Bundesweite Demos: Schulstreik gegen die Wehrpflicht

04.05.2026

Jugendliche wollen nicht zum Dienst an der Waffe gezwungen werden, aber für ihr Streikrecht während der Unterrichtszeit kämpfen

Das Konzept, freitags nicht zur Schule zu gehen, um für Klimaschutz zu demonstrieren, ist mittlerweile etwas aus der Mode gekommen. Dafür haben viele Jugendliche jetzt ein anderes Reizthema gefunden, um das Prinzip „Schulstreik“ neu zu beleben: Am 8. Mai 2026 soll es erneut bundesweit Demonstrationen gegen die Wiedereinführung der Wehrpflicht geben – während der Unterrichtszeit.

 

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Schülervertretung NRW: „Repressionen widersprechen demokratischen Grundwerten des Bildungssystems“

Die Gegner der Wiedereinführung überzeugt dieses Konzept nicht, zum Beispiel die Landesschüler*innenvertretung Nordrhein-Westfalen (LSV NRW). Der Landesvorstand kritisiert die sicherheitspolitische Ausrichtung der Bundesregierung, warnt vor „zunehmenden Angriffen auf Demokratie und gesellschaftliche Mitbestimmung“ und sieht in den „zunehmenden Repressionen gegenüber Schüler*innen im Zusammenhang mit Schulstreiks einen klaren Widerspruch zu den demokratischen Grundwerten des Bildungssystems“.

Die Mitglieder beklagen, dass ihr „Engagement sanktioniert“ werde, zum Beispiel Juliana Hoffmann: „Wieso ist es meiner Schule wichtiger, dass ich anwesend bin, statt sich meiner Sorgen anzunehmen?“

 

Miguel Beck ergänzt: „In einem freiheitlichen Land wie Deutschland darf ich (fast) alles sagen, was ich denke. Die Frage ist nur, wie laut, bis es jemanden stört, der mir dann sagt: Sei leise und geh zurück in die Schule.“

Schülerinnen und Schüler haben kein gesetzlich geschütztes Streikrecht und sind bis zum 18. Lebensjahr schulpflichtig. „Wenn junge Menschen ihre Interessen sichtbar machen wollen, braucht es auch Protestformen wie Demonstrationen und Streiks“, findet daher der Landesvorstand. „Viele soziale Errungenschaften, wie etwa das Wochenende oder das Streikrecht für Arbeitnehmer*innen, wurden ebenfalls erkämpft, bevor sie gesetzlich anerkannt waren. Demokratie ist kein abgeschlossener Zustand, sondern lebt von gesellschaftlicher Weiterentwicklung, Debatte und Beteiligung.“

 

Hannes Ermert erklärt abschließend: „Niemand scheint sich dafür zu interessieren, wie es jungen Menschen in der Schule geht. Es sei denn, diese äußern es, dann ist die Gedichtanalyse im Deutschunterricht wichtiger als demokratische Grundprinzipien.“

 

Was gilt aktuell?

Die Wehrpflicht wurde nie abgeschafft, sondern seit 2011 lediglich ausgesetzt. Das heißt: Junge Männer ab 18 Jahre wurden nicht mehr zwangsweise gemustert und zum Pflichtjahr bei der Bundeswehr berufen. 

Das hat sich mit der neuen europaweiten Sicherheitslage geändert. Der Bundestag hat im Dezember 2025 beschlossen:

Alle 18-jährigen Männer und Frauen erhalten seit Anfang 2026 einen Fragebogen, durch den ihre Motivation und Eignung für den Dienst in den Streitkräften ermittelt wird.

Für Männer ist die Beantwortung des Fragebogens verpflichtend, für Frauen freiwillig. Für alle Männer, die ab dem 1. Januar 2008 geboren wurden, wird die Musterung wieder zur Pflicht. 

Die Regierung setzt zunächst auf Freiwilligkeit. Werden auf diese Weise nicht genügend Soldatinnen und Soldaten rekrutiert, soll es zu einer „Bedarfswehrpflicht“ kommen. Darüber müsste der Bundestag in einem erneuten Gesetzgebungsverfahren abstimmen. 

Der Dienst soll den jungen Menschen unter anderem mit einer monatlichen Vergütung von mindestens 2.600 Euro brutto, wohnortnaher Stationierung und einem Zuschuss für den Pkw- oder Lkw-Führerschein schmackhaft gemacht werden. 

Die Wehrpflicht soll zunächst für sechs Monate gelten. 

 

Bericht: KA

Fotos: SimoneVomFeld/Pixabay / KI generiert mit Adobe Firefly

 

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