Explosion bei Polizeieinsatz in Ratingen – Einsatzkräfte verletzt, teilweise lebensgefährlich

11.05.2023

Tatverdächtiger durch Spezialeinheiten festgenommen – Polizei findet weiblichen Leichnam

Diese Nachricht hat den Kreis Mettmann am Donnerstag, 11. Mai, in Atem gehalten: Während eines Polizeieinsatzes in Ratingen wurden mehrere Einsatzkräfte von Polizei und Feuerwehr durch eine Explosion zum Teil lebensgefährlich verletzt. Ein Tatverdächtiger konnte vor Ort festgenommen werden. In der betroffenen Wohnung fanden die Einsatzkräfte einen weiblichen Leichnam. Die Ermittlungen dauern an.

 

Was war passiert?

Beamte der Kreispolizeibehörde Mettmann wurden am Vormittag, ca. 10.40 Uhr, zu einem Hochhaus an der Berliner Straße gerufen. Einsatzanlass war eine mutmaßlich hilflose Person in einer Wohnung im 10. Obergeschoss, erklärt die Kreispolizei Mettmann.
Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) NRW ergänzt in ihrer Pressemitteilung: „Die Einsatzkräfte waren vom Vermieter in das Hochhaus gerufen worden, weil der Briefkasten einer Wohnung übergequollen war und der Verdacht bestand, dass eine hilflose Person gerettet werden muss.“

 

Während sich die Feuerwehr Zugang zur Wohnung verschaffen wollte, wurde plötzlich die Tür von innen von einen Mann geöffnet. Unmittelbar danach folgte die Explosion, und der Verdächtige legte einen Brand, der ein Betreten der Wohnung und Aufklärungsmaßnahmen in den Räumlichkeiten erschwerte.

 

Eine Polizeibeamtin (25 Jahre) und ein Polizeibeamter (29 Jahre) wurden lebensgefährlich verletzt, 22 weitere trugen leichte Verletzungen davon. Von den Einsatzkräften der Feuerwehr wurden sieben Personen verletzt, davon drei lebensgefährlich und vier schwer. Die Polizei zog unter Führung des Polizeipräsidiums Düsseldorf eine Vielzahl an Kräften am Einsatzort zusammen. Mithilfe von Spezialeinheiten konnte der Mann schließlich überwältigt und festgenommen werden.
Es handelt sich um einen 57-jährigen deutschen Staatsangehörigen, sagt die Kreispolizei.

 

Wer ist die Tote?

Bei der Wohnungsdurchsuchung wurde durch die Einsatzkräfte ein weiblicher Leichnam aufgefunden.
Laut einem WDR-Bericht „sind sich die Einsatzkräfte sicher, dass die Person schon vor längerer Zeit gestorben ist. In der Wohnung habe es einen starken Verwesungsgeruch gegeben.“

Wer die tote Person ist, sei immer noch nicht geklärt. Der 57-Jährige lebte nach Angaben der Behörde zusammen mit seiner Mutter in der Wohnung, heißt es beim WDR.
Die Ermittlungen zu den Hintergründen des Geschehens sowie zur Identifizierung der Frau und den Umständen ihres Todes dauern an.
Die Staatsanwaltschaft Düsseldorf wertet das Geschehen als versuchtes Tötungsdelikt.

 

***Update***

Verdächtiger hält Corona-Impfung für "Teufelswerk"

Die Staatsanwaltschaft wirft mutmaßlichen Täter nun "versuchten Mord in neun Fällen vor", berichtet der WDR aktuell am 16. Mai. Der Mann sitze in Untersuchungshaft, verweigere aber die Aussage. In der Wohnung seien Schriften gefunden worden, die "Verschwörungstheorien" beinhalten, heißt es weiter. So habe der 57-Jährige die Covid-19-Impfung als "Impfung des Teufels" bezeichnet sowie Kirche, Staat und Arbeitsamt verachtet. 

 

Gewerkschaft der Polizei: "Fassungslos"

Mit großer Betroffenheit hat die Gewerkschaft der Polizei (GdP) auf die Explosion in einem Ratinger Hochhaus reagiert: „Polizisten und Feuerwehrleute tun alles, um hilflose Personen zu retten. Dass sie dabei selbst Opfer eines Explosionsanschlags werden, macht uns fassungslos“, sagte der stellvertretende GdP-Landesvorsitzende Michael Maatz in einer ersten Reaktion auf die verheerende Tat. „Unsere Gedanken sind jetzt bei unseren verletzten Kolleginnen und Kollegen und bei ihren Familienangehörigen.“ Maatz wies zudem darauf hin, dass die Ermittlungen zum genauen Tathergang gerade erst begonnen haben. „Öffentliche Spekulationen über die Hintergründe der Tat verbieten sich zum jetzigen Zeitpunkt. Wichtig ist für uns stattdessen das Mitgefühl mit unseren verletzten Kollegen, die um ihr Leben ringen.“

 

Der Ratinger Bürgermeister Klaus Pesch erklärte: „Meine Gedanken sind bei den Dienstkräften, die in Ausübung ihres Dienstes schwer verletzt wurden. Ich hoffe, dass die Polizei so schnell wie möglich herausfindet, was dort genau passiert ist. Sollte es wirklich eine Falle gewesen sein, ist das an Hinterhältigkeit nicht zu überbieten.“

 

Quelle: Kreispolizei Mettmann / WDR / GdP NRW / Stadt Ratingen
Foto: Kreispolizei Mettmann