Hupen, drängeln, ausrasten: Aggression im Straßenverkehr nimmt zu
17.08.2026Platz da, ich komme! Studie zeigt: Die Zündschnur bei Autofahrern wird kürzer – doch schuld sind immer die anderen
Das Klima auf deutschen Straßen wird immer rauer und aggressiver. Zu diesem Schluss kommt eine neue Langzeitstudie der Unfallforschung der Versicherer im Gesamtverband der Versicherer (UDV). Das Forschungszentrum untersucht, wie die Verkehrssicherheit auf Deutschlands Straßen verbessert werden kann und erstellt Lösungsansätze, um Unfälle zu zu vermeiden oder zumindest abzuschwächen.
Zwischen März und April 2026 nahmen 2.004 Personen ab 18 Jahren an der deutschlandweiten repräsentativen Online-Befragung teil.
„Nahezu alle 23 ermittelten Werte für aggressives Verhalten haben sich seit der letzten Studie 2023 nochmal weiter verschlechtert, einige sogar deutlich“, sagt UDV-Leiterin Kirstin Zeidler. Die Forschenden beobachten diesen Trend bereits seit zehn Jahren.
„Jeder zweite Autofahrende muss sich sofort abreagieren, wenn er sich über andere ärgert“, so Zeidler (55 Prozent, 2023: 50 Prozent; 2016: 29 Prozent). Fast die Hälfte drängelt mitunter, wenn der oder die Vorausfahrende vermeintlich bummelt (47 Prozent, 2023: 36 Prozent; 2016: 29 Prozent). Und fast ein Drittel schert nach dem Überholen schon mal so dicht ein, dass der andere bremsen muss (32 Prozent; 2023 und 2016: 24 Prozent).
Radfahrende seien da aber auch nicht besser: 43 Prozent erzwingen hin und wieder die Vorfahrt (2023: 28 Prozent) und fast jeder zweite überholt Autos auch mal links oder schlängelt sich durch den Verkehr (48 Prozent, 2023: 34 Prozent).
Einzelheiten zur Studie gibt es hier
Fehler machen vor allem „die anderen"
„Es ist verantwortungslos, aus Wut oder um schneller ans Ziel zu kommen die Gesundheit oder das Leben anderer aufs Spiel zu setzen“, sagt Zeidler. „Dabei sehen die meisten die Probleme bei anderen, nicht bei sich selbst.“
Wie auch schon in den Vorgängerstudien klaffen Selbst- und Fremdbild weit auseinander. So antworten 92 Prozent aller Autofahrenden, dass sie Radfahrende besonders rücksichtsvoll überholen. Gleichzeitig beobachten 86 Prozent, dass andere zu eng überholen.
Das Selbstbild Radfahrender ist ebenso geschönt: 48 Prozent geben zu, Autos auch mal links zu überholen oder sich durch den Verkehr zu schlängeln, wenn sie rechts nicht vorbeikommen. 83 Prozent beobachten dieses Verhalten bei anderen Radfahrenden.
„Das Leben wird immer hektischer, wir sind quasi permanent erreichbar, der Druck nimmt zu“, so Zeidler. „Das geht auch am Straßenverkehr nicht vorbei, die Zündschnur wird kürzer.“
Ablenkung am Steuer wächst
Auch die Nutzung des Smartphones am Steuer nehme bedenklich zu, wollen die Forscher herausgefunden haben. Jeder Vierte schreibt während der Fahrt zumindest ab und an Nachrichten, jeder Fünfte nutzt soziale Netzwerke. Besonders verbreitet ist das Handy am Steuer bei den 18- bis 35-Jährigen (63 Prozent), zunehmend aber auch in den höheren Altersklassen (42 Prozent der 36- bis 55-Jährigen, 22 Prozent der 56- bis 69-Jährigen). „Der Zeitgeist läuft der Sicherheit entgegen“, so Zeidler.
Aus Sicht des UDV sind Verkehrsplanende, Verkehrspsychologen und -psychologinnen gefordert, Konzepte gegen aggressives Verhalten im immer dichter werdenden Verkehr zu entwickeln. Kampagnen sollten auf ein rücksichtsvolleres Miteinander abzielen.
Quelle: UDV
bearb: KA
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