Rückblick auf ein verlorenes Jahr

28.12.2025

***Kommentar zum Jahreswechsel***: Hoffen wir auf ein Besseres in 2026

„Es ist alles schlechter geworden.“ Kaum ein Satz beschreibt die Stimmung in Deutschland in den vergangenen Jahren so treffend wie dieser. Und kaum ein Jahreswechsel vergeht, ohne dass sich die Hoffnung anschließt, im kommenden Jahr könne endlich alles besser werden. Doch auch diesmal fällt es schwer, daran zu glauben.

Die vergangenen Monate haben diese Skepsis eher verstärkt als widerlegt. Politisch kulminierte die angespannte Lage vor gut einem Jahr im Zerfall der Ampelkoalition.

Das führte zu Neuwahlen, und die Wähler hatten entschieden, neue Koalitionen zu ermöglichen. Doch wer heute auf das Land blickt, hört kaum jemanden sagen, die Verhältnisse hätten sich spürbar verbessert.

Im Gegenteil: Enttäuschung überwiegt.

 

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Der Wunsch nach Veränderung – und warum er ins Leere läuft

Dass viele Menschen in Deutschland an Veränderungen interessiert sind, steht außer Frage. Doch zugleich gibt es ein strukturelles Problem, das echte Reformen immer wieder ausbremst: die Zersplitterung politischer Interessen.

Sechs Parteien sitzen mittlerweile im Bundestag. Jede beansprucht für sich, genau zu wissen, was „ihre“ Wähler wollen und jede verteidigt diese Position mit Nachdruck.

Das Ergebnis ist ein politisches System, in dem es zwar viele Meinungen, aber immer weniger tragfähige Mehrheiten gibt.

Sachorientierte Lösungen, die das Land strukturell verändern könnten, scheitern oft nicht an mangelnder Erkenntnis, sondern an fehlender Einigung.

Man kann juristisch und politisch darüber streiten, wer für diese Situation verantwortlich ist. Fest steht jedoch: Deutschland leidet darunter wirtschaftlich, aber vor allem auch gesellschaftspolitisch. Vertrauen in politische Handlungsfähigkeit geht verloren, Polarisierung nimmt zu, und der Eindruck verfestigt sich, dass Stillstand der neue Normalzustand ist.

 

Verantwortung trägt nicht nur die Politik

So bequem es wäre, die Schuld ausschließlich bei „den Politikern“ zu suchen, ganz so einfach ist es nicht. Denn diese Politiker sind keine zufällige Elite, sie sind das Ergebnis von demokratischen Wahlen. Sie spiegeln Interessen, Ängste und Erwartungen wider, die aus der Gesellschaft selbst kommen.

Wenn man es zuspitzt, müssen wir uns daher alle an die eigene Nase fassen. Die politische Landschaft ist so zersplittert, weil auch die gesellschaftlichen Erwartungen widersprüchlich sind:

Veränderung ja, aber bitte ohne Nachteile.

Reformen gern, solange sie andere betreffen.

 

Was 2026 bringt? Denklogisch nichts Gutes

Der Blick nach vorn fällt entsprechend nüchtern aus. Für 2026 spricht wenig für eine grundlegende Wende. Politisch sind stabile Mehrheiten nicht in Sicht, gesellschaftlich fehlt der Konsens über Richtung und Ziel.

Erstaunlich stabil bleibt bislang vor allem eines: die Wirtschaft. Unternehmen und Gewerkschaften agieren, trotz widriger Rahmenbedingungen, vergleichsweise pragmatisch. Sie sorgen dafür, dass das Land nicht vollständig ins Rutschen gerät. In gewisser Weise haben sich diese Akteure vom politischen Betrieb abgekoppelt und versuchen, innerhalb der gegebenen Bedingungen handlungsfähig zu bleiben.

 

Eine stabile Wirtschaft allein löst die Probleme im Land nicht

Gerade deshalb wäre es fatal, diesen Bereich zusätzlich zu belasten. Wirtschaftspolitische Konfrontationsrhetorik mag kurzfristig Applaus bringen, sie löst aber kein einziges strukturelles Problem.

Was Deutschland braucht, ist nicht der Kampf gegen Unternehmen und Arbeitgeber, sondern ein realistisches Zusammenspiel von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft.

 

Der Jahreswechsel lädt traditionell zu Hoffnung ein. Doch Hoffnung allein ersetzt keine Lösungen. Deutschland steht vor der unbequemen Erkenntnis, dass Veränderung nicht nur gefordert, sondern auch ausgehalten werden muss – politisch wie gesellschaftlich.

Ob das im kommenden Jahr gelingt, bleibt offen. Sicher ist nur: Ein einfaches „Weiter so“ wird die Stimmung im Land nicht drehen.

 

LT

Foto/Montage: anzeiger24.de / G.Altmann/Pixabay

 

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