Sebastian und Tino: Zwei Prinzen – ein Paar für den Langenfelder Karneval

08.08.2019

Homosexualität soll auch im Brauchtum normal sein

Sie sind nicht das erste homosexuelle Prinzenpaar im rheinischen Karneval. Da ist ihnen Mönchengladbach zuvor gekommen. Doch Sebastian Zacher und Tino Kropp (Foto oben v.l.) geht es auch nicht darum, „Geschichte zu schreiben“: „Wir wollen einfach nur Spaß haben“, sagen die beiden Vollblut-Jecken vom Langenfelder Pappnasen e.V. von 2001. Beide sitzen im Vorstand des mit 17 aktiven Mitgliedern relativ kleinen Karnevalsvereins: Sebastian als Vorsitzender und Tino als stellvertretender Schriftführer.

In der vergangenen Session waren sie bereits als Prinzenbegleiter unterwegs. Dass sie nun selber das Prinzenpaar werden dürfen, hat sich durch einige zufällige Gespräche beim diesjährigen Erdbeerfest des Richrather Karnevalsvereins (RKV) ergeben. „Wir hatten einen potentiellen Sponsor, und es gab sonst keine Kandidaten“, berichtet Tino. „Also haben alle gesagt: Wir machen das jetzt.“

Keine Frauenkleider, sondern klassisches Ornat

Nun kommt natürlich eine gewaltige Aufgabe auf die beiden zu, und die eventuelle mediale Aufmerksamkeit wird nur ein Teil davon sein: „Wir sind uns der Dimension wohl bewusst“, sagt Sebastian Zacher (34), der im realen Leben Zierpflanzengärtner ist und nun im Versandhandel arbeitet.

Das gemeinsame Ornat haben sie schon ausgesucht. Und sie werden dabei ganz klar keine Klischees bedienen: „Es wird keine Frauenkleider und keinen Glitzer geben. Das mögen wir selber nicht“, sagt der 33-jährige Schreiner Tino Kropp. Das Ornat wird ganz traditionell und in den Vereinsfarben der Pappnasen – Schwarz-Rot – geschneidert. „Wir wollen damit zeigen, dass wir ganz normal Karneval feiern wollen. Denn das sollte im Jahr 2020 eigentlich normal sein.“

Derzeit wird bereits das Mottolied der Session 2019/2020 einstudiert: „Das soll als eine schöne Erinnerung an unsere Zeit erhalten bleiben.“

Die einzige Frage wird wohl sein: Wer bekommt eigentlich das Zepter? Da wird es wohl einige amüsante Neckereien auf der Bühne geben. Doch auch das ist bei den beiden Jecken so üblich: „Wir werden oft mit Waldorf und Statler aus der Muppet Show verglichen, weil wir uns immer gegenseitig auf die Schippe nehmen“, sagt Tino. „Das ist aber auch in unserem ganzen Verein so gang und gäbe. Wir wollen auch nicht einfach nur Orden verleihen, sondern unser Publikum unterhalten und bespaßen.“

Für Langenfeld ist das homosexuelle Prinzenpaar ein Novum, für das Festkomittee (FLK) ein wichtiger Schritt in die moderne Zeit: „Der Langenfelder Karneval lebt damit einmal mehr ein Stück gesellschaftliche Normalität vor“, sagt Präsident Hans-Werner Jansen. „Aus Toleranz wird Akzeptanz.“

 

Langenfeld-Karneval-Festkomitee-Prinzenpaar

Markus Ibert (Prinzengarde), Petra Trettin (Pappnasen), die Prinzen Sebastian und Tino, Kerstin Peters (Pappnasen) und Wolfgang Christmann (Spiess Ratzen v.l.) fiebern der nächsten Saison entgegen.

 

Fotos: Festkomitee Langenfelder Karneval

 

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