte Migration für hohe Immobilienpreise verantwortlich. Besonders umstritten waren pauschale und abwertende Aussagen über Somalier, die international auf scharfe Kritik stießen.
In der Energiepolitik lehnte Trump den menschengemachten Klimawandel erneut ab und setzte demonstrativ auf fossile Energien. Er empfahl der EU, in der Nordsee nach Öl zu bohren, und pries den Ausbau von Öl- und Gasförderung in den USA. Statt Kraftwerke zu schließen, öffne man neue; Windräder bezeichnete er als ineffizient und kündigte an, keine neuen zu genehmigen. Europa solle diesem Kurs folgen – auch das sorgte für Widerspruch.
Bericht: FS
Quelle: Handelsblatt / tagesschau / Deutschlandfunk / ZDF
Foto: B.Hildebrandt/jorono / Pixabay
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