Mit zwölf Jahren gilt William Black als der jüngste Verwundete im Bürgerkrieg. Eine Granate verletzte ihn an der Hand.

Ausstellungseröffnung „Im Felde verwundet - Bilder aus dem Amerikanischen Bürgerkrieg“

Der Amerikanische Bürgerkrieg war nicht nur einer der größten und folgenreichsten Konflikte des 19. Jahrhunderts, er ist auch aus zahlreichen anderen Aspekten von erheblicher historischer Bedeutung. Es war der erste moderne Krieg, in dem Telegraphie, die Eisenbahn und Panzerschiffe eingesetzt wurden. Aber es war auch der erste Krieg, der umfassend fotografiert wurde. Neben Millionen privater Bilder, entstanden erstmals auch dokumentarische Fotos in großem Stil. Sicher auch einer der Gründe, warum der Konflikt zwischen Nord und Süd nicht nur in der amerikanischen Alltagskultur heute noch so präsent ist. Auch bei uns ist spätestens seit dem Jahrhundertroman „Vom Winde verweht“ und dessen legendärer Verfilmung der Bürgerkrieg ein populäres Geschichtsthema, das die Menschen in seinen Bann zieht.

Die Ausstellung von Michael Ebert stellt medizinische Themen in den Mittelpunkt. Das ist einer der interessantesten Aspekte in der Fotografie des Sezessionskrieges überhaupt. Schließlich stellte die hohe Zahl an Verwundeten beide Parteien vor riesige logistische Herausforderungen. Während des Bürgerkrieges wurde eine medizinische Versorgung bisher unbekannten Ausmaßes aufgebaut. Daher existieren zahlreiche Fotos, die sich mit dieser Thematik befassen: Bilder von Verwundeten, Ärzten, Lazaretten und auch dem Engagement der Zivilbevölkerung. Auf grausame Darstellungen wurde für die Ausstellung jedoch bewusst verzichtet. „Im Felde verwundet“ soll nicht schockieren, sondern informieren und faszinieren.

Fotografie war im 19. Jahrhundert vor allem eine technische Herausforderung. Schwere Ausrüstungen, komplizierte Prozesse und giftige Chemikalien erforderten hohen Einsatz. Die Ergebnisse waren dafür von einer bestechenden Qualität, die sogar im Vergleich mit modernen digitalen Verfahren bestehen können. So ist es heute möglich, die Platten durch ihre Feinkörnigkeit praktisch unendlich zu vergrößern. Die Fotografen, die mit der Kamera in diesen Krieg zogen, taten das fast ausschließlich freiwillig und auf eigenes Risiko. Was sie schufen, gilt heute als ein Meilenstein des Mediums: Aufnahmen mit ungewöhnlicher narrativer Kraft, gestalterischer Tiefe und einem Informationsgehalt, der sie auch zu einzigartigen Zeitdokumenten macht.

Die Mehrzahl der gezeigten Fotos stammt aus dem Bestand der Library of Congress in Washington, wo sie in hoher Qualität digitalisiert wurden. Das eröffnete Kurator Michael Ebert die Möglichkeit, die historischen Bilder exklusiv für die Ausstellung aufwendig digital zu restaurieren und stark zu vergrößern. So erstrahlen sie buchstäblich in neuem Glanz und einer völlig ungekannten Bildwirkung.

Den Hauptwerken, rund 40 Bilder von Mathew B. Brady, Alexander Gardner, Timothy O‘ Sullivan und anderen, ist ein Prolog vorangestellt, in dem einige ganz frühe Kriegsfotos gezeigt werden. Dazu begleiten zwei Exkurse das Thema. Der Epilog schlägt die Brücke in die Gegenwart und nimmt auch Bezug auf die aktuelle weltpolitische Lage. Das erste bekannte Kriegsfoto überhaupt ist eine medizinische Darstellung. Es stammt aus dem Mexikanisch-Amerikanischen Krieg und zeigt eine Behandlung durch den belgischen Arzt Peter van der Linden 1847. Es steht im Prolog neben Aufnahmen aus dem Krimkrieg und dem Sardischen Krieg. Ein Exkurs befasst sich mit der Fotografie des Bürgerkrieges allgemein. Hier wird die Technik und Arbeitsweise dieser frühen Pioniere des Mediums behandelt. Ein weiterer Exkurs geht auf das hohe Risiko der Kriegsfotografen ein, die selber häufig zu Opfern und damit zu Patienten werden. Hier sind Bilder aus dem Vietnamkrieg und anderen modernen Kriegen zu sehen.

Die Ausstellung im Wilhelm-Fabry-Museum wird bis zum 4. Februar 2018 gezeigt. Ein umfangreiches Veranstaltungsprogramm begleitet die Ausstellung.
Öffnungszeiten: dienstags, mittwochs und freitags von 15 bis 17 Uhr, donnerstags von 15 bis 20 Uhr, samstags von 14 bis 17 Uhr, sonntags von 11 bis 13 Uhr und 14 bis 18 Uhr. 

Foto: Mathew B. Brady, U.S. National Archives and Records Administration