Dürre setzt Landwirtschaft unter Druck – Bauernverband fordert schnelle Entlastung von der Politik

14.08.2026

Präsident Rukwied: „Das halten die Betriebe nicht mehr lange durch“

Die anhaltende Trockenheit in Deutschland verschärft die wirtschaftliche Lage vieler landwirtschaftlicher Betriebe. Seit Mitte Juni bereitet die Dürre den Bauern zunehmend Sorgen. Niedrige Erzeugerpreise und hohe Kosten für Diesel und Düngemittel verschärfen die Situation zusätzlich, sagt Joachim Rukwied, Präsident des Deutsche Bauernverbandes (DBV). Besonders bei wichtigen Ackerkulturen zeichne sich bereits ab, dass die Erträge deutlich hinter den Vorjahreswerten zurückbleiben könnten, heißt es in einer Presseerklärung.

 

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Deutliche Ertragseinbußen bei Weizen und Raps

Die Einschätzung basiert auf Meldungen aus den 18 Landesbauernverbänden und einer Hochrechnung der ersten tatsächlich geernteten Flächen und der bislang erzielten Erträge.

Bei der Wintergerste falle die Bilanz noch vergleichsweise stabil aus. Mit geschätzten 7,6 Tonnen je Hektar liege der Ertrag nur leicht unter dem Vorjahreswert von 7,8 Tonnen und wird insgesamt als durchschnittlich bewertet.

Deutlich schwieriger sei die Situation beim Winterweizen. In Regionen, in denen die Ernte bereits weit fortgeschritten ist, werden Ertragsrückgänge von bis zu 15 Prozent gemeldet. Beim Raps drohen Einbußen von bis zu 18 Prozent. Neben der Trockenheit erschweren nach Angaben des Bauernverbandes auch eingeschränkte Möglichkeiten zur wirksamen Schädlingsbekämpfung die Ertragssicherung. In einigen Regionen haben zudem schwere Hagelschauer weitere Schäden verursacht.

 

Angespannt sei die Lage auch im Futterbau. Auf Grünland- und Futterbauflächen mache sich der ausbleibende Regen zunehmend bemerkbar. Damit wächst die Sorge, dass im kommenden Winter nicht genügend Futter für die Tierbestände zur Verfügung stehen könnte.

Bei Mais, Zuckerrüben und Kartoffeln sei die Lage ebenfalls angespannt. Für die weitere Entwicklung seien dringend ausreichende Niederschläge erforderlich – selbst dann seien bestenfalls durchschnittliche Erträge zu erwarten.

 

Bauernpräsident Rukwied bezeichnete die Situation im Interview mit dem Fernsehsender phoenix als besonders belastend: „Die Situation im Moment ist toxisch. Auf der einen Seite unterdurchschnittliche Erträge, auf der anderen Seite hohe Kosten bei Energie und Diesel, und das in Kombination mit niedrigen Erzeugerpreisen. Das halten die Landwirte nicht mehr lange durch.“

 

Bauernverband fordert schnelle politische Hilfe

Aus Sicht des DBV bestehe angesichts der Ernteentwicklung dringender politischer Handlungsbedarf. Gefordert werden finanzielle Entlastungen bei den Betriebskosten und bessere Möglichkeiten für die Betriebe, sich gegen zunehmende Wetterrisiken abzusichern.

Außerdem ruft Rukwied die Bundesregierung zum handeln auf: „Wir brauchen eine spürbare Steuerentlastung beim Diesel und die zügige Einführung der steuerfreien Risikoausgleichsrücklage.“ 

Dies könne den Betrieben helfen, in schwierigen Jahren finanzielle Reserven aufzubauen.

 

Zusätzlich verlangt der DBV eine Erhöhung der EU-Düngemittelbeihilfe von derzeit 60 auf 180 Millionen Euro. Außerdem sollen 80 Prozent der EU-Direktzahlungen an die Landwirte bereits im Oktober ausgezahlt werden.

 

Sorgen reichen bereits bis ins kommende Jahr

Nach Einschätzung des Bauernverbandes könnten die Folgen der aktuellen Ernteprobleme über die laufende Saison hinausreichen. Rukwied warnte im phoenix-Interview vor erheblichen Problemen in 2027. Wegen der angespannten finanziellen Lage vieler Betriebe werde derzeit weniger Dünger eingekauft.

„Das wird dann am Ende weiter sinkende Ernten im nächsten Jahr zur Folge haben“, sagte Rukwied bei phoenix. Auch bei der Versorgung mit Tierfutter zeichnen sich aufgrund der unterdurchschnittlichen Ernte Defizite ab. „Im schlechtesten Fall heißt das, dass die Landwirte den Tierbestand abstocken müssen.“

 

Der Bauernverband sieht deshalb nicht nur kurzfristigen Unterstützungsbedarf. Die Landwirtschaft müsse sich zugleich langfristig auf die Folgen des Klimawandels einstellen. Benötigt würden unter anderem hitzetolerantere und widerstandsfähigere Sorten für den Getreide- und Gemüseanbau.


Quelle: DBV / phoenix
bearb: KA
Portraitfoto: DBV/Breloer

 

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