Deutsche Bahn schreibt erstmals seit 2019 wieder Gewinn – Rekord-Investitionen in das Schienennetz
30.07.2026Aber es gibt noch viel zu tun – auch der Service soll sich verbessern
Die Deutsche Bahn hat im ersten Halbjahr 2026 erstmals seit sieben Jahren wieder schwarze Zahlen im Kerngeschäft erzielt. Wie das Unternehmen auf seiner Bilanz-Pressekonferenz mitteilte, lag der Gewinn nach Steuern bei 147 Millionen Euro. Im Vorjahreszeitraum hatte die Bahn noch einen Verlust von 760 Millionen Euro ausgewiesen. Auch Umsatz und operatives Ergebnis entwickelten sich positiv. Gleichzeitig investierte der Konzern so viel Geld in die Schieneninfrastruktur wie noch nie in einem ersten Halbjahr.
Die wichtigsten Zahlen und Daten
- Gewinn nach Steuern: 147 Millionen Euro (erstes Halbjahr 2025: minus 760 Millionen Euro)
- Ergebnissprung: Verbesserung um mehr als 900 Millionen Euro
- Konzernumsatz: 13,6 Milliarden Euro (+1,8 Prozent)
- Operatives Ergebnis (EBIT, bereinigt): 415 Millionen Euro (+650 Millionen Euro)
- Brutto-Investitionen: 8,7 Milliarden Euro (+18 Prozent) – höchster Halbjahreswert der Unternehmensgeschichte
- Netto-Investitionen: 3,4 Milliarden Euro (+89 Prozent)
- Netto-Finanzschulden: 21,6 Milliarden Euro (plus rund eine Milliarde Euro)
- Reisende im Personenverkehr: über 960 Millionen (+17 Millionen beziehungsweise +1,8 Prozent)
- Fernverkehr: operativer Gewinn von 148 Millionen Euro (Vorjahr: minus 59 Millionen Euro)
- DB Regio: operativer Gewinn von 89 Millionen Euro
- DB Cargo: operativer Verlust auf nur noch eine Million Euro reduziert
- Prognose 2026: Konzern rechnet weiterhin mit schwarzen Zahlen, einem Umsatz von rund 28 Milliarden Euro und einem operativen Ergebnis von etwa 600 Millionen Euro.
Hauptgrund für die wirtschaftliche Verbesserung ist nach Angaben des Unternehmens die positive Entwicklung nahezu aller Geschäftsbereiche. Hinzu kommen erste Einsparungen sowie ein beschleunigter Personalabbau in der Konzernleitung und bei internen Dienstleistern. Mit der neuen Unternehmensstrategie „DB 2035“ will sich die Bahn künftig schlanker, dezentraler und wirtschaftlicher aufstellen.
DB-Chefin Evelyn Palla: „Bin erst zufrieden, wenn auch die Qualität im täglichen Eisenbahnverkehr überzeugt“
Vorstandsvorsitzende Evelyn Palla bezeichnete das Halbjahresergebnis als wichtigen Meilenstein auf dem Weg zur Sanierung des Konzerns.
„Wir sind im ersten Halbjahr 2026 gut vorangekommen und haben eine wichtige Wegmarke erreicht. Zum ersten Mal seit sieben Jahren schreibt unser Eisenbahngeschäft unterm Strich wieder schwarze Zahlen“, sagte Palla.
Zugleich machte sie deutlich, dass die wirtschaftliche Erholung allein nicht ausreiche. Entscheidend sei nun, dass sich die Verbesserungen auch für die Fahrgäste im Alltag bemerkbar machten. „Ich bin erst zufrieden, wenn auch die Qualität im täglichen Eisenbahnverkehr überzeugt.“
Um den Service kurzfristig zu verbessern, setzt die Deutsche Bahn nach eigenen Angaben mehrere Sofortprogramme im Umfang von rund 150 Millionen Euro um. Dazu gehören zusätzliche Reinigungskräfte in Fernverkehrszügen, mobile Handwerkerteams für Bahnhöfe, mehr Sicherheitspersonal sowie eine bessere Kundenkommunikation.
Rekord-Investitionen in Infrastruktur und aktuelle Bauprojekte
Einen Schwerpunkt legte die Deutsche Bahn im ersten Halbjahr auf die Modernisierung der Schieneninfrastruktur. Mit insgesamt 8,7 Milliarden Euro investierten Bund und Bahn so viel Geld wie noch nie zuvor innerhalb eines ersten Halbjahres. Ziel ist es, das über Jahrzehnte vernachlässigte Streckennetz grundlegend zu erneuern und die Zuverlässigkeit des Bahnverkehrs langfristig zu verbessern.
Im sogenannten „Super-Baujahr 2026“ laufen bundesweit rund 28.000 Bauprojekte. Zur Jahresmitte waren davon bereits etwa 14.000 abgeschlossen.
Zu den wichtigsten Projekten zählen:
- Abschluss der Generalsanierung auf der Strecke Hamburg – Berlin
- Wiedereröffnung der Strecken Hagen – Wuppertal – Köln, Hamburg – Hannover sowie Nürnberg – Regensburg (allerdings mit einer Panne, die den Verkehr weiterhin beeinträchtigt)
- Beginn weiterer Korridorsanierungen, unter anderem auf der rechten Rheinstrecke zwischen Troisdorf und Wiesbaden
Die zahlreichen Baustellen belasteten allerdings weiterhin den laufenden Betrieb. Im Fernverkehr erreichten im ersten Halbjahr lediglich 59 Prozent der Züge ihr Ziel mit weniger als sechs Minuten Verspätung. Nach Einschätzung der Bahn werden die umfangreichen Bauarbeiten auch in den kommenden Jahren notwendig bleiben, um die Leistungsfähigkeit des Schienennetzes nachhaltig zu verbessern.
Quelle: DB AG
Archivfoto: anzeiger24.de
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